Lukas-Krankenhaus und St.-Antonius-Hospital betreuen ältere Unfallpatienten gemeinsam
Zwei Häuser – ein Konzept

Gronau -

Die Zahl der Unfälle mit älteren Menschen steigt. Zum einen, weil es immer mehr ältere Menschen gibt, die körperlich sehr aktiv sind und Sport treiben. Zum anderen, weil Menschen mit zunehmendem Alter aus vielerlei Gründen ein höheres Sturz-Risiko haben. Durch körperliche Gründe, ungünstige Medikamente und alterstypische Knochenabbauprozesse erhöht sich darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Sturz ein Knochenbruch resultiert. Auch die sich anschließende Krankenhausbehandlung birgt für ältere Menschen ganz andere Risiken als für jüngere Patienten.

Samstag, 09.12.2017, 12:12 Uhr

Arbeiten Hand in Hand: Der Geriatrie-Chefarzt des Lukas-Krankenhauses, Stefan Rittmeyer (l.) und Dr. Richard Buchen, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie am St.-Antonius-Hospital. Auf dem kleinen Bild ist das ganze Team zu sehen (v.l.): Tilman Wolff, Oberarzt Geriatrie; Dr. Richard Buchen, Chefarzt Unfallchirurgie und Traumatologie; Stefan Rittmeyer, Chefarzt Geriatrie; Marius Kaczmarek, Oberarzt Geriatrie; Drs. Lucas Degen, Oberarzt Unfallchirurgie und Traumatologie, sowie Jürgen Schaa-Filiz, Stationsleitung St.-Antonius-Hospital Gronau.
Arbeiten Hand in Hand: Der Geriatrie-Chefarzt des Lukas-Krankenhauses, Stefan Rittmeyer (l.) und Dr. Richard Buchen, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie am St.-Antonius-Hospital. Auf dem kleinen Bild ist das ganze Team zu sehen (v.l.): Tilman Wolff, Oberarzt Geriatrie; Dr. Richard Buchen, Chefarzt Unfallchirurgie und Traumatologie; Stefan Rittmeyer, Chefarzt Geriatrie; Marius Kaczmarek, Oberarzt Geriatrie; Drs. Lucas Degen, Oberarzt Unfallchirurgie und Traumatologie, sowie Jürgen Schaa-Filiz, Stationsleitung St.-Antonius-Hospital Gronau. Foto: St.-Antonius-Hospital

Ältere brauchen deshalb in der Regel eine auf ihr Alter zugeschnittene Medizin, wenn sie im Krankenhaus behandelt werden. In Gronau treffen sich deshalb Unfallchirurgie und Geriatrie in einer ungewöhnlichen Kooperation, um ihre betagten Patienten interdisziplinär gemeinsam zu behandeln. Das Besondere daran: Die beiden Fachgebiete gehören zu zwei verschiedenen Krankenhäusern – das St.-Antonius-Hospital und das Lukas-Krankenhaus arbeiten hier Hand in Hand zusammen.

„Wir haben die Alterstraumatologie nicht erfunden“, sagt Geriatrie-Chefarzt Stefan Rittmeyer vom Lukas-Krankenhaus: „Die Idee einer gemeinsamen Behandlung durch den Chirurgen und den Altersmediziner gibt es schon länger. Sie wird leider bisher nur in wenigen Einrichtungen, dafür aber überaus erfolgreich für die betroffenen Patienten, praktiziert. Dass Alterstraumatologie aber trägerübergreifend von zwei Krankenhäusern in Kooperation angeboten wird, das ist doch eher die Ausnahme.“

Die Alterstraumatologie behandelt betagte Unfallopfer nicht nur nach den sehr gut etablierten chirurgischen Standards, sondern berücksichtigt gleichzeitig immer auch altersmedizinische Aspekte. „Wir erzielen mit dieser Kooperation wesentlich bessere Behandlungserfolge. Unsere eigentliche chirurgische Arbeit wird dadurch erheblich entlastet“, bekräftigt Dr. Richard Buchen, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie am St.-Antonius-Hospital.

