Yaron-Herman-Trio: Gut aufgelegte Musiker faszinierten
Manifestation der Freiheit

Gronau -

Das Konzert fand nach 90 Minuten eine lockere Fortsetzung mit Gesprächen im Foyer der Studio-Lounge: Dem Pianisten Yaron Herman und seinen beiden Mitstreitern Ziv Ravitz (Schlagzeug) und Bastien Burger (Bass) gefiel es in Gronau offensichtlich gut. Die Chemie zwischen den Musikern und dem konzentriert und fasziniert lauschenden Publikum stimmte. Das Trio lief zu Höchstform auf.

Mittwoch, 03.05.2017, 19:05 Uhr

Ziv Ravitz am SchlagzeugYaron Herman am Piano gab den Ton an.
Ziv Ravitz am SchlagzeugYaron Herman am Piano gab den Ton an. Foto: Hartmut Springer

Woran man das merkte? An der intensiven Spannung, die sich in der Musik selbst und in der Körpersprache der Musiker ausdrückte. Spannung, die beispielsweise durch ein langes Crescendo aufgebaut wurde und sich nach endlos scheinenden Minuten, in denen die Zuhörer dem Geschehen fast atemlos folgten, in einer Klangeruption entlud.

Auf der Bühne herrschte eine intensive Kommunikation zwischen den Dreien. Die Musiker trieben einander an; Herman hielt es oft nicht auf seinem Schemel. Schlagzeuger Ziv Ravitz hatte es noch am einfachsten, weil er die Spannungen am unmittelbarsten in körperliche Aktivität umsetzen konnte.

Der Jazz war avantgardistischer Art, trotz der klassischen Klaviertrio-Besetzung. Doch das Instrumentarium war durch die Möglichkeiten computerelektronischer Spielereien erweitert. Samples und Verfremdungen sind wahrlich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts; doch die jüngere Generation von Musikern hat gelernt, sie maßvoll einzusetzen. Weniger um des Spektakels willen; vielmehr um die vorhandenen Klangräume zu erweitern. Oder aber auch – und der Eindruck drängte sich bei Herman auf – um die Angst vor der Leere zu nehmen: Jeder Kreative kennt wohl die Mühe, den ersten musikalischen Gedanken zu fassen, den ersten Satz eines Textes zu formulieren oder den ersten Pinselstrich eines Bildes zu setzen. Ein Sample kann da eine Inspiration bieten.

Teils wortlose Gesänge und per Synthesizer erzeugte Klangflächen ließen in den ersten Stücken Konturen verwischen. Fragile pianistische Tontrauben verstärkten den impressionistischer Charakter. Mehr Andeutungen als konkrete musikalische Themen prägten die ersten Eindrücke. Dann wiederum sorgten sich wiederholende Motive für Dynamik. Und da – war da nicht ein kurzes Zitat von Bach zu hören? Hermans Musik ist von vielen Stilen beeinflusst; dennoch kommt es nicht zu Stilbrüchen, weil er die Musik quasi auf eine Meta-Ebene hebt, auf der alles zusammenpasst. Der Pianist drückt dem Auftritt seinen Stempel auf.

Es gab überraschende Breaks, dann wieder Phasen, in denen es schien, Herman taste auf den Tasten nach dem richtigen Ton. Ein faszinierendes Spiel mit den Mitspielern und den Zuhörern. Obwohl die Stücke präzise durchkomponiert sind, offenbart sich vor den Augen und Ohren des Publikums ein kreativer Prozess. Anregend und mitreißend, eine Manifestation musikalischer Freiheit.

Yaron Herman

Yaron Herman Foto: Hartmut Springer

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