Landwirtschaft
Roboter sollen Unkraut mit Laser verbrennen

Bonn/Gronau -

Schluss mit Pflanzengiften! Der Gronauer Tim Wigbels forscht an einer Idee, die die Landwirtschaft revolutionieren könnte: Roboter sollen die Unkrautvernichtung übernehmen – und den unerwünschten Pflanzen mit dem Laser eins überbraten.

Donnerstag, 06.07.2017, 11:07 Uhr

Tim Wigbels (l.) und Julio Pastrana arbeiten an einem Roboter, der Unkraut per Laser verbrennt.
Tim Wigbels (l.) und Julio Pastrana arbeiten an einem Roboter, der Unkraut per Laser verbrennt. Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Der Gronauer Tim Wigbels arbeitet mit dem Mexikaner Dr. Julio Pastrana an einem Projekt, das die Landwirtschaft revolutionieren könnte. Sie entwickeln einen Roboter, der Unkräuter auf dem Feld erkennt und mit einem kurzen Laserpuls bekämpft. Nachhaltige Landwirtschaft, die weitgehend auf Herbizide verzichtet, könnte von dieser pfiffigen Idee profitieren. Davon sind Pastrana und Tim Wigbels vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn überzeugt. Eine – auch ökonomisch – praktikable Alternative für den Einsatz von Gift auf den Äckern anzu­bieten, ist den Informatikern sehr wichtig, wie Wigbels betont.

Wenn er erzählt, wie das ganze funktionieren soll, bekommt der Zuhörer einen gute Vorstellung davon, wie das gehen könnte: Ein Roboter oder ein entsprechend ausgerüsteter Traktor fährt über das Feld. Eingebaute Kameras machen Bilder von den Pflanzen auf dem Acker.

Damit könnte absehbar die Menge an auf den Feldern ausgebrachten Herbiziden drastisch verringert und die Umwelt geschont werden.

Tim Wigbels

Ein Programm, das die In­ formatiker entwickelt haben, kann anhand der Bilder unterscheiden, ob es sich um eine Nutzpflanze oder Unkraut handelt. Ist letzteres der Fall, brät der Roboter dem Kraut eins über. Oder, mit den Worten von Dr. Pastrana: „Mit einem kurzen und relativ schwachen Laserpuls beschießt der Roboter die Blätter der unerwünschten Pflanzen, die dadurch in ihrer Vitalität geschwächt werden.“ Und Wigbels ergänzt: „Damit könnte absehbar die Menge an auf den Feldern ausgebrachten Herbiziden drastisch ver­ringert und die Umwelt geschont werden“.

Zur Person

Tim Wigbels stammt gebürtig aus Gronau-Epe. Er hat an der Canisusschule in Ahaus sein Abi gemacht, war Zivi in Epe und Azubi in Düsseldorf, ehe er an der RWTH Aachen technische Informatik studierte. Anschließend arbeitete er in der Software-Entwicklung in einem Unternehmen nahe Koblenz. Dort lernte er Dr. Julio Pastrana kennen. Pastrana arbeitete in der Robotik und forschte zu automatisierten Verfahren der Bildinterpretation.

...

Nun treiben die Forscher mit einem Exist-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums ein Jahr lang an der Universität Bonn ihre Firma „Escarda Technologies“ voran. „Es geht nun darum, Investoren zu finden und den Businessplan für das Startup weiterzuentwickeln“, sagt Wigbels. Mit der Förderung des Ministeriums wollen die Forscher auch die notwendigen Teile für den Bau eines Prototypen anschaffen. Der soll in eineinhalb bis zwei Jahren tatsächlich über den Acker rollen – und zwar mit einer Geschwindigkeit von drei bis sieben Kilometern in der Stunde, so wie ein normaler Trecker auch.

Die beiden hoffen darauf, einen Investor aus dem Bereich der Landmaschinenhersteller zu finden. „Dann könnten wir natürlich ganz anders einsteigen“, sagt Wigbels. Aber auch ohne Investor soll es mit dem Unkraut jätenden Roboter etwas werden. Pastrana ist vom Nutzen des laserbasierten Verfahrens für neuartige Landmaschinen überzeugt: „Unser Ziel ist, einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu leisten.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4987679?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
690 Wohnungen am Wasser
Das Modell für die geplante Bebauung am Hafen auf dem ehemaligen Osmo-Gelände: Unten im Bild das Hafenbecken.
Nachrichten-Ticker