30 Jahre aramäischer Kulturverein
„Leben in der Stadt reicher gemacht“

Gronau -

Das Bild des Abends war im wahrsten Sinne des Wortes süß: Eine riesige funkensprühende Geburtstagstorte – umringt von fröhlichen Menschen, die am Samstagabend ein besonderes Jubiläum feiern: Der aramäische Kulturverein Turo D´Izlo blickte im Rahmen eines Festaktes im Saal des Gemeindehauses auf sein 30-jähriges Bestehen zurück.

Sonntag, 29.01.2017, 19:01 Uhr

Eine Riesentorte und viele Gäste ringsum: Der aramäische Kulturverein feierte am Wochenende sein 30-jähriges Bestehen. Neben Gottesdiensten und Ausstellungen gab es am Samstag auch einen Festakt im Gemeindehaus, an dem zahlreiche Ehrengäste teilnahmen.
Eine Riesentorte und viele Gäste ringsum: Der aramäische Kulturverein feierte am Wochenende sein 30-jähriges Bestehen. Neben Gottesdiensten und Ausstellungen gab es am Samstag auch einen Festakt im Gemeindehaus, an dem zahlreiche Ehrengäste teilnahmen. Foto: Klaus Wiedau

Wie ein roter Faden zog sich dabei das Wort „Danke“ durch das Programm, zu dem Vorsitzender Melki Akgül neben Gemeindemitgliedern auch die syrisch-orthodoxen Bischöfe Mor Philoxenos Mattias Nayis ( Deutschland ) und Mor Polykarpos Avgin Aydin (Niederlande) sowie Vertreter des Kreises, der Stadt, der politischen Parteien und der Kirchengemeinden in der Stadt begrüßte. Akgüls Stellvertreter, David Citjez, hatte zuvor aufgerufen, mit einer Schweigeminute des verstorbenen früheren Gronauer Bürgermeisters Karl-Heinz Holtwisch zu gedenken.

Melki Akgül erinnerte dann an die Anfänge von Gemeinde und Verein: 14 Familien seien – in der alten Heimat zur Flucht gezwungen – Mitte der 1980er-Jahre nach Gronau gekommen. „Stadt, Caritas und andere halfen ihnen damals, hier zurecht zu kommen und ein neues Zuhause aufzubauen“. so Akgül. Um die eigene Identität auch fernab des Tur Abdin zu bewahren und in die Zukunft zu tragen, sei am 25. Januar 1987 der Kulturverein Turo D´Izlo gegründet worden, der Name drücke den Bezug zur alten Heimat aus.

In der Folge sei den vielen aramäischen Familien, die im laufe der Jahre nach Gronau kamen, durch den Verein Hilfe in vielfältiger Weise zuteil geworden – ob bei Asylfragen, durch Sprachunterricht oder bei anderen Fragen der Integration oder des täglichen Lebens. Heute leben mehr als 400 Familien in und um Gronau, für deren Zusammenhalt der Verein sich engagiere, Das geschehe durch Treffen verschiedener Gruppen, durch Sport-, Musik- und Folklore-Angebote. Seit 2011 verfügen Gemeinde und Verein über ein eigenes Jugendzentrum mit vielfältigen Angeboten.

Vorsitzender Melki Akgül bei seiner Ansprache.

Vorsitzender Melki Akgül bei seiner Ansprache. Foto: Klaus Wiedau

Das alles sei, so Akgül, von vielen Menschen in den vergangenen drei Jahrzehnten ehrenamtlich auf die Beine gestellt worden: „Sie haben damit das Fundament gelegt, das es uns erlaubt, heute diesen 30. Geburtstag des Vereins zu feiern.“ Eine besonderen Dank richtete der Vorsitzende an Lahdo Özkaya, den Dekan der Gemeine, der von Beginn an – und trotz seines inzwischen hohen Alters immer noch – rund 500 Familien in und um Gronau betreue. Akgül schloss seine Ansprache mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass es den Verein auch in 30 Jahren noch geben möge.

„Ihr seid ein Beispiel für andere Gemeinden und Vereine“, rief Bischof Mor Philoxenos Mattias Nayis der Festversammlung zu

„Ihr seid ein Beispiel für andere Gemeinden und Vereine“, rief Bischof Mor Philoxenos Mattias Nayis der Festversammlung zu Foto: Klaus Wiedau

„Ihr seid ein Beispiel für andere Gemeinden und Vereine“, rief Bischof Mor Philoxenos Mattias Nayis der Festversammlung zu. Auch er dankte für die in 30 Jahren geleistete Arbeit. „Sehr glücklich über das Bestehen des Vereins und seine Aktivitäten“ zeigte sich auch der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer, Aydin Deniz. Dank sagte auch Ibrahim Savci als Vorsitzender des Kirchenkreises NRW – er wurde später für seine langjährige Tätigkeit als Berater des Vorstandes geehrt.

Der Mädchenchor der Gemeinde trug Lieder vor.

Der Mädchenchor der Gemeinde trug Lieder vor. Foto: Klaus Wiedau

„30 Jahre aramäischer Kulturverein geben Zeugnis einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte in Sachen Integration“, betonte stellvertretender Bürgermeister Rainer Doetkotte . „Sie dokumentieren in besonderer Weise, dass sich Individualität und Vielfalt, Einzigartigkeit und Gemeinsamkeit sowie Integration und Identität nicht ausschließen.“

Auch Doetkotte ging auf die Geschichte der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Gronau ein. Rund 1500 hätten bis heute in er Stadt eine neue Heimat gefunden: „Sie fühlen sich hier sichtlich Zuhause, sind angekommen“, so Doetkotte. Dass es ihnen gelungen sei, Teil der Gesellschaft zu werden, ohne die eigene Identität aufzugeben, nannte Doetkotte einen Teil der Erfolgsgeschichte und „ein hohes Gut“, für das alle gemeinsam eintreten sollten.

Der stellvertretende Bürgermeister schloss mit den Worten: „Sie haben das Leben in unserer Stadt reicher gemacht. Dafür sage ich ein herzliches Dankeschön.“

Nach der Ehrung der ehemaligen Vorsitzenden des Vereins und der Übergabe von Geschenken schloss sich dem offiziellen Teil ein Musikprogramm an.

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