Was genau kann ein Geriater leisten in der Alterstraumatologie? „Er kann natürlich kein gebrochenes Bein heilen“, sagt Rittmeyer. „Aber er kann den Chirurgen dabei unterstützen, Risiken für Komplikationen seiner Patienten zu erkennen, die durch die Verletzung, die Verletzungsfolgen oder deren Behandlung und nicht selten auch durch ungünstige Medikamente entstehen können und er kann dem Chirurgen vorbeugende Maßnahmen empfehlen. Eine häufige und in seinen Auswirkungen meist unterschätzte Komplikation ist zum Beispiel die Verwirrtheit nach einem operativen Eingriff, die sich oft durch einfache Maßnahmen vermeiden oder behandeln lässt.“

In der Geriatrie werden Risikopatienten durch sogenannte Assessments erfasst. Ein solches geriatrisches Assessment wird jetzt im Rahmen der alterstraumatologischen Zusammenarbeit auch bei allen unfallchirurgischen Patienten, die 70 Jahre oder älter sind, im St.-Antonius-Hospital durchgeführt.

Buchen: „Wenn in der Unfallchirurgie ein geriatrischer Risikopatient durch unser Assessment erkannt wird, bekommt die Geriatrie im Lukas-Krankenhaus umgehend eine Mitteilung. Innerhalb von 24 Stunden nimmt die Geriatrie dann Kontakt mit uns auf und gibt uns Ratschläge zur Behandlung nach geriatrischen Standards, um Komplikationen vorzubeugen. Bei Bedarf kommt kurzfristig auch ein Geriater zu uns – unsere Häuser liegen ja keine zwei Kilometer voneinander entfernt.“

„Das ist für beide Seiten sehr arbeits- und personalintensiv“, sagt der Chirurg, „das St.-Antonius-Hospital hat dafür eigens Mitarbeiterinnen eingestellt und in der Durchführung des Assessments geriatrisch schulen lassen.“ Hinzu kommt, dass die Mediziner die Standards und Vorgehensweisen – manchmal sogar die Sprache der jeweils anderen Fachrichtung – kennenlernen mussten. „Oftmals,“ so Buchen, „hat der geriatrische Blick auf unsere Patienten auch gewohnte Arbeitsabläufe bei uns Chirurgen verändert.“

Jeden Mittwoch treffen sich jetzt Chirurgen und Altersmediziner zur Teamsitzung, an der auch Mitarbeiter aus Pflege, Sozialdienst und Physiotherapie teilnehmen. Im Anschluss begleitet der Altersmediziner seine chirurgischen Kollegen bei der Visite auf den Stationen. Mittags ist es dann umgekehrt, der Unfallchirurg besucht die Teambesprechung im Lukas-Krankenhaus und visitiert „seine“ Patienten.

Entstanden ist die Kooperation, als Buchen vor drei Jahren nach Gronau kam. Die beiden Mediziner trafen sich und verstanden sich auf Anhieb gut. Ende vergangenen Jahres schließlich kam der Entschluss, ihre Ideen und ihr Engagement für eine bessere Versorgung der älteren Patienten gemeinsam in Form eines Zentrums für Alterstraumatologie umzusetzen. Im März 2017 starteten die gegenseitigen Besuche und Visiten der jeweiligen Teams. „Alle Mitarbeiter zu motivieren neue Wege zu gehen, das ist nicht immer einfach. Aber hier hat es toll geklappt. In beiden Teams stößt die Zusammenarbeit auf große Zustimmung. Da passiert viel Wissenstransfer und wir lernen unglaublich viel voneinander,“ sagen die beteiligten Mitarbeiter.

Ein wirtschaftliches Interesse, das betonen die Mediziner, steht nicht hinter ihrer Kooperation. Die Mehrarbeit, die für die beiden Abteilungen durch ihre Bemühungen entsteht, wird von den Kostenträgern ohnehin nicht vergütet. „Uns geht es um eine Verbesserung der Behandlungsqualität. Damit wir das erreichen können, sind wir auf einer Linie mit den Fachgesellschaften für Unfallchirurgie (DGU) und für Geriatrie,“ betonen die verantwortlichen Mediziner. Als nächstes streben die beiden Häuser eine Zertifizierung ihres gemeinsamen Projektes als Alterstraumatologisches Zentrum an.

  Foto: St.-Antonius-Hospital

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