Naturschutzgebiet Ammerter Mark
Illegaler Entwässerungsgraben zerstört Vogelparadies

Epe -

Wo früher Vögel sangen, herrscht jetzt Grabesstille. Oder vielmehr Graben-Stille. Denn irgendjemand hat mitten durch eine Fläche im Naturschutzgebiet Ammerter Mark, gerade noch auf Eper Gebiet vor der Ortsgrenze zu Nienborg, einen Graben gezogen. Die Folge: Das Gebiet ist völlig entwässert.

Mittwoch, 17.05.2017, 14:27 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.05.2017, 14:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.05.2017, 14:27 Uhr
Uferschnepfen und der große Brachvogel fühlten sich wohl in dem Naturschutzgebiet.
Uferschnepfen und der große Brachvogel fühlten sich wohl in dem Naturschutzgebiet Ammerter Mark. Foto: Helmut Vügteveen

Der Lebensraum der dort nistenden Vögel, die auf Wasser angewiesen sind, ist zerstört. Naturfreunde und Landschaftswarte sind entsetzt. „Mir stehen die Tränen in den Augen, wenn ich sehe, was da gemacht worden ist“, sagt Helmut Vügteveen. Naturfreund Willi Wollenweber spricht von einer trostlosen Situation.

Landschaftswart Sascha Brütting setzt den Eingriff mit einer vorsätzlichen Zerstörung eines geschützten Lebensraums gleich. Wer den Graben gezogen hat, ist nicht bekannt. Zwar gibt es Vermutungen, doch die lassen sich nicht belegen. Der Kreis Borken und die Bezirksregierung sind eingeschaltet.

Kleines Paradies für Wasservögel

Das Gebiet war ein kleines Paradies, besonders für Wasservögel. Krickenten, Löffelenten und andere Entenarten wurden gesichtet, ebenso verschiedene Gänsearten, der Große Brachvogel, Uferschnepfen, Bekassinen, Rohrammern, Feldlerchen und viele mehr. „Sogar den seltenen Braunen Sichler habe ich dort einmal beobachtet“, sagt Helmut Vügteveen. „Und Knutts, die eigentlich an der Nordsee leben.“

Seltene Tiere und Pflanzen in NRW

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  • Der Raufußkauz gilt als gefährdete Art, die in Nordrhein-Westfalen ausschließlich in den Mittelgebirgsregionen vorkommt. Schwerpunktmäßig verbreitet ist die Eulenart noch im Sauer- und Siegerland. Bedroht ist der Raufußkauz durch einen Mangel an geeignetem Lebensraum. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Marcin Bielechi
  • Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Europas. Männchen werden 30 bis 75 mm und Weibchen bis zu 40 mm groß. Er kann bis zu acht Jahre alt werden, verbringt jedoch den größten Teil seines Lebens als Larve. Kernvorkommen liegen im Weserbergland – unter anderem im Kreis Lippe –, im Kreis Wesel, im Münsterland, im Bergischen Land sowie am Nordrand der Eifel und im Köln-Bonner Raum.

    Foto: A9999 Andreas Malten/Senckenberg
  • Der Wanderfalke ist das schnellste Lebewesen der Erde. Im Sturzflug erreicht er spektakuläre Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometer pro Stunde. Zum Vergleich: Formel 1-Wagen erreichen Höchstgeschwindigkeiten von gut 340 Kilometer pro Stunde. Vorkommen: Bochum, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim/Ruhr Oberhausen und Kreis Recklinghausen.

    Foto: Bernhard Volmer
  • Der Weißstorch ist ein wahrer Weltenbummler: Er überwintert im tropischen Afrika und kehrt jedes Jahr im April aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück, um zu brüten und Junge zur Welt zu bringen. Vor allem im Kreis Minden-Lübbecke kann man den bis zu 110 cm großen Schreitvogel durch feuchte Wiesen und Weiden schreiten sehen.

