Historische Sauer-Orgel kommt in die Stadtkirche
Von der Vision zum Klang

Gronau -

Die historische Sauer-Orgel darf von Dortmund-Dorstfeld nach Gronau umgesetzt werden. Ein doppelter Erfolg für das Orgelprojekt der Evangelischen Stadtkirche Gronau rund um Kantor Dr. Tamás Szőcs.

Dienstag, 10.01.2017, 07:01 Uhr

Fachleute der Firma Scheffler haben in der vergangenen Woche die Empore der Ev. Stadtkirche vermessen und die Planung der Orgel-Umsetzung konkretisiert.
Fachleute der Firma Scheffler haben in der vergangenen Woche die Empore der Ev. Stadtkirche vermessen und die Planung der Orgel-Umsetzung konkretisiert. Foto: privat

Die historische Sauer-Orgel darf von Dortmund-Dorstfeld nach Gronau umgesetzt werden. Ein doppelter Erfolg für das Orgelprojekt der Evangelischen Stadtkirche Gronau rund um Kantor Dr. Tamás Szőcs . Denn auch die Finanzierung dürfte gesichert sein. Wenn alles klappt, wird die Orgel im Winter 2018/19 in der Stadtkirche eingeweiht.

Dieser Erfolgsmeldung gingen lange und harte Verhandlungen voraus, in die die Evangelische Landeskirche von Westfalen, die Denkmalbehörde Dortmund und der Landschaftverband Westfalen-Lippe eingebunden waren. Für die Entscheidungsfindung verlangten die Behörden Gutachten, Machbarkeitsstudien, Klimamessungen, statische Messungen, Nutzungskonzepte, Umsetzungsangebote. Die Landeskirche und Kantor Szőcs lieferten eine Dokumentation von mehreren hundert Seiten. Für die Dauer des Umzugs und der Restaurierung hat die Orgel den Status eines beweglichen Denkmals erhalten.

Der Sachverständige (der auch die Orgelbauarbeiten in der Elbphilharmonie in Hamburg begleitet hat) und die Dorstfelder Sauer-Orgel begutachtet hat, bezeichnete das Instrument als „die wertvollste historische Sauer-Orgel, die es noch in dieser Größenordnung in Westdeutschland gibt“.

Die historische Sauer-Orgel zieht von Dortmund-Dorstfeld nach Gronau um.

Die historische Sauer-Orgel zieht von Dortmund-Dorstfeld nach Gronau um. Foto: Stephan Schuetze

Zu der Erlaubnis der Denkmalbehörde, das Ins­trument umzusetzen, gehört ein umfangreicher Auflagen-Katalog. Diese beziehen sich auf die genaue Dokumentation aller Handgriffe, auf den Umgang mit dem historischen Material, auf den Einsatz und die Herstellung der Ersatzteile nach historischen Vorbildern und Techniken. Die Arbeiten dürfen nur von einem Betrieb mit besonderen Qualifikationen ausgeführt werden. Die Wahl der Kirchengemeinde fiel auf die Orgelwerkstatt Scheffler aus Sieversdorf bei Frankfurt/Oder. Die Scheffler GmbH wird von Vater und Sohn, den Orgelbaumeistern Christian und Konrad Scheffler geleitet. Die Werkstatt ist führend bei Pflege, Restaurierung und Rekonstruktion von romantischen Orgeln, insbesondere von Sauer-Orgeln. Die Schefflers führten bereits umfangreiche Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten von Sauer-Orgeln im Bremer Dom, in der Thomaskirche Leipzig, auf Island, in Trondheim, in Tallinn und in Siebenbürgen durch.

Für die Zuteilung der Bundesmittel für Kultur und Medien in Höhe von 164 000 (die WN berichteten) kam die Erlaubnis der Dortmunder Denkmalbehörde in letzter Minute. Alle bürokratischen Vorgänge fanden zum Jahresende unter großem Zeitdruck statt. Die staatliche Zuwendung ist ausschließlich für die Umsetzung dieser Sauer-Orgel bestimmt und soll 50 Prozent einzelner restauratorischer Arbeitsschritte finanzieren. Bedingung der staatlichen Förderung war unter anderem der Nachweis, dass Gemeinde und Orgelbauverein in der Lage sind, die restlichen Kosten zu finanzieren. Das gelingt „dank dem Finanzpolster, das wir unseren Spendern verdanken, sagt Szőcs. Aus dem Spendentopf müssen nun die andere Hälfte der Umsetzungskosten, der Kaufpreis des Instruments, die Sanierung der Orgelempore in der Stadtkirche, die Dokumentationskosten und Kosten für die Erfüllung weiterer Auflagen der Denkmalbehörden beglichen werden.

Dank der staatlichen Zuwendung summierte sich der Vermögens- und Spendenstand des Orgelprojektes Ende 2016 auf 618 000 Euro. Innerhalb von zwölf Monaten wuchs der Betrag somit um 260 000 Euro. Darin enthalten sind (neben staatlichen und kirchlichen Zuschüssen) 60 000 Euro Einnahmen aus Spenden und aus Benefizaktionen.

Derzeit laufen die Vertragsverhandlungen. Der Kauf des Instrumentes ist für den 1. Februar geplant, die Abbauarbeiten in Dortmund beginnen Anfang Februar und sollen etwa vier Wochen dauern. In der 14 Tonnen schweren Sauer-Orgel stecken über 2000 Pfeifen aus Metall und Holz von der Länge zwischen einem Zentimeter und fünf Metern, mehrere Kilometer Bleirohre, viel Technik, große Gehäuseteile mit Rosette und ein gewaltiger Spieltisch – Teile, die seit 114 Jahren nicht bewegt worden sind. Geplant war, die Reinigungsarbeiten an Pfeifen und Holz noch in Dortmund zu erledigen; doch nun besteht auch dort Zeitdruck, denn die ehemalige evangelische Kirche gehört seit diesem Jahr einem Investor, der den Innenraum der Kirche für Veranstaltungen umgestaltet. Die Orgelteile werden daher nach Abbau in die Orgelwerkstatt gefahren bzw. in Frankfurt/Oder zwischengelagert und zur Reinigung und Restaurierung nach und nach herausgeholt.

Mit der Einweihung des Instruments in Gronau kann im Winter 2018/2019 gerechnet werden. Der Orgelaufbau wird rund vier Monate dauern. Das Innenleben des Instruments wird für die Empore der Stadtkirche behutsam angepasst, fehlende Gehäuseteile werden ergänzt, die Rosette wird restauriert. Vor allem wird der besondere romantische Klang auf die Gegebenheiten der Stadtkirche abgestimmt – „eine hohe handwerkliche und künstlerische Herausforderung“, sagt Szőcs.

Ein Neubau eines Instrumentes in dieser Größe von 40 Registern und dieser Qualität würde bis zu 900 000 Euro kosten, wofür keinerlei Zuschüsse bewilligt worden wären, sagt Tamás Szöcs. „Insofern ist die Anschaffung und Rettung der historischen Sauer-Orgel doch eine gute und vergleichbar günstigere Lösung. „Das Orgelprojekt der Evangelische Stadtkirche in Gronau rettet eine wertvolle Orgel der Spätromantik vor dem Verfall, ermöglicht die denkmalgerechte Restaurierung und den Verbleib eines besonderen Instrumentes innerhalb der westfälischen Landeskirche und führt sie ihrer Bestimmung zurück: Klingen im Gottesdienst und Konzert“, so der Kantor.

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