Adventsserie: 24 Tage, 24 Stunden
Ehrenamt im Morgengrauen: Dieter Krabbe fährt den Bürgerbus

Gronau/Epe -

Zehn vor acht im Morgengrauen. Ich stehe am Heerweg, an der Einmündung des Don-Bosco-Weges. Ich stehe an der Bushaltestelle, warte auf den Bürgerbus. Punkt 8 Uhr wird er hier halten, so steht es auf dem Fahrplan.

Donnerstag, 14.12.2017, 08:12 Uhr

Der Mann im „Cockpit“: Dieter Krabbe fährt den Bürgerbus konzentriert und mit Übersicht. Er ist nicht nur einer von 29 Fahrern, sondern auch Gründungsmitglied des Bürgerbusvereins und dessen stellvertretender Vorsitzender.
Der Mann im „Cockpit“: Dieter Krabbe fährt den Bürgerbus konzentriert und mit Übersicht. Er ist nicht nur einer von 29 Fahrern, sondern auch Gründungsmitglied des Bürgerbusvereins und dessen stellvertretender Vorsitzender. Foto: Norbert Diekmann

Zehn vor acht im Morgengrauen. Ich stehe am Heerweg, an der Einmündung des Don-Bosco-Weges. Den Straßennamen zur Erinnerung an den italienischen Gründer des Salesianer-Ordens hat vor vielen Jahren mein verstorbener Onkel Herbert angeregt, damals Mitglied dieses Ordens. Aber nicht wegen des Straßennamens stehe ich hier. Ich stehe an der Bushaltestelle, warte auf den Bürgerbus. Punkt 8 Uhr wird er hier halten, so steht es auf dem Fahrplan.

Gelegentlich kommt ein Auto vorbei, der Berufsverkehr ebbt schon ab. Zwei Häuser weiter macht sich noch jemand eilig auf den Weg. Ein Hund wird spazieren geführt, erledigt sein „Geschäft“. Überraschung: Die Halterin hat eine „Hundetüte“ dabei – und nutzt sie auch.

Langsam wird es heller. Aus Richtung Epe erscheinen auf der Brücke, die Gildehauser Damm und Heerweg über die B 54 hinweg verbindet, Scheinwerfer, die nicht zu einem Pkw passen. Ein Kleinbus nähert sich der Haltestelle. Der Fahrer sieht rechtzeitig den Wartenden, verringert die Geschwindigkeit, hält an. Fast pünktlich: 8.01 Uhr.

Ich will für eine WN-Reportage den Fahrer des Bürgerbusses begleiten. Eigentlich eine Schnapsidee. Was soll es da schon zu berichten geben. Vielleicht, dass es wenig erheiternd ist, mit dem leeren Bus im Kreis herumzufahren? Wer will denn schon um diese Zeit mit dem Bürgerbus im großen Bogen von Epe nach Gronau fahren. Überraschung: Der Fahrer ist nicht alleine. Er hat drei Passagiere an Bord. Der Bürgerbus wird besser genutzt als gedacht, auch schon in aller Herrgottsfrühe.

Die Stimmung an Bord ist gut. Dazu trägt sicher auch bei, dass jeder beim Einstieg, wenn er seinen Obulus entrichtet, auf einem großen Schild den Namen des Fahrers lesen kann. Dieter Krabbe ist es, der heute um 7.33 Uhr am St.-Agatha-Domizil die erste seiner zwei Tagestouren begonnen hat.

Die anderen Fahrgäste, drei Damen, scheinen Stammkunden zu sein. Man kennt sich und den Fahrer. Spontane Äußerung, als klar wird, dass ich nicht als Fahrgast, sondern „für die Zeitung“ eingestiegen bin: „Ich möchte unbedingt, dass der Bus erhalten bleibt, er ist preiswert, ich komme direkt bis zur Haustür.“ Die drei Damen aus Epe haben unterschiedliche Ziele, sie verlassen den Bus an der Albrechtstraße, am Rathaus und an der Endstation am St.-Antonius-Hospital. „Bis später, ich fahre auch mit dem Bürgerbus zurück.“

Dieter Krabbe fährt seinen Bus konzentriert und mit Übersicht. Auch als ihn ein Autofahrer zu einer etwas stärkeren Bremsung nötigt, bleibt er souverän und ruhig. Verständlich, dass die Fahrgäste sich bei ihm sicher aufgehoben fühlen.

Er hat jetzt, nach der Hinfahrt, die gut 40 Minuten dauert, eine gute Viertelstunde Pause. Zeit für ein kurzes Pläuschchen. Seit 2012 ist er in Altersteilzeit, also zu Hause. Die Bürgerbusidee kam wie gerufen. „Eine Gelegenheit, durch ehrenamtliche Tätigkeit der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“ Krabbe gehörte 2013 zu den Gründern des Bürgerbusvereins. Er ist stellvertretender Vorsitzender und einer der 29 Fahrer, die sich bei den Touren abwechseln. „Alles Ehrenamtler“, wie er betont. Nur drei der Fahrer sind Frauen, unter den Fahrgästen sind deutlich mehr Frauen als Männer.

Auch wenn der Bürgerbus schon über 70 000 Kilometer „auf dem Buckel“ hat. Das Fahrzeug wirkt – gut gepflegt wie es ist – fast wie neu. Und der Trägerverein legt Wert auf moderne Technik: „Natürlich mit automatischer Motorabschaltung“, so Krabbe.

Nicht nur der Bus ist fit. „Alle Fahrer absolvieren regelmäßig einen Fitness-Test bei der ‚Zaus‘.“ Das ist die Zentralstelle für Arbeits-, Umwelt- und Sozialmedizin in Rheine. Die Fahrer, die jünger als 65 Jahre sind, lassen sich im dreijährigen Turnus überprüfen, die älteren jedes Jahr. „Wir wollen, dass unsere Fahrgäste zuverlässig und sicher ans Ziel gebracht werden.“ Dafür opfern er und seine Kollegen im Bürgerbusverein einen großen Teil ihrer Freizeit. „Wir freuen uns, wenn wir merken, dass wir mit dem Angebot was Gutes tun können“, so Krabbe.

Zu dem Zweck basteln sie auch an der Optimierung der Strecke. „Wir wollen gerne auch einen Halt am Bahnhof einschieben. Dafür müssen wir die Strecke anderswo, wo es keinen Bedarf gibt, etwas kürzen.“ Die Anträge sind gestellt, es dauert hoffentlich nicht mehr lange, bis Stadt und RVM zugestimmt haben. Stolz ist Krabbe auch darauf, dass es gelungen ist, über die Gültigkeit der RVM-Tickets auch für den Bürgerbus eine Einigung zu erzielen. „In dem Fall brauchen wir nicht mehr die 1,50 Euro vom Fahrgast einzuziehen, wir verrechnen diese Fahrt dann mit dem RVM.“

Die Pause vor dem Krankenhaus ist zu Ende. Dieter Krabbe macht sich auf den Rückweg. Und wird dann ein weiteres Mal die Tour zwischen Epe und Gronau fahren. Um halb zwölf etwa wird er den Bus an einen Kollegen übergeben.

Eine Haltestelle am Bahnhof und die Gültigkeit der Bahntickets werden im nächsten Jahr sicher für noch mehr Fahrgäste sorgen.

Aber auch so: Dieter Krabbe und seine Mitstreiter freuen sich, dass sie mit ihrem Angebot „Bürgerbus“ zahlreichen Mitbürgern eine Freude machen. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

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