„Peterchens Mondfahrt“ legte den Grundstein für Theaterleidenschaft
Herr Sumsemann und die Folgen

Gronau -

Beim ersten Mal war ich acht Jahre alt. Mit der ganzen Klasse fuhr ich die 20 Kilometer mit dem Bus von der Schule zum Stadttheater Osnabrück. „Peterchens Mondfahrt“ stand auf dem Programm. Unser zuvor im Bus noch aufgeregt schnatternder Haufen Mädchen und Jungen betrat fast andächtig das imposante Jugendstilgebäude. Wie für mich war es auch für die meisten anderen Kinder der Klasse der erste Theaterbesuch. Jeder von uns bekam einen Platz zugewiesen und versank dann in den heruntergeklappten dunkelroten Samtsitzen.

Montag, 21.08.2017, 09:08 Uhr

Das Märchen „Peterchens Mondfahrt“ wurde 1912 uraufgeführt. In den 60er-Jahren, aber auch heute noch, bewegt der Klassiker um den Maikäfer Herrn Sumsemann sowie die Kinder Peter und Anneliese Kinderherzen. Das Foto zeigt eine Szene aus der Inszenierung des Theaters Nimmerland.
Das Märchen „Peterchens Mondfahrt“ wurde 1912 uraufgeführt. In den 60er-Jahren, aber auch heute noch, bewegt der Klassiker um den Maikäfer Herrn Sumsemann sowie die Kinder Peter und Anneliese Kinderherzen. Das Foto zeigt eine Szene aus der Inszenierung des Theaters Nimmerland. Foto: Meyer

Es wurde dunkel im großen Saal und ganz still. Der schwere Vorhang hob sich. Auf der prächtig ausgestatteten Bühne saß Herr Sumsemann – der Maikäfer – und klagte darüber, dass sein sechstes Beinchen durch ein Unglück auf dem Mond gelandet sei. Mit den Kindern Anneliese und Peter machte er sich auf die Reise über die wunderbar glitzernde Milchstraße.

Fasziniert starrte ich auf die Bühne und fieberte bei den vielen Abenteuern mit, die die drei bestehen mussten. Meine Sitznachbarn Andreas und Mechthild nahm ich gar nicht mehr wahr. Es gab nur noch mich und das Geschehen auf der Bühne.

Als Herr Sumsemann schließlich sein sechstes Beinchen zurückhatte und alle wohlbehalten auf der Erde gelandet waren, brauchte ich nach dem Fallen des Vorhangs erst ein Zeitchen, um wieder in der Realität anzukommen. Alles war so nah, direkt und bunt gewesen. Kein Vergleich zum Kopfkino beim Geschichten- oder Märchenvorlesen.

Auch jetzt – Jahrzehnte nach dem ersten Mal – gehe ich immer noch gern ins Theater. Heute sind es vor allem das Theater Münster und das Wolfgang-Borchert-Theater, von deren Stücken ich mir relativ regelmäßig das ein oder andere ansehe. Gern verbinde ich aber auch Städtereisen nach München, Hamburg oder Berlin mit einem Theaterbesuch.

Auch wenn mir nicht jedes Stück gefällt, faszinieren mich doch immer wieder die Fähigkeiten mancher Schauspieler, ganz in ihrer Rolle aufzugehen. Allein durch Mimik, Gestik und Sprachduktus können sie beispielsweise einen wesentlich jüngeren Menschen verkörpern, ohne dabei weder lächerlich noch peinlich zu wirken. Solche Mimen benötigen auch kein aufwendiges Bühnen-Make-up oder eine großartige Bühnenausstattung. Nur durch ihr Spiel können sie eine eigene Welt entstehen lassen.

Überhaupt ist es immer wieder bemerkenswert, wie an Theatern altbekannten Klassikern neues Leben eingehaucht wird, so dass sie Bezug zur Gegenwart haben. Ein anderes Mal sind es hingegen neue Stücke, die Aspekte des Lebens berühren, die nicht unbedingt zum eigenen Alltag gehören. Ja, und manchmal bietet Theater auch einfach nur witzige und charmante Unterhaltung.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5088754?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
St. Lamberti segnet Gläubige mit „Aschekreuz to go“
Pfarrer Hans-Bernd Köppen zeichnet Inga Blomberg am Aschermittwoch an der Lambertikirche mit einem Aschekreuz.
Nachrichten-Ticker