    Foto: Walter Weigelt
  • Noch in den 80er Jahren kamen Feldhamster auf dem Gebiet der ehemaligen DDR so häufig vor, dass ihr Fang staatlich organisiert werden musste. Heute hingegen ist der Nager in der gesamten EU eine streng geschützte Art. Aktuell ist nur noch eine einzige Feldhamsterpopulation im Zülpicher Raum im Kreis Euskirchen bekannt. Der Gesamtbestand liegt bei unter 50 Tieren.

    Foto: Uwe Anspach
  • Der Uhu ist die größte europäische Eulenart. Er kann seinen Kopf bis zu 270 Grad drehen. Vom Menschen ausgerottet, ist der Uhu heutzutage vor allem in den Mittelgebirgsregionen Nordrhein-Westfalens wieder weit verbreitet, so zum Beispiel schwerpunktmäßig im Teutoburger Wald, im Sauerland sowie in der Eifel.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Weil die Menschen früher glaubten, der Schwarzstorch bringe Unglück, und wegen seines edel-schimmernden Gefieders, wurde er mancherorts fast ausgerottet. In Nordrhein-Westfalen tritt der Schwarzstorch seit 1978 wieder als Brutvogel auf. Sein Vorkommen beschränkt sich auf die Mittelgebirgsregionen des Weserberglandes, des Siegerlandes, des Bergischen Landes und der Eifel.

    Foto: Frm
  • Weil er sich auf Nahrungssuche durch den Sand kaut, heißt dieser kleine Fisch Steinbeißer. Die aktuell bekannten Vorkommen sind lückenhaft über NRW verteilt. Der Schwerpunkt liegt jedoch in den Bächen der Münsterländer Bucht und im Wesereinzugsgebiet.

    Foto: Bezirksregierung
  • Das Leberblümchen wurde im Mittelalter zur Heilung von Leberleiden eingesetzt und blüht nur eine Woche. In NRW kommt die Pflanzenart neben dem Teutoburger Wald noch in den Kalkgebieten von Weser und Diemel, im östlichen Hochsauerland sowie in den Beckumer Bergen vor. Es gilt als „besonders geschützt“ und darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

    Foto: Marion Nickig
  • Der Feuersalamander darf heutzutage weder eingefangen noch verletzt oder gar getötet werden. Das sahen die Menschen im Mittelalter noch ganz anders: Sie glaubten, der Feuersalamander besäße die Gabe, Brände zu löschen. Also warf man ihn ins Feuer, wenn es irgendwo brannte. Neben dem Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es größere Vorkommen des schwarz-gelben Lurches vor allem im Weserbergland, der Eifel und dem Niederrhein.

    Foto: David Ebener
  • Die Europäische Wildkatze wird fälschlicherweise oft als Vorfahre aller heimischen Hauskatzen bezeichnet. Aber schon beim Aussehen gibt es Unterschiede: Die Wildkatze hat ein gelblichgrau bis bräunlich gefärbtes Rückenfell, das mit einem undeutlichen schwarzen Tigermuster gezeichnet ist. Sie ist eine hochmobile Art, deren Bestände sich in großen Waldgebieten wie dem Rothaargebirge, dem Egge-Gebirge oder der Eifel erholt haben.

    Foto: A3587 Ronald Wittek
  • Sein dichtes Fell war ein begehrter Pelz, sein Fleisch galt als ”Fisch” und durfte somit auch in der Fastenzeit gegessen werden: Zur Hoch-Zeit der Otterjagd erlegten Jäger noch vor dem Ersten Weltkrieg allein in Westfalen mehr als 10.000 Exemplare pro Jahr. Der Fischotter galt in NRW offiziell als ausgestorben oder verschollen. Seit 2009 gibt es eine Population aus wenigen Tieren mit Reproduktionsnachweis im Kreis Coesfeld.

    Foto: Patrick Pleul
  • Mit einer Körpergröße von 53 bis 58 Zentimetern ist der Große Brachvogel die größte in Mitteleuropa brütende Watvogelart. Ob sich der Große Brachvogel weiter im Bestand erholen wird, ist noch nicht vorhersagbar, denn er ist vom Klimawandel besonders betroffen. Verbreitungsschwerpunkte sind das Münsterland und Ostwestfalen.

