Kurden feiern an der Bürgerhalle ihr Neujahrsfest
Friedliches Newroz-Fest

Gronau -

Gut 200 Menschen haben am Sonntagnachmittag das Newroz-Fest in Gronau gefeiert. Dazu hatten die in Gronau lebenden Kurden die gesamte Bevölkerung eingeladen. Allerdings blieben sie vorwiegend unter sich. Ratsmitglieder der SPD, der Gal und der Linken sprachen Grußworte.

Dienstag, 21.03.2017, 05:03 Uhr

Mit Musik und Tanz feierten die kurdischen Mitbürger ihr Newroz-Fest. Auch die HDP-Abgeordnete Tuğba Hezer Öztürk (kleines Foto) war unter den Gästen der Feier.
Mit Musik und Tanz feierten die kurdischen Mitbürger ihr Newroz-Fest. Auch die HDP-Abgeordnete Tuğba Hezer Öztürk (kleines Foto) war unter den Gästen der Feier. Foto: Martin Borck

Die Newroz-Tradition ist schon 3000 Jahre alt und stammt ursprünglich wohl aus dem persischen Raum. Heute wird das Fest vorwiegend in Zentralasien, im Nahen Osten und im Schwarzmeerbereich begangen. Newroz hat für die Kurden in Deutschland neben der kulturellen auch eine politische Bedeutung. Sie fühlen sich vor allem in der Türkei , woher ihr Volk stammt, als Menschen zweiter Klasse. Sie dürften ihre Kultur nicht ungehindert pflegen und ihre Sprache nicht sprechen, klagen sie. Auch gebe es dort keine Selbstverwaltung der Kurden. Der Konflikt hat in den vergangenen Jahrzehnten zu zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken geführt. Derzeit ist die Lage in der Türkei angesichts des bevorstehenden Referendums über das Präsidialamt besonders angespannt.

Die Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP im türkischen Parlament, Tuğba Hezer Öztürk, die aus Anlass des Festes in Gronau zu Gast war, wird zum Beispiel in ihrer Heimat verfolgt. Ihr werden Mitgliedschaft in und Unterstützung einer terroristischen Organisation sowie Separatismus vorgeworfen. Alle kurdischen Politiker würden vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan als Terroristen bezeichnet. Ihre Immunität wurde aufgehoben. Würde die Politikerin in die Türkei einreisen, würde sie verhaftet. Ihr droht jahrzehntelange Haft.

Für viele Kurden gilt der wegen Terrorismus verurteile Abdullah Öcalan, der sich mittlerweile aber mäßigend äußert, als Hoffnungsträger. Das zeigte sich auch am Sonntag: Auf Transparenten und einigen Fahnen wurde seine Freilassung gefordert.

Vor der Gronauer Bürgerhalle gab es viel Musik kurdischer, aber auch anderer Musiker. Es wurde in traditioneller Weise getanzt. Viele Frauen und Männer waren in traditioneller Kleidung erschienen. Auch das Entzünden eines Feuers gehört zu Tradition. Die Hoffnung der Kurden auf eine friedlichere Zukunft fasste Udo Buchholz (Gal) mit einem kurdischen Spruch in Worte: „Hoffnung ist wie der Zucker im Tee. Auch wenn sie klein ist, versüßt sie alles.“

Tuğba Hezer Öztürk

Tuğba Hezer Öztürk Foto: Martin Borck

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