Projekt des Rotary-Clubs Gronau-Euregio
Sprache verbindet

Gronau -

Viktor ist der lebende Beweis dafür, dass es funktioniert – und dass es viel bringt: Schon drei Monate nach Beginn seiner Teilnahme am Rotary-Projekt „Sprache verbindet“, kann sich der fünfjährige Sohn zugewanderter Eltern auf Deutsch gut verständlich machen. „Dabei sprach er beim ersten Treffen kein Wort Deutsch“, erinnert sich Gerd Gerwens, der für den Rotary-Club Gronau-Euregio das Projekt organisiert und betreut. „Inzwischen geht Viktor auch viel offener auf andere Kinder zu“, sagt Nele Tyburski, Sprecherin der sogenannten Scouts, die Kinder wie Viktor sprachlich fördern.

Dienstag, 03.10.2017, 08:10 Uhr

Werben für das Projekt „Sprache verbindet“: Gerd Gerwens vom Rotary-Club Gronau-Euregio und die Scout-Sprecherin Nele Tyburski.
Werben für das Projekt „Sprache verbindet“: Gerd Gerwens vom Rotary-Club Gronau-Euregio und die Scout-Sprecherin Nele Tyburski. Foto: Klaus Wiedau

Innerhalb der weltweiten Rotarier-Gemeinschaft wird das besondere Projekt „Sprache verbindet“ für Kinder im Kita- und Grundschulalter schon seit 15 Jahren angeboten. „Wir haben vor drei Jahren begonnen“, erklärt Gerd Gerwens . Denn auch und gerade in Gronau und Epe gebe es viele Kinder, die – wie der kleine Viktor – im Elternhaus vor allem mit der Muttersprache der Eltern aufwachsen. Ziel sei es, diese ganz jungen Kinder spielerisch bei der Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten zu fördern, sie an die deutsche Sprache heranzuführen und bis zum zehnten Lebensjahr durch Scouts (Schüler der achten, neunten und zehnten Klassen) begleiten zu lassen.

Was im Gronauer Stadtwesten in Kooperation mit einer Kita und zehn Kindern begann, ist inzwischen gewachsen, wie Gerd Gerwens und Nele Tyburski berichten. Aktuell werden 16 Kinder von 13 Scouts betreut. Beworben wird das Projekt in allen 26 Kindergärten und in den acht Grundschulen der Stadt durch persönliche Ansprache von Rotary-Mitgliedern. Ein mehrsprachig aufgelegtes Faltblatt enthält weitere Informationen und ein Anmeldeformular.

Die Familien, die aktuell am Projekt teilnehmen, stammen aus Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Vietnam und Afghanistan.

Einmal in der Woche besuchen die Scouts die Kinder zu Hause in ihren Familien und spielen eine Stunde mit ihnen. „Beim ersten Besuch ist die Situation manchmal noch etwa ungewohnt“, weiß Nele Tyburski. Aber das lege sich. Dass da sehr rasch eine Beziehung entstehe, sei am Verhalten der Kinder feststellbar: „Sie kommen bei den Besuchen auf einen zu, begrüßen und umarmen dich.“ Ein festes Programm für die Treffen gibt es nicht. „Vorlesen oder Memory spielen“ nennt Nele Tyburski als Beschäftigungen, bei denen Sprachverständnis und -gebrauch spielerisch wachsen. Eine wichtige Erfahrung sei, dass die Scouts von den Kindern als großer Freund wahrgenommen werden. „Das schafft Vertrauen und die Kinder öffnen sich relativ schnell“, so die 18-Jährige. Sie ist seit 2015 im Projekt aktiv: „Mir macht das sehr viel Spaß, ich beschäftige mich gern mit Kindern.“

Neben einer Schulung bekommt jeder Scout einen Paten an die Seite gestellt – Rotarier oder deren Partner. Diese Paten begleiten die Scouts beim ersten Treffen mit der Familie. „Damit wir uns selbst ein Bild von der jeweiligen Situation machen können“, so Gerwens. Aber auch danach sind die Paten Ansprechpartner für ihre Scouts.

Die müssen die engagierte Arbeit übrigens nicht umsonst leisten: Für ihren Einsatz bekommen die Scouts acht Euro pro Stunde: Vier Euro zahlt der Rotary-Club, vier Euro müssen die Eltern der Kinder beisteuern. Am Ende der Tätigkeit gibt es zudem ein Zertifikat des Ro­tary-Clubs, mit dem die Arbeit der jungen Sprachförderer bescheinigt wird. Gerd Gerwens ist von der Arbeit der Scouts sehr angetan: „Ich bin stolz auf unsere Scouts, die machen einen tollen Job!“

Weil der Bedarf auch weiterhin groß ist, will der Rotary-Club Gronau-Euregio sein Sprachförder-Projekt weiter ausbauen: „Bis zum Jahresende würden wir gerne 30 Kooperationen von Scouts und Kindern haben“, sagt Gerwens. Dafür geht er jetzt wieder auf Scout-Werbetour in den höheren Klassen von Gesamtschule, Realschule und Gymnasium. „Wir würden uns aber auch über weitere Paten freuen, die Scouts betreuen wollen“, weist er zudem auch auf den Bedarf in diesem Bereich hin.

Interessenten können sich mit Rotarier Heiner Möllers vom örtlichen Projektbüro „Sprache verbindet“ unter ✆  02565 93240 in Verbindung setzen.

 

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