    Foto: Thomas Starkmann
  • Wer in Aachen genau hinschaut, kann sie mit viel Glück - es gibt nur etwa 75 Exemplare - an Mauern, Felswänden oder Holzbalken entlangklettern sehen: die Mauereidechse, die ihrem ausgeprägten Klettervermögen auch ihren Namen verdankt. In NRW kommt die Mauereidechse natürlicherweise nur in der Eifel, dem Siebengebirge sowie im Einzugsbereich des Rheins bis Höhe Bonn vor.

    Foto: A3471 Boris Roessler
  • Mit seinem exotischen Aussehen macht der Eisvogel seinem Beinamen „fliegender Edelstein“ alle Ehre. Leverkusen und Umgebung bilden wichtige Lebensräume für den Eisvogel. Dort brütet er bevorzugt an vegetationsfreien Steilwänden aus Lehm oder Sand in selbst gegrabenen Brutröhren.  

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Sie kann vergiften – aber auch heilen. Früher wurde die Herbstzeitlose als Mittel gegen die Pest um den Hals getragen – ohne Erfolg. Heute werden ihre Wirkstoffe zielführender in der Therapie von Gicht angewendet. Nur essen sollte man die Pflanze nicht, weil ihre Wirkstoffe höchst giftig sind. Die Herbstzeitlose ist heute laut Roter Liste eine äußerst gefährdete Pflanze. Dem Krokus sehr ähnlich kommt das Liliengewächs in der Urdenbacher Kämpe in Düsseldorf vor.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Die Ringelnatter hat ein beeindruckendes Repertoire an Abwehrmechanismen. Trifft sie auf einen Feind bläht sie sich auf, faucht, setzt Scheinbisse ein und sondert ein übel riechendes Sekret ab. Hilft das alles nichts, legt sie sich auf den Rücken, zeigt ihre Zähne und stellt sich tot. Auf gar keinen Fall sollte man das ungefährliche Tier töten. Nach dem Bundesartenschutzgesetz ist die Ringelnatter nämlich besonders geschützt. Die Ringelnatter kommt verstärkt nur noch in den Mittelgebirgen unseres Landes vor, zum Beispiel im Bonner Kottenforst.

    Foto: Annika Keil
  • Im antiken Griechenland galt sein Gesang als Unglücksbringer und als Vorbote eines nahen Todes. Wer den Gesang jedoch heute hört, kann wohl eher von einem Glücksfall sprechen. Denn das Rufen des Raufußkauzes ertönt nur noch äußerst selten - schwerpunktmäßig im Sauer- und Siegerland.

    Foto: Axel Roll
  • Sein leuchtend rotes Kopfhaar erinnert aufgestellt an einen Irokesen. Leider kann man den agilen und quirligen Mittelspecht nur noch selten beobachten. Der Kreis Warendorf ist einer der bevorzugten Lebensräume des Mittelspechts.

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Tagsüber ist er fast nicht zu entdecken: Das graubraune Gefieder des Ziegenmelkers hebt sich kaum vom Untergrund ab, wenn er regungslos auf Zweigen oder am Boden sitzt. In der Regel hört man ihn nur nachts, wenn sein markantes und lang andauerndes monotones Schnurren erklingt. In NRW kommt der Ziegenmelker nur noch sehr lokal vor, zum Beispiel auf dem ehemaligen Flughafengelände Elmpt im Kreis Viersen, in der Wahner Heide bei Köln oder auf den Truppenübungsplätzen in der Senne.

    Foto: Reinhard Walther
  • Vor 80 Jahren kam er überall in NRW vor und machte insbesondere durch seine nächtlichen Konzerte auf sich aufmerksam. Doch mit zunehmenden Landschaftsveränderungen verstummte der Laubfrosch vielerorts. 1979 wurde er in der Roten Liste der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft, 1986 sogar als „vom Aussterben bedroht“. Heute ist der „Froschkönig“ jedoch auf gutem Wege, wieder auf die Sprünge zu kommen, vor allem im Kreis Unna.

