Was der Dieselskandal für lokale Autohändler bedeutet
Diesel: läuft und läuft und...

Gronau -

Eine alte Autofahrer-Regel lautet: Wer viel fährt, fährt Diesel. Doch manipulierte Abgaswerte, drohende Fahrverbote und ein Dieselgipfel ohne echtes Ergebnis verunsichern zurzeit Halter wie Autokäufer.

Mittwoch, 09.08.2017, 10:16 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 09.08.2017, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 09.08.2017, 10:16 Uhr
Dennis Gritsch vom Renault-Vertragshändler Autohaus Wallmeier stellt fest, dass seine Kunden viele Fragen zum Diesel haben, aber mangels Alternativen auch weiter auf Modelle wie diesen Talisman setzen. Er kaufe auch weiter gebrauchte Diesel an – schon aus Fairness den Kunden gegenüber.
Dennis Gritsch vom Renault-Vertragshändler Autohaus Wallmeier stellt fest, dass seine Kunden viele Fragen zum Diesel haben, aber mangels Alternativen auch weiter auf Modelle wie diesen Talisman setzen. Er kaufe auch weiter gebrauchte Diesel an – schon aus Fairness den Kunden gegenüber. Foto: Christiane Nitsche

Das merken auch die Autohändler vor Ort, die nicht nur mit den ins Gerede gekommenen deutschen Automarken handeln. „Kunden, Hersteller, Händler – alle sind verunsichert“, sagt Dennis Gritsch vom Autohaus Wallmeier, wo neben Renault und Dacia viele Gebrauchtwagen verkauft werden.

„Das ist mittlerweile Thema in fast jedem Gespräch“, erklärt Gritsch. Er gehe davon aus, dass das Ganze zum Wahlkampfthema werde. Aktuell gebe es jedenfalls keine klare Ansage vonseiten der Politik oder der Autobauer. Die möglichen Auswirkungen von Fahrverboten etwa seien noch nicht zu spüren – „bis jetzt.“

Meinung

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Bei den Neuwagen habe er wenig Bedenken. „Die wird es wohl nicht treffen“, meint er. Sein Haus habe in den letzten Jahren viele Diesel-Fahrzeuge verkauft. Das werde sich vorläufig wohl auch bei den gebrauchten nicht ändern. „Das ist ein einfaches Rechenexempel“, erklärt er.

Langfristige Perspektive

„Wenn ich 20.000 Kilometer und mehr pro Jahr fahre, ist absehbar, dass ich den Wagen keine fünf bis sechs Jahre mehr fahre.“ Solange rechne er nicht mit Verbotszonen in einer Stadt wie etwa Münster, wohin viele aus Gronau und Umgebung pendeln. „Und für 20.000 Kilometer einen Benziner zu kaufen, macht keinen Sinn.“ Er nehme auch weiter Euro-5-Diesel-Fahrzeuge in Zahlung. „Das wäre auch sonst den Kunden gegenüber unfair.“

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Dennis Gritsch sieht die Politik in der Pflicht. „Es wird nur darüber geredet, die alten Diesel abzuschaffen, aber was kommt dann?“ Wenn die Regierung es ernst meine mit dem Ausbau der Elektromobilität, „müsste mal langsam was kommen, was die Infrastruktur angeht.“ Sprich: Der Ausbau der Ladekapazitäten geht zu langsam voran. Renault habe eine der größten E-Flotten am Markt.

„Das wird immer mehr, und die Reichweiten werden länger.“ Seine Werkstatt sei vorbereitet. „Wir haben schon Kunden, die elektrisch fahren.“ Dennoch glaube er, dass es noch 20 Jahre dauert, bis Elektroautos den Diesel ersetzen können.

Nachfrage ungebrochen

Horst Effing geht noch weiter. „Wir können noch Jahrzehnte Diesel fahren“, glaubt er. „Man kann nicht jeden Diesel verbieten.“ Der Seniorchef von Auto Effing ist seit 45 Jahren im Geschäft. „Der Diesel ist so oft totgesagt worden, aber nicht totzukriegen.“

Die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen in seinem Haus, einem Nissan-Vertragshändler, sei ungebrochen. Bei Neuwagen läge der Anteil bei etwa 60 bis 70 Prozent. „Erst letzte Woche hatten wir vier oder fünf Neuzulassungen“, erklärt er. „Und auch heute haben wir wieder zwei Probefahrten.“ Der Diesel sei nach wie vor eine gute Alternative zum Benziner. „Die Stickoxide kann man rauskriegen, man muss es nur richtig machen“, meint Effing. „Wenn jetzt alle Benziner führen, wäre die Belastung noch höher.“

In Sachen „Stromer“, also Elektroautos sieht auch er die Politik in Verzug. „Autos sind genug da und Reichweiten werden länger.“ Nissan habe den weltweit meistverkauften Stromer entwickelt. Was fehlt, seien Ladeplätze. Darum gelte für jene, die täglich 50 bis 100 Kilometer fahren: „Da gibt es keine Alternative zum Diesel.“

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