SPD-Programmparteitag in Borken
Schulz und Schulte als Dreamteam

Kreis Borken -

Michael Groschek (56), seit dem 10. Juni neuer SPD-Landesvorsitzender, weiß genau, wie er den Nerv der Genossen am Samstag beim Forenparteitag des SPD-Unterbezirks in Borken treffen kann: „Martin Schulz in Berlin und Du hier im Kreis Borken: Ihr seid das Dreamteam der SPD“, ruft er den 125 Zuhörern im Hotel Lindenhof zu. Das „Du“ gilt Genossin Ursula Schulte (64) aus Vreden.

Montag, 10.07.2017, 08:07 Uhr

Landesvorsitzender Michael „Maik“ Groschek hielt am Samstag vor den Genossen beim SPD-Forenparteitag in Borken eine kämpferische Rede. Ursula Schulte forderte ein Ende von Merkels „Sie-kennen-mich-Politik“.
Landesvorsitzender Michael „Maik“ Groschek hielt am Samstag vor den Genossen beim SPD-Forenparteitag in Borken eine kämpferische Rede. Ursula Schulte forderte ein Ende von Merkels „Sie-kennen-mich-Politik“. Foto: Horst Andresen

Michael Groschek (56), seit dem 10. Juni neuer SPD-Landesvorsitzender, weiß genau, wie er den Nerv der Genossen am Samstag beim Forenparteitag des SPD-Unterbezirks in Borken treffen kann: „ Martin Schulz in Berlin und Du hier im Kreis Borken: Ihr seid das Dreamteam der SPD “, ruft er den 125 Zuhörern im Hotel Lindenhof zu. Das „Du“ gilt Genossin Ursula Schulte (64) aus Vreden. Sie vernimmt das große Lob ihres Landesvorsitzenden mit einem Lächeln. Am 24. September will sie erneut in den Bundestag einziehen.

Groschek scheint unterwegs, um die SPD-Leute im Land aufzuwecken nach der Niederlage bei der Landtagswahl und schlechten Werten im Bund. Er formuliert eine „politische Kampfansage“ an die CDU. Die SPD wolle in Berlin einen „Schlussstrich ziehen unter die Politik von Frau Merkel mit einem Weiter so“, sagt Schulte, die für die Nordkreis-Kandidatin Ingrid Arndt-Brauer mitspricht: „Zwölf Jahre ,Sie-kennen-mich-Politik“ seien genug.

Das findet auch Michael „Maik“ Groschek. Die Genossen duzen sich – und so kommt der Ex-Verkehrsminister aus Oberhausen stimmungsmäßig gut an, drischt vor allem auf die CDU ein („Sie ist im Bund nur noch eine Beliebigkeitspartei“)., Groschek lässt die verlorene Landtagswahl fast ohne Selbstkritik weitgehend außen vor: „Rot“, also SPD, sei etwas anderes als „der Murks rot-grün“, womit er dem alten Koalitionsfreund Bündnis 90/Die Grünen eins auswischt.

Die klassischen SPD-Themen müssten vorangestellt werden: Soziale Gerechtigkeit, gleicher Lohn für alle, auskömmliche Renten, aber auch Mitmenschlichkeit in der Pflege, gebührenfreie Bildung, höhere Steuern für Reiche, Klimaschutz, Steuern und Abgaben: „Wir sollten nicht nur die besten Autos der Welt bauen, sondern die besten Schulen der Welt. Da haben wir viel Bockmist gebaut.“

Martin Schulz, der Ex-Präsident des Europäischen Parlaments, lebe Europa, und Ulla Schulte Aufrichtigkeit: „Nicht jede ist so geradlinig und erdverkrustet wie sie. Sie ist echt und echt stark.“ Borken sei das Maß aller Dinge.

Weniger stark findet die SPD-Basis im Saal die Arbeit ihres Landesvorstandes: „Redet mit uns, nicht über uns“, sagt Marco van den Berg aus Bocholt seinem SPD-Landeschef. Bernhard Pacho, Bocholter SPD-Chef, befürchtet wieder einen „stillen Wahlkampf“, und Gerhard Ludwig aus Borken, für die SPD im Kreistag und stellvertretender Landrat, fordert Wahlplakate, „die die Menschen verstehen“. Die bei der Landtagswahl „haben keinen wirklich angesprochen. Das war Wahlkrampf, nicht Wahlkampf.“ Groschek verspricht Erneuerung: „Wir müssen gewaltige Veränderungen vornehmen, sonst erleiden wir Schiffbruch.“

Aufbruch verspürt als Zuhörer nach fast 100-minütiger Diskussionsrunde ein zuvor eher skeptischer SPD-Kämpe aus dem Kreis: Hans-Peter Kemper (73) aus Heiden, von 1993 bis 2005 im Bundestag: „Das war eine starke Mobilisierung unserer Mitglieder.“

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