Bürgermeisterin besuchte mit dem Initiativkreis aus Epe die Synagoge in Enschede
Ein Gebäude wie ein Bilderbuch

Gronau/Enschede -

Erst vor einigen Wochen pflanzten Schüler der Anne-Frank-Schule in Gronau einen Kastanienbaum auf dem Gelände der Synagoge in Enschede an der Prinsenstraat. Was Bürgermeisterin Sonja Jürgens damals aus zeitlichen Gründen nicht schaffte, holte sie jetzt nach: Mit Mitgliedern des Initiativkreises „Alte Synagoge Epe“ besuchte sie die schönste Synagoge der Niederlande und nahm an einem Gespräch mit der Vorsitzenden des Freundeskreises, Irene Berg, aber auch mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Enschede, Franz Overweg, teil.

Freitag, 28.04.2017, 10:04 Uhr

Führung durch die Synagoge: (v.l.) Rudi Nacke, Martin Dust, Heinz Krabbe, Frank Overweg (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Enschede) und Bürgermeisterin Sonja Jürgens.
Führung durch die Synagoge: (v.l.) Rudi Nacke, Martin Dust, Heinz Krabbe, Frank Overweg (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Enschede) und Bürgermeisterin Sonja Jürgens. Foto: hdm

Die Teilnehmer waren sich einig, dass Nationalsozialismus, Holocaust, die Gräueltaten und der Widerstand im Dritten Reich bei den jüngeren Generationen aufgearbeitet werden müssen. Die Anne-Frank-Schule in Gronau gehe da mit gutem Beispiel voran. In Enschede selbst, so Irene Berg , gibt es keine Schule oder keine Straße, die nach Anne Frank benannt wurde. Um so wichtiger war für sie, dass auch die Bürgermeisterin aus Gronau ihre Einladung zur Besichtigung der Synagoge nun angenommen hatte.

Sonja Jürgens kam unter anderem in Begleitung von Heinz Krabbe, der seit einigen Jahren die deutschen Führungen der Gäste durch das Gebäude übernimmt. Er schilderte den Besuchern die Geschichte vom Bau des Gebäudes, von der Besetzung und Belegung durch die Nationalsozialisten bis hin zum heutigen Tag.

Für Besucher ist die Synagoge ein einziges Bilderbuch und ein architektonisches Kleinod zugleich. Erst 1998 wurde der Synagogenkomplex zum „Reichsmonument“ erklärt und steht somit für immer unter Denkmalschutz. Erstaunlicherweise ist das Interieur trotz der bewegten Geschichte nahezu komplett erhalten geblieben. Heinz Krabbe zeigte mit seiner Führung die schönste Art, die Synagoge zu entdecken.

Im Synagogen-Café kam die Sprache auch auf das Gronauer Projekt „Alte Synagoge Epe“. Irene Berg und Frank Overweg bewerteten dieses Projekt als sehr positiv. Sie wünschten sich für die Zukunft eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem Initiativkreis in Gronau und der jüdischen Gemeinde in Enschede. Um den musealen Charakter auszudrücken, will die jüdische Gemeinde Enschede gerne kulturelle Gegenstände aus ihrem Besitz beisteuern und den Förderverein, der bald gegründet werden soll, grenzüberschreitend unterstützen.

In die Arbeit dieses Fördervereins wird auch der jüdische Friedhof in Gronau einbezogen. Irene Berg und Frank Overweg zeigten sich überrascht über die vielen Ideen des Gronauer Initiativkreises. Sie äußerten den Wunsch, einmal diesen Friedhof besichtigen zu können, was Bürgermeisterin Sonja Jürgens versprach. „Wir hoffen“, so Sonja Jürgens, „dass wir uns noch öfter begegnen werden.“ Nach Jürgens Worten kann nur so die grauenvolle Geschichte des Nationalsozialismus von den jetzigen Generationen behandelt und verarbeitet werden, damit ein derartiger Völkermord in Zukunft nie wieder geschehen kann.

Der Initiativkreis teilt in diesem Zusammenhang mit, dass sich Landrat Dr. Kai Zwicker im Mai zu einer Besprechung angekündigt hat. Auch er hat bereits vor einiger Zeit schriftlich die Unterstützung des Projekts Alte Eper Synagoge mitgeteilt.

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