Jahresbilanz der Erziehungsberatungsstelle der Caritas 
Die Anfragen sind stabil

Epe -

Haben Sie schon gehört? Eine Jugendgang macht die Stadt unsicher. Und diese Messerstecherei neulich auf dem Schulhof? Ganz zu schweigen von den Realschülern aus Epe, die jetzt nach Gronau zwangsversetzt werden . . . Wann immer solche Ereignisse oder auch nur die Gerüchte davon die Runde machen, die Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle hören davon, noch ehe sie in der Zeitung stehen. Und nicht selten wird daraus für sie ein Arbeitsauftrag.

Samstag, 21.01.2017, 10:01 Uhr

Carsten Rakers an seinem Arbeitsplatz bei der Erziehungsberatungsstelle in Epe. Am Montag wird er hier zum letzten Mal sitzen.
Carsten Rakers an seinem Arbeitsplatz bei der Erziehungsberatungsstelle in Epe. Am Montag wird er hier zum letzten Mal sitzen. Foto: Frank Zimmermann

Davon erzählt der Leiter der Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbands für die Dekanate Ahaus und Vreden, Carsten Rakers . Er hat die WN eingeladen, um die Bilanz der Erziehungsberatungsstelle für das vergangene Jahr vorzustellen. Eine seiner letzten Amtshandlungen. Rakers verlässt Gronau .

Grundsätzlich, so sein Fazit für das vergangene Jahr, seien die Anfragen wegen Beratungsbedarfs stabil bis leicht steigend. 270 Personen, die sich persönlich oder telefonisch bei der Beratungsstelle gemeldet hatten, wurden als neue Klienten aufgenommen. 320 Fälle wurden abgeschlossen. Soweit der Bereich, der mit harten Zahlen aufwarten kann.

Das ist auf einem anderen Feld anders: bei den offenen Sprechstunden. Die bieten die Erziehungsberater in 27 Gronauer Einrichtungen an – vom Familienzentrum bis zu den weiterführenden Schulen. Dabei, räumt Rakers ein, seien im vergangenen Jahr sieben Kitas „bedauerlicherweise“ etwas kurz gekommen. Durch personelle Veränderungen und einen krankheitsbedingten Ausfall habe es bei den Beratungskapazitäten einige Engpässe gegeben.

Das Problem, da ist der scheidende Leiter zuversichtlich, werde in diesem Jahr nicht mehr auftreten. Seine Leitungsaufgaben übernimmt zum 1. Februar seine Nachfolgerin Hildegard Roling, die auch die pädagogischen ambulanten Dienste des Caritasverbandes leitet. Die Beratungsarbeit Rakers’ übernimmt dann der Erziehungswissenschaftler Christoph Muckelmann, der bereits am 1. September 2016 bei der Caritas für die Beratung in Ahaus eingestellt wurde. Das Team wird komplettiert von der Psychologin Uta Diekmann (mit einer Dreiviertel-Stelle) und der Sozialpädagogin Ilona Sattler-Gleis (halbe Stelle). „Wenn ich mir die Zahlen so anschaue und dann bedenke, dass wir nicht mal zwei volle Stellen für die Erziehungsberatung haben . . .“, sinniert Rakers an dieser Stelle des Gesprächs.

Neben den offenen Sprechstunden sind die Berater auch bei anderen Gelegenheiten „draußen“ unterwegs, halten zum Beispiel Vorträge oder machen Hausbesuche. „Wir dürfen nicht hier in der Beratungsstelle sitzen und warten, dass die Leute zu uns kommen“, ist Rakers überzeugt.

Inhaltlich hatten die Erziehungsberater im vergangenen Jahr viel mit den Themen Trennung und Scheidung zu tun. „Eigentlich erschreckend, dass das immer mehr wird“, sagt Carsten Rakers. „Je normaler Trennungen und Scheidungen werden, desto schwieriger wird der Umgang damit.“ Viel zu tun hatten die Berater auch mit begleiteten Besuchskontakten. Das bedeutet, dass Vater und Mutter oder ein Elternteil nur Kontakt zum eigenen Kind haben darf, wenn eine pädagogische Fachkraft dabei ist. Diese Begleitung – und manchmal auch eine vermittelnde Rolle zwischen den Eltern – übernehmen dann die Erziehungsberater.

Ihren Rat schätzen übrigens nicht nur Eltern, sondern auch andere Fachkräfte: Erzieherinnen oder Lehrerinnen zum Beispiel. Die Anfragen wegen des Verdachts auf eine Kindeswohlgefährdung seien 2016 spürbar gestiegen. Daraus sei jedoch nicht zu schließen, dass es tatsächlich mehr Kindeswohlgefährdungen gegeben habe, betont Rakers. Aber die Sensibilität für das Thema sei in den Einrichtungen offenbar noch einmal gestiegen.

Wie die Entwicklung weitergeht, wird Rakers aber höchstens aus der Ferne beobachten. Er übernimmt am 1. Februar die Leitung einer sozialpsychologischen Beratungsstelle des Zolls in Münster, wo er auch schon mit seiner Familie wohnt.

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