Prof. Albrecht Beutelspacher machte Lust auf Mathematik
Herzlicher Pyramidenbauer

Gronau -

Flutsch! Die beiden gespannten Gummibänder ziehen sich zusammen. Und was gerade noch zwei flache Rauten aus Pappe mit je einem Knick in der Mitte waren, ist plötzlich ein dreidimensionales Objekt: ein Tetraeder, wie es die Mathematiker seit der Antike nennen, gemeinhin aber als vierseitige Pyramide beschrieben wird.

Donnerstag, 11.05.2017, 08:54 Uhr

Aus zwei aufeinandergesetzten Ringen entsteht durch Schnitte ein quadratischer Rahmen. Unten rechts das Ergebnis der Schneideprozedur bei zwei spiegelbildlichen Möbiusbändern.
Aus zwei aufeinandergesetzten Ringen entsteht durch Schnitte ein quadratischer Rahmen. Unten rechts das Ergebnis der Schneideprozedur bei zwei spiegelbildlichen Möbiusbändern. Foto: Martin Borck

Als Pyramidenbauer fungiert am Dienstagabend Prof. Dr. Albrecht Beutels­pacher. Der Mathematiker ist auf Einladung des Gymnasiums in der Aula zu Gast – und er hat noch viel mehr derartiger Tricks auf Lager. Er wirft zwei mit Gummiband unter Spannung gesetzte Pappen – diesmal jeweils sechs regelmäßig angeordnete fünfeckige „Blumen“ – in die Luft, und fängt ein Dodekaeder auf, einen fußballähnlich geformten Körper mit zwölf Flächen.

Mathematik fasziniert. Ihr wohnt eine großartige Ästhetik inne. Das vermittelt Beutelspacher in seinem Vortrag. Seine Experimente – die jeder nachvollziehen kann – sollen zum Denken anregen. „Auf einmal macht es klick, weil man weiß, wie es funktioniert“, beschreibt er die Heureka-Momente in der Mathematik.

Der Professor beschäftigt sich hauptberuflich mit Geometrie und diskreter Mathematik. Aber sein größtes Verdienst ist es, das bei vielen als schwierig verschriene Fach einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu hat der an seiner Universitätsstadt Gießen das Mathematikum aufgebaut und eine Wanderausstellung konzipiert, die derzeit im Gymnasium zu sehen ist.

Doch zurück in die Aula: Lange bevor die alten Griechen sich mit Geometrie beschäftigten, begannen Menschen zu zählen und bekamen einen Begriff von natürlichen Zahlen. Schon vor 30 000 ritzten unsere Vorfahren Kerben in Knochen, Holz oder Steine.

Das Dezimalsystem ist jedoch erst 1500 Jahren alt, so Beutels­pacher. Es stammt wie die Erfindung der Null aus Indien. Der Professor demonstriert auf den ersten Blick verblüffende, aber völlig logische Methoden, wie die Multiplikation zweier Zahlen vereinfacht werden kann. Aber am verblüffendsten sind die Experimente mit Papierstreifen. Da gelingt dem Professor im übertragenen Sinn fast das Unmögliche: die Quadratur des Kreises: Zwei Papierringe versetzt aufeinander geklebt, die Schere angesetzt und die Ringe jeweils in der Mitte ringsum aufgeschnitten. Tatsächlich: Es bildet sich ein quadratischer Rahmen. Wo die rechten Winkel plötzlich herkommen? Das erfolgreich zu eruieren, erzeugt einen Klick.

Noch skurriler wird es, als der Professor zwei Möbiusbänder – eines links herum gedreht, das andere rechtsherum – derselben Prozedur unterzieht: Das Ergebnis sind zwei herzförmige Gebilde, die ineinanderhängen. Kommentar des Professors: „Wer hätte das der Mathematik zugetraut?“

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Die öffentlichen Zugangszeiten zur Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ am Siemens-Gymnasium sind am Freitag (12. Mai) und Dienstag (16. Mai), jeweils von 14 bis 17 Uhr, und Mittwoch (17. Mai) von 16 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro pro Person.

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