Musikproduzent Giorgio Moroder besucht das Rock‘n‘Popmuseum
Mit Synthesizern auf Du und Du

Gronau -

Es scheint, als ob er jeden Synthesizer beim Vornamen kennt: Giorgio Moroder, erfolgreicher Musikproduzent, Komponist und dreifacher Oscar- und Golden-Globe- sowie vierfacher Grammy-Gewinner. Der gebürtige Südtiroler, der seit Jahrzehnten in Los Angeles lebt, hat die Entwicklung der Elektronik in der Popularmusik wie nur wenig andere geprägt. Nicht mit dem Anspruch, experimentelle Kunst zu machen, sondern ganz im Sinne der tanzbaren Mucke. Am Samstagnachmittag besuchte er das Rock‘n‘Popmuseum. Ein Abstecher aus Ahaus, wo er am Freitagabend Gast auf dem Tobit-Campus war und wo er in der Nacht zu Sonntag in der Diskothek „Next“ Platten auflegt. „So gegen 0.30 Uhr. Nicht zu spät“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Samstag, 25.03.2017, 16:03 Uhr

Giorgio Moroder (r.) mit Uwe Kronenfeld im Can-Studio.
Giorgio Moroder (r.) mit Uwe Kronenfeld im Can-Studio. Foto: Martin Borck

Museums-Mitarbeiter Uwe Kronenfeld führt den Gast ins Can-Studio. Das riesige Mischpult betrachtet der 76-Jährige nicht etwa mit Wehmut. Im Gegenteil: „Es ist doch toll, was man mit der heutigen digitalen Technik alles machen kann.“ Früher, in den 70ern, als er in München sein Tonstudio hatte, mussten mit Mühe und hohem Zeitaufwand die Einstellungen rekonstruiert werden, wenn eine Produktion für eine andere unterbrochen wurde. „Und wenn sich damals die Rolling Stones ankündigten, sagte man natürlich nicht nein.“

Und was hat ihn das Bandrauschen genervt. Die Magnetbänder blieben nie ganz ohne störende Geräusche. Selbst das Rauschunterdrückungssystem Dolby stellte den Musikproduzenten nie zufrieden. Das heutige digitale Equipment macht vieles einfacher. „Die ganzen Kabel zum Beispiel“, er zeigt auf die Stränge die an der Wand des Can-Studios hängen. „Heute braucht man das alles nicht mehr. Alles ist viel übersichtlicher.“

Die Synthesizer im Museum – die haben‘s es ihm angetan. „Den Roland 8000 – den hatte ich nicht. Aber das Nachfolgemodell“, erinnert er sich. Anfang der 70er-Jahre hatte er mit einem kleinen Moog angefangen – für Musikliebhaber, die in jener Zeit groß geworden sind, sind das allesamt Herstellernamen und Typenbezeichnungen, die sie mit bestimmten Musikern und Soundeffekten verbinden.

Moroder war und ist noch immer einer der Großen im Musikgeschäft. Dennoch: Die Besucher im Museum drehen sich nicht nach ihm um. Musikproduzenten stehen eher selten im Mittelpunkt, erscheinen kaum im Rampenlicht. Ihre Gesichter sind nicht bekannt. Aber die Künstler, die sie produzieren, die Musik, die dank ihrer Kunst herauskommt – die kennen alle. „What a Feelin“ zum Beispiel aus dem Film „Flashdance“, „Take my Breath away“ aus dem Film „Top Gun“. Oder das laszive „Love to love you, Baby“ von Donna Summer, mit dem er an der Wiege des Disco-Genres stand. Die BBC weigerte sich damals, das Stück zu senden. „Das Time Magazine hat mal gezählt: Es sollen 57 Stöhner gewesen sein“, sagt Moroder. Damals ein kleiner Skandal, der in seinem Studio seinen Ausgang nahm – heute ist das Stück kein Aufreger mehr. Aber es gehört zum kollektiven Erinnerungsgut.

Auf dem Weg zum Museum hat sein Fahrer ihm das Udo-Lindenberg-Denkmal gezeigt. Kennt Moroder die Gronauer Nachtigall? „Ja, wir haben uns vor Jahrzehnten getroffen. Ich habe seinen damaligen Schlagzeuger Keith Fossey mit nach Los Angeles genommen.“

In der Dauerausstellung zeigt ihm Kronenfeld den Bereich, in denen Moroders Produktionen die Hitparaden beherrschten. Tatsächlich: Auf dem Bildschirm ist auch ein Ausschnitt von „Love to love you“ zu sehen und zu hören. „Machen Sie mal ein Foto von mir vor dem Bildschirm!“, bittet er Kronenfeld und reicht ihm sein Smartphone. „Ist für meine Frau.“

Zum Schluss des Besuchs: der Eintrag ins Gästebuch. „What a Feeling“, schreibt er über sein Autogramm. Moroder erhält das obligatorische Geschenk: die Schneekugel mit dem Museum. „Hoffentlich krieg ich die mit ins Flugzeug“, sagt er. und dann steigt er ins Auto und ist weg . . .

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