Leihgabe von Titus Dittmann für 70er-Jahre-Ausstellung
Ein Stück Jugendkultur

Gronau -

Das Deck – so heißt das Brett, auf dem Skateboarder stehen – gehört zu einer Serie, die der Urvater der deutschen Skateboard-Szene, Titus Dittmann aus Münster, für die Gruppe Kraftwerk designt und hergestellt hat. Das Besondere daran: „Kraftwerk-Musiker Ralf Hütter hat es signiert. Und Titus drauf geschrieben“, erzählt Dittmann. Dieses Brett wird im nächsten Jahr eines der Hingucker in der Ausstellung über die 70er-Jahre sein, die derzeit vorbereitet wird. Die Wanderausstellung wird an acht Stationen in Westfalen-Lippe gezeigt. Eine davon ist selbstverständlich das Rockmuseum.

Mittwoch, 13.09.2017, 11:09 Uhr

In seinem schicken Cadillac reiste Titus Dittmann (l.) aus Münster an. Im Gepäck das „Kraftwerk“-Deck, das er Thomas Albers und Dr. Thomas Mania (r.) für die Wanderausstellung über die 70er-Jahre zur Verfügung stellte.
In seinem schicken Cadillac reiste Titus Dittmann (l.) aus Münster an. Im Gepäck das „Kraftwerk“-Deck, das er Thomas Albers und Dr. Thomas Mania (r.) für die Wanderausstellung über die 70er-Jahre zur Verfügung stellte. Foto: Martin Borck

Dittmann überreichte das Deck am Montag als Leihgabe an den Kurator Dr. Thomas Mania und Geschäftsführer Thomas Albers. Dazu war er in seinem schicken Cadillac-Cabrio angereist.

Titus Dittmann war Ende der 70er-Jahre der Mann, der das Skateboard nach Deutschland brachte. Dass das einen derartigen Boom auslösen würde, der bis heute anhält – keiner hätte es für möglich gehalten. Vor 40 Jahren wurde im Bundestag sogar ernsthaft darüber debattiert, das Skateboarden zu verbieten. Wegen der Gefährdung von Fußgängern auf Gehwegen.

Skateboard war Teil der Jugendkultur. „Ich selbst hatte es ja nicht so mit Musik“, gibt Dittmann zu. Aber die „Münster Monster Mastership“, an deren Wiege er stand, waren nicht nur Weltmeisterschaft der Skateboarder, sondern auch angesagte Musik-Veranstaltungen. Konzerte vieler junger, damals kaum bekannter Bands fanden statt, die später ihren Weg gemacht haben – zum Beispiel die H-Blockx.

Unter dem Titel „Demos, Discos, Denkanstöße – die 1970er Jahre in Westfalen“ plant das Rock’n’Popmuseum in Kooperation mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen die Ausstellung zu dem spannenden Jahrzehnt. Sie gibt Einblick in die Politik, die Kultur und den Alltag jener Jahre, die ihre positive Energie auch noch aus der Liberalisierung der 1960er- Jahre bezogen. Die Ersteröffnung ist für den Sommer 2018 in Gronau vorgesehen.

Einerseits ist es das Jahrzehnt der neuen sozialen Bewegungen wie der Frauenbewegung, der soziokulturellen Zentren, der Open-Air-Konzerte. Umwelt- und Friedensbewegung machten durch Großdemonstrationen von sich reden. Alternative Zeitungen und Magazine boomten. Die Überwindung verkrusteter Strukturen fand nicht nur in Metropolen statt. Kinderläden, Jugendzentren, die Gleichberechtigung unterschiedlicher Lebensstile und anderes mehr sind heute ein unauffälliger Bestandteil unseres Lebensalltags, mussten damals allerdings noch Schritt für Schritt der Mehrheitsgesellschaft abgerungen werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die SchwarzWeiß-Arbeiten des Münsteraner Fotografen und Chronisten Christoph Preker. Die Ausstellung präsentiert damit einen einmaligen Fundus, der in dieser Breite und mit dieser einzigartigen westfälischen Perspektive bisher noch nicht zu sehen war. Darüber hinaus öffnen dreidimensionale Ausstellungsstücke sowie die Darstellung kollektiv gewordener Momente aus der bundesdeutschen Politik und Gesellschaft weitere Fenster des Erinnerns.

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