Musikfest im Rahmen der Interkulturellen Woche
Wer Vielfalt schätzt, setzt auf Akzeptanz

Gronau -

Der Klang afrikanischer Trommeln und kurdische Musik bildet sozusagen die akustische Einladung: Im Rahmen der Interkulturellen Woche sorgte am Samstag beim „Haus der Begegnung“ (ehemals Aristo-Hotel) am Jöbkesweg ein Musikfest für internationales Flair.

Montag, 25.09.2017, 10:09 Uhr

Selbst trommeln - auch das war beim Musikfest im Rahmen der Interkulturellen Woche am „Haus der Begegnung“ möglich.
Selbst trommeln - auch das war beim Musikfest im Rahmen der Interkulturellen Woche am „Haus der Begegnung“ möglich. Foto: Klaus Wiedau

Das Programm ist – leider nur vor kleinem Publikum – bunt gemixt: Portugiesische Musik von „Segura-te“ wechselt sich ab mit Klängen der Djembe-Gruppe Akoma, Rap von Dennis Buß und ersten Trommel-Versuchen von Besuchern, die sich unter Anleitung von „Trommelspaß Dost“ selbst an die Instrumente wagen.

Daneben sind zahlreiche Einrichtungen, die zum Gronauer Netzwerk Migration zählen, mit Infoständen und anderen Angeboten vertreten – die Bandbreite reicht von der Caritas-Flüchtlingsberatung über Chance, Jugendmigrationsdienst und VHS bis zur Stadtbücherei. Am Glücksrad von Anne Kammholz (Stadtbücherei) testen gerade Mubarak o. YaYa Abatar und Schiar Salam ihr Wissen. Ein Dreh am Rad beschert dem 15-jährigen Nigerianer und dem 14-jährigen Iraker jeweils eine der 300 Fragen aus dem Einbürgerungstest. Etwa diese: „Wer war der erste Bundeskanzler? Zur Wahl stehen Adenauer, Kiesinger, Schmidt oder Brandt. Mubarak liegt mit „Schmidt“ beim ersten Anlauf daneben. Kammholz gibt Hilfestellung: „An welcher Straße liegt das Rathaus in Gronau? Und so macht Mubarak mit Adenauer doch noch einen Punkt – zur Belohnung winken Gummibärchen.

Weitere Veranstaltungen

„Bildung ist Begegnung“ – unter diesem Motto stellen sich Bildungseinrichtungen im Kreis Borken mit einem vielfältigen Angebot in der Woche der Bildung vom 24. bis 30. September vor.

Die Euregio-Volkshochschule ist dabei und bietet ein abwechslungsreiches Veranstaltungs- und Informationsprogramm. Zwei Workshops ermöglichen die Begegnung mit für Europäer fremden Kulturen und Schriftsystemen. Am Mittwoch (27. September) besteht im Eper Amtshaus von 18.30 bis 20 Uhr die Möglichkeit, Einblicke in die arabische Sprache zu bekommen. Ghattas Danho, aus Syrien stammender Arabischlehrer, wird von seiner Heimat erzählen und den Besuchern das arabische Schriftsystem erläutern. Hier kann man einmal ausprobieren von rechts nach links und mit völlig anderen als den lateinischen Buchstaben zu schreiben.

Der zweite Workshop führt nach China. Der Dozent Hans Peter Kolb hat lange Zeit in Peking gelebt und kennt den Alltag dort. Er wird unter anderem Antworten auf die Fragen geben, warum der chinesische Kompass nach Süden zeigt oder der Nachname vorne und der Vorname hinten steht. Die chinesische Schrift besteht aus Bild- statt aus Lautzeichen – die Teilnehmenden bekommen Gelegenheit, mit Reispapier, Pinsel und echter chinesischer Tusche selbst Schriftzeichen zu kalligrafieren.

Diese Veranstaltung findet am Donnerstag (28. September) von 19 bis 21 Uhr in der Stadtbücherei Gronau statt.

Wer mehr über den Alltag der Chinesen erfahren möchte, hat am darauf folgenden Freitag (29. September) dazu Gelegenheit. In der Lesung „Guten Morgen Chongqing“ stellen die chinesische Autorin Hai Rao und ihr Übersetzer Hans Peter Kolb das 2016 in deutscher Sprache erschienene Buch vor. Die Geschichte gewährt Einblicke in das Leben einfacher Menschen im heutigen China. Diese Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Stadtbücherei Gronau.

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei, eine Anmeldung bei der VHS wird jedoch erbeten. '  02562 12 666.  

| www.vhs-gronau.de

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Zuvor bereits hat Bürgermeisterin Sonja Jürgens in ihrer Begrüßung betont, warum eine Interkulturelle Woche „punktgenau“ auf eine Stadt wie Gronau passt: „Menschen aus 118 Nationen leben und arbeiten hier“, so Jürgens. Rund 30 Prozent der Gronauer haben einen Migrationshintergrund. „Hinter dieser Zahl zeigt sich, was Gronau als Stadt so lebendig, so bunt, so facettenreich, so vielfältig und so einzigartig macht.“

Wenn Menschen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten einander begegnen, „dann bringen sie ihren biografischen Rucksack, ihre Traditionen, ihre Bräuche, ihre Lieder und Tänze, ihre Sprache und ihre Geschichten, ihre Wertvorstellungen, ihre Weltanschauungen und ihre Verhaltensregeln mit. Interkulturell heißt das: Es geht um die Kategorien und Regeln, mit denen wir unsere Welt interpretieren und woran wir unser Handeln ausrichten.“

Wer Vielfalt schätze, der setze auf Akzeptanz. Jürgens: „Nicht als Sozialromantiker, sondern vielmehr mit dem realistischen Blick dafür, das einem das, was Fachleute als interkulturelle Kompetenz bezeichnen, nicht in den Schoß fällt.“

Die Bürgermeisterin nahm das Musikfest und die Interkulturellen Woche zum Anlass, den hauptamtlich, nebenamtlich und ehrenamtlich tätigen Akteuren aus über zehn Einrichtungen, die sich zum Gronauer Netzwerk Migration zusammengeschlossen habern, zu danken. Sonja Jürgens: „Sie leisten hier wertvolle Arbeit.“

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