    Foto: Stefan Sauer
  • Seit knapp 500 Jahren spielt die Arnika eine Rolle in der europäischen Medizin: Ihre sonnengelben Blüten werden äußerlich angewendet, zum Beispiel bei Prellungen, rheumatischen Beschwerden oder Entzündungen im Rachenraum. 2001 wurde sie „Arzneipflanze des Jahres“ und war zwischenzeitlich als Arzneipflanze so begehrt, dass die Art kurz vor dem Aussterben stand. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist einer der bevorzugten Lebensräume der Arnika.

    Foto: verschiedene
  • Die Grauammer fühlt sich wohl im offenen Ackerland, wo sie inmitten der Felder brüten und dort auch ihre Nahrung suchen kann. Ehemals kam sie flächendeckend in NRW vor, gab nach dem großräumigen Verlust geeigneter Habitate jedoch weite Bereiche des Landes als Bruträume auf. Heute ist sie nur noch sehr lokal in NRW zu finden, und zwar in den ausgedehnten Bördelandschaften im Raum Zülpich und Jülich sowie in den Vogelschutzgebieten ‚Hellwegbörde’ und ‚Unterer Niederrhein’.

    Foto: Joachim Weiss
  • Der Name ist Programm: Die Gelbbauchunke fällt auf durch ihre hellgelb bis orange gefärbte Bauchseite mit dunkleren Flecken. Sie ist ein kleiner Froschlurch, der eine Länge von nur 3,5 bis 4,5 Zentimeter erreicht und in Nordrhein-Westfalen seine nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Hier kommt die Gelbbauchunke vor allem im Rheinisch-Bergischen-Kreis in den Randlagen der Mittelgebirge vor. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Jochen Lübke

Der Eperaner hat sich mit Gleichgesinnten schon vor Jahren für den Schutz des Areals eingesetzt. „Wir haben angeregt, einen Zaun zu ziehen, damit keine Hunde auf die Fläche rennen. Dann hieß es aber zuerst seitens des Kreises, das sei zu teuer. Daraufhin haben wir angeboten, den Zaun selbst zu bauen. Doch dann hat der Kreis das doch noch selbst in die Hand genommen.“ das war im September 2014. Die Stadt stellte eine Bank auf, sodass Interessenten die Tiere beobachten konnten.

Bislang war immer Wasser da. Der Graben ist eine pure Vergewaltigung.

Helmut Vügteveen

Jetzt laufen Hasen über das Gelände, und das Grünzeug wächst – für die Naturschützer kein gutes Zeichen. „Dann ist es bald ganz am Ende“, fürchtet Vügteveen drastische Folgen für die Vogelwelt. „Bislang war immer Wasser da. Der Graben ist eine pure Vergewaltigung.“

Täter unbekannt

Er hat sofort, als er den Graben bemerkte, Alarm geschlagen. Die Biologische Station Zwillbrock, die das NSG unterhält, hat als erste Maßnahme den Ablauf provisorisch gedichtet. „Nach der Brutzeit wollen sie den Graben wieder zuschütten und das Gebiet so verändern, dass auch in Trockenperioden Wasser für die Tiere bleibt. Nur: Derzeit brüten kaum noch Vögel in dem Gebiet. „Nur ein paar Uferschnepfen habe ich gesehen, aber auch ein zerstörtes Nest.“ Schon vorher seien Hecken und Sträucher entfernt worden. Auch eine Überfahrt wurde entfernt. „Dabei ist das Naturschutzgebiet tabu“, sagt Vügteveen.

„Die Behörden gehen dem Vorfall nach. Aber keiner weiß, wer für die Eingriffe verantwortlich ist“, bedauert auch Sascha Brütting.

Für die engagierten Naturschützer ist der Vorfall frustrierend; sie hoffen aber darauf, dass die Bevölkerung sensibilisiert wird, auf dass derartige Eingriffe in die Natur künftig nicht mehr vorkommen.

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