Urenco
Uranmüll aus Gronau könnte enorme Auswirkungen auf Endlagersuche haben

Gronau -

Ist das Uranoxid, das in einer Halle auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage in Gronau gelagert werden soll, hoch radioaktiver Atommüll oder nicht? Wenn ja, dann könnte das Auswirkungen auf die Suche nach einem Endlager haben. Davon geht zumindest der Noch-Landtagsabgeordnete Hanns-Jörg Rohwedder (Piraten) aus, der eine Kleine Anfrag an die Landesregierung gestellt hat.

Mittwoch, 31.05.2017, 08:05 Uhr

Die Halle der Urenco, in der künftig Uranoxid eingelagert werden soll.
Die Halle der Urenco, in der künftig Uranoxid eingelagert werden soll. Foto: Urenco

Die Urenco will den Antrag auf Inbetriebnahme ihrer Lagerhalle für 60 000 Tonnen abgereichertes Uranoxid noch bis Ende Juni stellen. Das ist laut Rohwedder der aktuelle Stand. Der Politiker ist der Ansicht, dass das Uranoxid, aber auch das in Gronau lagernde abgereicherte Uranhexafluorid als Atommüll anzusehen seien. Das Uranoxid erfahre schließlich nach Umwandlung aus dem abgereichertem Uranhexafluorid – dem radioaktiven und chemotoxischen Abfallstoff aus der Urananreicherung – keinerlei Weiterverwertung.

Das dürfte vor dem Hintergrund der Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager ein wichtiger Aspekt sein. In der Begründung zum Standortauswahlgesetz (StandAG) für eine möglichst sichere Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll in Deutschland ist festgehalten, dass das jetzt zu suchende Endlager auch den abgereicherten Uranmüll aus der Urananreicherung in Gronau aufnehmen solle. Bei bisher geschätzten 100 000 Kubikmetern Atommüll, die bei fortlaufendem Betrieb der Urananreicherungsanlage Gronau anfallen können, müsste sich die Endlagerkapazität womöglich sogar verdreifachen. Das würde für jeden zu suchenden Standort eine bislang wenig beachtete enorme Auswirkung haben, so Rohwedder.

Dennoch bleibe in dem StandAG offen, ob die Bundesregierung den Gronauer Uranmüll definitiv als Atommüll sieht oder nicht. Die Entscheidung werde anscheinend weiterhin der Urenco überlassen, heißt es in einer Vorbemerkung zur Antwort auf die Anfrage.

Derzeit dürften in Gronau zudem 50 000 Tonnen Uranhexafluorid unter freiem Himmel lagern. „Hier hat sich an den Sicherheitsbestimmungen trotz ständiger Terrorwarnungen absolut nichts geändert.“ Auch das abgereicherte Uranhexafluorid sei als Atommüll anzusehen, weil die Urenco es nicht weiterverwende, sondern nur die Lagermenge vor Ort ständig erhöhe. Eine sichere Entsorgung sei nirgendwo in Sicht.

Ende März 2017 lagerten in dem Freilager 20 870,3 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid. Der externe Lagerbestand an abgereichertem Uranoxid aus der Anreicherung in Gronau betrug 8,1 Tonnen bei Daher-NCS in Hanau, 138 Kilogramm bei Areva Pierrelatte (Frankreich) und 20 Kilogramm im Forschungszentrum Jülich, so der Minister für Wirtschaft und Energie. Er gab an, dass er sich dafür eingesetzt habe, dass die Bundesregierung das in Gronau lagernde abgereicherte Uran im Rahmen einer Eventualplanung bei der Suche nach einem Endlager für insbesondere hoch radioaktive Abfälle berücksichtige.

Für die in Gronau anfallenden radioaktiven Abfälle sei die geordnete Beseitigung im Endlager „Schacht Konrad“ vorgesehen.

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