Poetry Slam mit sieben Dichtern und Autoren
Wortwitz und Hintersinn

Gronau -

Es gibt Fragen, die nicht wirklich beantwortet werden wollen. Zum Beispiel, was die Renovierung kostet, wenn man mal so richtig auf den Putz haut. Oder ob man alle über einen Kamm scheren sollte, die auf Krawall gebürstet sind. Aber das ist ja an den Haaren herbeigezogen. Warum Johannes Floehr diese Fragen trotzdem stellt? Weil‘s wortwitzig ist. Und Wortwitz kommt meistens gut an bei Poetry Slams. So auch am Donnerstabend im voll besetzten Cinetech Gronau.

Samstag, 25.03.2017, 08:03 Uhr

Der K.O.  aus Gronau bei seinem Vortrag.
Der K.O.  aus Gronau bei seinem Vortrag. Foto: Martin Borck

Sieben Dichter und Autoren traten im fairen Verbal-Wettstreit gegeneinander an. Das Publikum spielte den Schiedsrichter und kürte den Krefelder zum Sieger. Es war eine knappe Entscheidung. Denn auch Simeon Buß aus Bremen erwies sich als fantasievoller und wortgewaltiger Künstler. Beiden hatte die Jury im Halbfinale die Höchstpunktzahl zuerkannt.

Das Publikum schätzt abstrusen Humor und Satire – doch sind Witz und Humor längst kein Garant für den Platz auf dem Siegerpodest. So trugen beide Finalisten auch ernste Lyrik und Prosa vor. Buß entführte die Zuhörer in eine gruselige Traumgeschichte. Floehr skizzierte einfühlsam das Leben eines alten Paars: August, der Künstler, ist dement; Doris steht ihm zur Seite: „Jammern ist nichts für Doris; August ist was für Doris!“

Ins Halbfinale hatte es auch Chiara (die derzeit ihr freiwilliges soziales Jahr im Rockmuseum absolviert) geschafft. „Die Welt braucht Idealisten“, forderte sie hintersinnig: „Es ist niemals zu spät – aber langsam wird‘s Zeit.“ In der zweiten Runde malte sie sich aus wie es wäre, „Wenn ich fliegen könnte“.

Florian Stein aus Essen ließ in einem „Clash of Culture“ seine politisch links stehende Freundin auf seine Eltern treffen: Die Mutter eine „Manifestation aller Zusammenfassungen von Astro-TV“, der Vater ein stramm Rechter, „dessen erste Amtshandlung am Morgen der Blick aus dem Fenster ist, um zu gucken, ob gegenüber schon eine Moschee gebaut ist“.

In der ersten Runde ausgeschieden war „Der K.O.“ aus Gronau . Schade eigentlich, denn sein Vortrag unter dem Titel „Verlieren“ enthielt gute Gedanken. „Verlieren ist auch eine Chance. Ich muss es wissen, denn ich bin ein Verlierer, aber mit Überzeugungen.“

Miedya aus Essen fragte sich verzweifelt, was ihre Mutter ihr sagen wollte mit dem Geschenk einer Vorratspackung Kondome . . .

Auch Henrike Klehr aus Düsseldorf machte einen guten Eindruck mit den Lebensstationen der fröhlich-unbeschwerten Sabine, die selbst die Zeugen Jehovas an den Rand der Verzweiflung bringt. Herrlich. Aber als Erste auf die Bühne zu müssen, ist beim Poetry Slam immer ein Nachteil: Die Juroren mit den Punktetafeln sind anfangs immer zurückhaltend mit der Vergabe von hohen Wertungen.

Außerhalb der Wertung hatten Malin und Patricia, Schülerinnen am Werner-von-Siemens-Gymnasium, einen während eines Workshops entstandenen Text vorgetragen. Moderator Marian Heuser führte souverän durch den Abend. Und das Publikum lauschte gebannt und applaudierte allen Teilnehmern kräftig. Schließlich – dem Text von „Der K.O.“ zum Trotz – gibt es beim Slam keine wirklichen Verlierer. Nicht unter den Teilnehmern, erst recht nicht unter den Zuhörern. Die erlebten anregende zweieinhalb Stunden.

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