Startschuss wärend der „Tollen Woche“
Zeit ist reif für echte Europa-Region

Gronau/Enschede -

Sie könnten als Protototypen einer neuen Generation durchgehen, als selbstbewusste Bürger der ersten echten Europa-Region: Johannes Reef und Bertus Botter haben die Vision einer Region, in der die Grenzen für das Zusammenleben der Menschen keine Rolle mehr spielen.

Samstag, 23.09.2017, 07:09 Uhr

Bertus Botter und Johannes Reef wollen die erste Europa-Region aus der Taufe heben.
Bertus Botter und Johannes Reef wollen die erste Europa-Region aus der Taufe heben. Foto: Annina Romita

Sie könnten als Protototypen einer neuen Generation durchgehen, als selbstbewusste Bürger der ersten echten Europa-Region: Johannes Reef und Bertus Botter haben die Vision einer Region, in der die Grenzen für das Zusammenleben der Menschen keine Rolle mehr spielen. An der Umsetzung ihrer Idee wollen sie gemeinsam mit Gleichgesinnten arbeiten.

Vor fast 500 Jahren, 1548, verhandelten im Kloster Frenswegen bei Nordhorn ein Gesandter des Bischofs von Münster sowie Graf Arnold von Bentheim und ein Vertreter Kaiser Karls V. über den Grenzverlauf zwischen ihren Territorien. Das Ergebnis erweist sich als erstaunlich langlebig: Der Drilandstein markiert immer noch den Grenzpunkt zwischen Overijssel, Westfalen und Niedersachsen.

Johannes Reef, Vorsitzender des Vereins D/NL-Business, und sein Stellvertreter Bertus Botter sind der Meinung, die Zeit sei reif für die erste echte Europa-Region. Während der „Tollen Woche“ in Enschede wollen sie den Startschuss dafür geben. „Einen Namen haben wir schon. Den werden wir am Montag bekanntgeben“, sagt Reef.

Wie könnte die Region im Jahre 2048 – also 500 Jahre nach dem Treffen von Frenswegen – aussehen? „Enschede und Gronau sind zu einer einzigen Großstadt zusammengewachsen. In den Schulen wird zweisprachig unterrichtet. Es gibt eine einheitliche Verwaltung und einen Rat“, nennt Reef Beispiele. Reine Utopie? „Nun: Hätte jemand vor 50 Jahren behauptet, in Europa würde es heute eine einheitliche Währung geben – der wäre doch für verrückt erklärt worden. Und jetzt haben wir den Euro!“

Reef, geborener Gronauer, und Botter sind Kinder der Grenzregion. Reef ist Geschäftsführer von D/NL-Kontakt. Er hilft Unternehmen dabei, grenzüberschreitende Kontakte aufzubauen. Mit ihrer Initiative wollen die beiden den Gedanken der Europa-Region in der Gesellschaft verankern und auf eine breite Basis stellen – unabhängig von Bedenkenträgern und Hemmnissen.

Die Europa-Region befindet sich im Aufbau. Darum werden am kommenden Montag bei der Zusammenkunft in Enschede weitere Ideen gesammelt. Acht Themenfeder werden beackert, sagt Botter: Identität, Mobilität, Tourismus, Wirtschaft, Bildung, Arbeit, Kultur und Sport sowie Sprache. „Es soll völlig frei diskutiert werden. Es gibt keine Denkverbote.“ Jede Gruppe hat einen fachkundigen Moderator. Ihnen zur Seite steht jeweils ein Vertreter der jungen Generation. „Denn die Jugendlichen sind unser Dreh- und Angelpunkt.“

„Europa-Region bedeutet übrigens nicht, dass es keine Unterschiede geben soll. Ich will immer noch merken, dass ich in ein anderes Land komme, wenn ich nach Glanerbrug fahre. Denn auch die Grenze gehört zu unserer Identität“, sagt Reef.

Eine ähnliche Entwicklung sehen Reef und Botter im Saarland, wo die Grenze zu Frankreich sowieso schon sehr durchlässig ist. Auch dort wird auf Zweisprachigkeit gesetzt, auch dort will man die Bedeutung der Staatsgrenzen minimieren.

Nimmt man die heutige Euregio als Kern der neuen Europa-Region – sie bräuchte sich im europäischen Umfeld nicht verstecken. Sie hat Gewicht. „Allein die Wirtschaftskraft der Euregio ist größer als die des EU-Mitglieds von Malta“, zieht Reef einen Vergleich. Hier leben mehr Menschen als in den EU-Mitgliedsstaaten Lettland oder Estland.

Im Januar wird eine neue Homepage freigeschaltet, auf der Ergebnisse veröffentlicht werden und weiter gebrainstormt werden kann. Jeder, der Interesse daran hat, dass die Grenze künftig keine Rolle mehr spielt, ist dazu eingeladen. Wenn dieses Europa von unten mit Leben erfüllt wird, kann die Vision Wirklichkeit werden. Stück für Stück.

Zum Thema

Die Zusammenkunft zum Thema Europa-Region findet am Montag (25. September) ab 16.30 Uhr im Enscheder Rathaus statt. Weitere Informationen unter www.dietollewoche.eu.

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