Kinderrechtsexperte Benjamin Pütter in Gronau
Ein Kämpfer gegen Kinderarbeit

Gronau -

Seit Jahrzehnten engagiert sich Pütter gegen ausbeuterische Kinderarbeit in Indien. Über 80 Mal hat er den Subkontinent schon bereist, Kindersklaven befreit und unzählige Fälle von Kinderarbeit dokumentiert. Zum Auftakt der Fairen Woche referierte er über seine Arbeit und sein jüngstes Buch in der sehr gut besuchten Stadtbücherei.

Mittwoch, 13.09.2017, 08:09 Uhr

Ein Bild, das die Stimmung schön widerspiegelt: Anne Kammholz (Leiterin der Stadtbücherei) überreicht Benjamin Pütter ein Geschenk zum Dank für seinen Vortrag.
Ein Bild, das die Stimmung schön widerspiegelt: Anne Kammholz (Leiterin der Stadtbücherei) überreicht Benjamin Pütter ein Geschenk zum Dank für seinen Vortrag. Foto: Frank Zimmermann

Die Hände auf dem Foto haben etwas klauenartiges: die Gelenke sind geschwollen, die Nägel deformiert, die Haut mit Schwielen übersät. Doch diese „Klauen“ gehören nicht zu einem wilden Tier; es sind die Hände eines zwölfjährigen Jungen, zerschunden von der Arbeit in einem indischen Steinbruch. Benjamin Pütter hat am Montagabend viele solcher Bilder gezeigt. Fotos, die kindliches Leid in Indien dokumentieren. Ein Leiden, das auch durch das Kaufverhalten deutscher Konsumenten verursacht wird. Deshalb erinnerte Pütter seine Zuhörer in Gronau daran, dass jeder einzelne daran etwas ändern kann.

Seit Jahrzehnten engagiert sich Pütter gegen ausbeuterische Kinderarbeit in Indien. Über 80 Mal hat er den Subkontinent schon bereist, Kindersklaven befreit und unzählige Fälle von Kinderarbeit dokumentiert. Sein Rezept gegen das Elend ist ein Sieben-Punkte-Plan, bestehend aus der Befreiung von Kindersklaven, guter Schulbildung für alle Kinder, einkommenschaffenden Maßnahmen für Eltern, Aufklärungs- und Lobbyarbeit sowie Netzwerkbildung.

Zwei Eindrücke, die das Publikum nach Pütters rund 90-minütigem Bildvortrag mitnehmen kann: So erschreckend die Misere ist, Benjamin Pütter ist voller Hoffnung auf Besserung. Und der Aktivist, der einst Reden für die Grüne Bundestagsabgeordnete Petra Kelly schrieb, ist äußerst pragmatisch und denkt nicht in Schubladen.

So arbeitet er zum Beispiel in Indien mit Politikern zusammen, obwohl das aufgrund der Korruption in Indien viele Kritiker auf den Plan ruft. „Es stimmt ja, dass bestimmt 80 Prozent der Politiker in Indien korrupt sind. Aber dann muss ich eben die 20 Prozent finden, die es nicht sind“, erklärt Pütter. „Jetzt lobe ich mal die CSU“, sagt er an anderer Stelle schmunzelnd. Der christsoziale Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller leiste gute Arbeit. Seiner Chefin, Kanzlerin Merkel, wollte Pütter das nicht unbedingt bescheinigen.

Und woher nimmt er den Optimismus? „Ich habe vor Jahrzehnten Kinder aus der Sklaverei befreit, die sind heute Bürgermeister ihrer Stadt oder Unternehmer“, erzählt Pütter. Außerdem habe sich die Kinderarbeit von den Anfängen seiner Arbeit bis heute nahezu halbiert. Trotzdem sind noch rund 170 Millionen Kinder weltweit davon betroffen – für Pütter ein guter Grund, weiterzukämpfen.

Dass ihn dabei jeder Einzelne auch in Deutschland unterstützen kann, unterstreicht der Freiburger gegen Ende seines Vortrags, der zugleich Auftakt der Fairen Woche in Gronau ist. Er verweist unter anderem auf verlässliche Label, die Kinderarbeit ausschließen.

Pütters Vortrag orientiert sich an seinem jüngsten Buch: „Kleine Hände – großer Profit“.

 

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