Bethesda-Seniorenzentrum hat als erste Einrichtung in Deutschland den „Zaubertisch“ angeschafft
Tovertafel – einfach magisch

Gronau -

Es ist ein normaler Tisch. Eigentlich. Bis auf einmal wie aus dem Nichts virtuelle Blüten auftauchen. Die farbenfrohen Blumen bewegen sich über die Tischplatte. „Das ist ja schön“, kommt es wie aus einem Mund von den vier Senioren, die rund um den Tisch Platz genommen haben. Die Blüten reizen dazu, sie anzufassen. Und – oh Wunder: Werden sie berührt, wachsen sie. Bis eine von ihnen fast die gesamte Tischfläche ausfüllt. „Ein Zaubertisch!“, soll ein älterer Herr gerufen haben, als er das Gerät ausprobieren durfte. Weil der Apparat in Holland entwickelt wurde, sagte er es auf Niederländisch. Und so hatte das Spielzeug seinen Namen weg: „Tovertafel“. In den Niederlanden ist die Tovertafel in etlichen Altenhilfeeinrichtungen im Einsatz. In Deutschland hatte in dieser Woche das Bethesda-Seniorenzentrum Premiere.

Samstag, 25.03.2017, 08:03 Uhr

Das rote Tuch wird weggezogen: Bertha Bachmann, Hannelore Ottink, Margot Buhr und Ernst Orgzewalla staunen über die Blüten. Kurz darauf beginnen sie zu spielen. Im Hintergrund Markus Diegner, Netty de Graaf und Henricus Voß von der Tovertafel-Vertriebsfirma sowie Bethesda-Mitarbeiterin Imma Jesse und Christa Brune (Pflegedienstleitung).
Das rote Tuch wird weggezogen: Bertha Bachmann, Hannelore Ottink, Margot Buhr und Ernst Orgzewalla staunen über die Blüten. Kurz darauf beginnen sie zu spielen. Im Hintergrund Markus Diegner, Netty de Graaf und Henricus Voß von der Tovertafel-Vertriebsfirma sowie Bethesda-Mitarbeiterin Imma Jesse und Christa Brune (Pflegedienstleitung). Foto: Martin Borck

Was ist nun das Besondere? Was macht den Einsatz in Seniorenzentren sinnvoll? Es hat sich herausgestellt, dass die optischen und akustischen Reize Menschen mit Demenz aus ihrer Apathie herausholen können.

Die „wachsenden Blüten“ ist nur eines von mehreren interaktiven Spielen: In einem weiteren bedeckt virtuelles Herbstlaub den Tisch, das per Hand oder Handfeger weggekehrt werden kann. Einzelne Blätter bewegen sich, darunter krabbeln Käfer. Plötzlich scheint sich der Tisch in ein Aquarium zu verwandeln: Fische schwimmen herum. Die Nutzer können aber auch virtuelle Seifenblasen zum Platzen bringen, mit einem Strandball spielen und Schmetterlinge bestaunen. Auf den Tisch projizierte Anfänge von Sprichwörtern fordern zum Vervollständigen auf.

„Die Entwicklung der Tovertafel basiert auf wissenschaftlicher Forschung“, sagt Netty de Graaf von der herstellenden Firma. Die Diplom-Ingenieurin Hester Le Riche kam im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Technischen Uni Delft und der Freien Universität Amsterdam auf die Idee. Die Tovertafel entstand in enger Zusammenarbeit mit dem niederländischen Professor für Neuropsychologie, Erik Scherder . Er gilt als ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Arbeit mit demenzkranken Menschen.

Die Tovertafel holt Menschen mit Demenz aus ihrer Passivität. Die Initiative zum Spiel geht von der Tovertafel aus. Die sensorischen Reize lenken die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Spiel. Die Menschen mit Demenz öffnen sich, bewegen sich mehr, schlafen dadurch besser und sind weniger anfällig für Depressionen. „Die Naturelemente – Blätter, Fische, Tiere – machen viel aus. Die kennen die Menschen.“ Die Lebensqualität für die Menschen verbessert sich – und Kinder und Enkel haben erstaunt festgestellt, dass während des Spielens schon verloren geglaubte Charaktereigenschaften bei ihren dementen (Groß-)Eltern wieder hervorbrachen, sagt Netty de Graaf.

Von Demenz kann bei den vier Bethesda-Bewohnern Bertha Bachmann , Margot Buhr, Hannelore Ottink und Ernst Orgzewalla keine Rede sein. Sie waren am Donnerstag die ersten, die mit der Tovertafel spielen durften. Sie hatten ganz offensichtlich Spaß dabei. Auch, dass wenig später die virtuellen Herbstblätter durch den auf dem Tisch kredenzten Kaffee schwammen, war ein Grund für Heiterkeit. „So lange es nicht die Käfer sind . . .“ Die Sprichwörter haben die vier Senioren natürlich alle drauf. Und der Anfang eines Volkslieds animiert sie dazu, die Melodie anzustimmen.

Eine tolle Erfindung. Das fand auch Bethesda-Leiter Reinhard von Loh, als er das Gerät vor einigen Monaten in Losser zum ersten Mal sah. Dass ihn kürzlich Markus Diegner und Henricus Voß vom deutschen Vertriebspartner in Steinfurt ansprachen, war für ihn eine glückliche Fügung – denn er hatte sich in Holland bislang vergebens um einen Ankauf bemüht. Dabei wollte er sie unbedingt haben – denn für van Loh ist sie einfach magisch, diese Tovertafel . . .

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