Heimatverein sucht Zeitzeugen: Wer kannte die Männer an den Verwaltungsspitzen von Gronau und Epe?
Bürgermeister während der NS-Zeit

Gronau/Epe -

Auf kommunaler Ebene waren die Nationalsozialisten sowohl in Gronau als auch in Epe vor 1933 nur eine unbedeutende politische Randerscheinung. Bei den damals letzten – eingeschränkt – freien Kommunalwahlen im März 1933 erzielte die NSDAP jedoch in beiden Orten mehr als Achtungserfolge. So erhielt die „Hitler Bewegung“, wie die NSDAP damals auch genannt wurde, in Gronau mit 1117 Stimmen einen Anteil von 22 Prozent, in Epe mit 978 Stimmen sogar rund 30 Prozent des Wählervotums. Das reichte den Nationalsozialisten in der Gronauer Stadtverordnetenversammlung für sechs von 26, in der Eper Amtsvertretung für zwei von acht Sitzen.

Samstag, 21.01.2017, 12:01 Uhr

Heinrich Bernard Capitaine 
Heinrich Bernard Capitaine 

Die Wahlergebnisse überraschen um so mehr, als auf den braunen Wahllisten keinerlei zugkräftige Honoratioren vertreten waren. Und so war man von einer absoluten Mehrheit in den beiden kommunalen Parlamenten noch weit entfernt. Jedoch hatten die Wähler mit diesem Stimmenzuwachs für die NSDAP die Weichen für eine konsequente „Machtergreifung“ auf politischer und gesellschaftlicher Ebene im nationalsozialistischen Sinne gesetzt.

So nutzte die NSDAP von Anbeginn alle Möglichkeiten, exponierte Stellen wie die des Bürgermeisters mit Nationalsozialisten bzw. ihnen nahestehenden Personen zu besetzen.

In Gronau war der zuvor parteilose Bürgermeister Dr. Otto Jansen bereits im Sommer 1932 unauffällig in die NSDAP eingetreten und hatte sich dadurch auch für eine NS-Amtszeit abgesichert. Er blieb unbeschadet im Amt und wechselt erst Ende 1937 auf einen höher dotierten Posten nach Ahlen.

Auf Jansen folgte ab 1938 der gelernte Schreiner Fritz Köster aus Dorsten. Dieser hatte als Leiter der Dorstener NSDAP-Ortsgruppe ab 1930 in der Lippestadt Parteikarriere gemacht und es dort zum besoldeten Ersten Beigeordneten gebracht. Köster kam bei einem Bombenaufgriff am 20. März an seinem Schreibtisch im Gronauer Rathaus zu Tode.

In Epe übernahm wenige Wochen nach der Kommunalwahl der NSDAP-Ortsgruppenleiter und Kreistagsabgeordnete Carl Walz als kommissarischer Bürgermeister die Amtsgeschäfte des handstreichartig kaltgestellten Dörenkamp. Nachfolger von Walz, den man zur „Durchführung besonderer Aufgaben“ der Gauleitung abgeordnet hatte, wurde daraufhin für ein Jahr Johann Heinrich Thörner.

Auf Thörner folgte das NSDAP-Mitglied Hans Reinbrecht auf den Bürgermeistersessel, der sein Amt mit harter Hand ausführte. Reinbrecht bewarb sich 1939 auf einen besser bewerteten Bürgermeister-Posten nach Borghorst, den er auch 1940 übertragen bekam. Sein Nachfolger wurde der Haltener Heinrich Bernard Capitaine, der zuvor als Werksleiter bei den Stadtwerken in Coesfeld beschäftigt war.

Auch Capitaine, der sich selbst immer gerne „Heina“ nannte, war frühzeitig Mitglied der NSDAP und hatte ebenfalls über die Parteischiene einen gewissen beruflichen Status erreicht. Die Ernennung zum Bürgermeister von Epe erfolgte 1941, wobei auf eine Ausschreibung der Stelle verzichtet worden war. Dort blieb er bis zum Einmarsch der alliierten Truppen zu Ostern 1945 im Amt.

Über das politische und administrative Wirken die Bürgermeister von Gronau und Epe zur Zeit des Nationalsozialismus ist derzeit nur wenig bekannt. Auf der Homepage der Stadt Gronau sind lediglich die Namen der damaligen Bürgermeister aufgelistet. „Aus dieser Zeit ist in der schriftlichen und bildlichen Überlieferung der Stadt Gronau und der Gemeinde Epe kein geeignetes Material mehr vorhanden“, ist daraus zu entnehmen.

Eckhard Bohn vom Heimatverein Gronau sucht daher Zeitzeugen, die noch Erinnerungen an die damaligen Bürgermeister haben. Insbesondere bei Heinrich Capitaine dürfte das noch der Fall sein. Zwischenzeitlich nach 1945 inhaftiert, lebte er nach seiner Entlassung bis etwa 1955 wieder in Epe (zuerst Merschstraße, danach am Bahnhof Lasterfeld). Eckhard Bohn möchte die Lebensläufe der vorgenannten Bürgermeister nachzeichnen. Hierbei möchte er sich nicht nur auf die Aktenbestände in den diversen Archiven beschränken. Wer als in dieser Angelegenheit mit Fotos, Dokumenten oder persönlichen Erinnerungen helfen kann, wende sich an Eckhard Bohn, ✆  02562 24828 oder an die Gronauer Lokalredaktion der WN.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4573568?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F4848746%2F4848749%2F
Eiersuche mit Picknick
Insgesamt 11 000 bunte Ostereier haben Kinderherzen am Montag im Schlossgarten höhe schlagen lassen.
Nachrichten-Ticker