Mehr als 1200 Miniaturflaschen
Ernst Heßling: Der Mann mit der Maxi-Mini-Bar

Epe -

Welches Fläschchen es war, mit dem er den Grundstein seiner Sammlung legte, weiß Ernst Heßling noch genau: „Das war eine sechseckige Flasche mit Sechsämtertropfen.“ Mittlerweile hat er mehr als 1200 Miniaturflaschen. An das Hobby kam er vor mehr als 50 Jahren durch einen Zufall.

Samstag, 30.12.2017, 06:12 Uhr

Ernst Heßling mit einem Teil seiner 1280 Miniaturen umfassenden Fläschchen-Sammlung. Als 16-Jähriger schenkte ihm ein Vertreter die erste Mini-Flasche, die den Grundstein für eine über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung legte.
Ernst Heßling mit einem Teil seiner 1280 Miniaturen umfassenden Fläschchen-Sammlung. Als 16-Jähriger schenkte ihm ein Vertreter die erste Mini-Flasche, die den Grundstein für eine über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung legte. Foto: Klaus Wiedau

Welches Fläschchen es war, mit dem er den Grundstein seiner Sammlung legte, weiß Ernst Heßling noch genau: „Das war eine sechseckige Flasche mit Sechsämtertropfen“, erinnert er sich. Dass er ausgerechnet dieses Sammlerstück bei der Suche nicht auf Anhieb gefunden hat, muss man ihm nachsehen: Schließlich hat Heßling mehr als 1200 Miniaturflaschen daheim. Und da kann es schon mal passieren, dass man die Flasche vor lauter Fläschchen nicht sieht . . .

An das ausgefallene Hobby kam der heute 69-jährige Eperaner vor mehr als 50 Jahren durch einen Zufall. „Ich war 16 und damals im Jahr 1964 als Lehrling bei Vocke-Lebensmittel in Epe tätig. Da hat mir ein Vertreter das Fläschchen Sechsämtertropfen geschenkt.“ Der junge Ernst nahm das Stück mit nach Hause und stellte es in ein kleines Regal. „Binnen kurzer Zeit bekam ich noch eine kleine Flasche. Und noch eine. Plötzlich standen da drei oder vier Spirituosen-Minis – und da bin ich angefangen zu sammeln.“ Der erste Setzkasten mit den Maßen 60 mal 80 Zentimeter füllte sich, die Sammlung wurde groß und größer – am Ende zierten die kleinen Fläschchen mit Hoch- und weniger Hochprozentigem im Vorraum einer Sauna eine Fläche von 4,60 mal 1,50 Metern: 1280 Stück waren es inzwischen geworden.

Meterweise die Flaschen im Regal.

Meterweise die Flaschen im Regal. Foto: privat

Mit dem Umzug in eine neue Wohnung fehlte später ein Platz. Die Mini-Fläschchen landeten in Kisten. „Und da träumen sie inzwischen vor sich hin“, so Heßling. Viele Jahre bescherte sie ihm in den Regalen nicht nur Freude, sondern auch regelmäßig Arbeit: „Zum Putzen musst du jede Flasche einzeln in die Hand nehmen.“ Und das Putztuch darf auch nicht zu feucht sein: „Sonst löst sich das Etikett ab“, weiß Heßling aus Erfahrung.

Dass seine Mini-Bar mal derart maximale Ausmaße annehmen würde, damit hatte er anfangs nicht gerechnet. Aber, wie das so ist: Wenn sich eine Sammelleidenschaft erst einmal rumspricht, gibt es plötzlich Helfer. So war es auch bei Heßling: „Ich habe viele Fläschchen geschenkt bekommen – mal zum Geburtstag, mal als Reisemitbringsel von Freunden.“ Außerdem kaufte auch Ehefrau Marianne Raritäten, von denen sie wusste, dass sie noch in der Sammlung fehlten.

Dass heute einige Fläschchen nicht mehr ganz voll sind, erklärt Heßling damit, dass der Inhalt im Laufe der Jahre teilweise verdunstet ist. Einige der Flaschen wurden aber auch leer getrunken – „das müssen wohl Freunde oder die Kinder gemacht haben, wenn ich nicht dabei war“, sagt Heßling. Aber: Mehr als 90 Prozent der kleinen Flaschen sind noch voll. Heßling selbst ist in all den Jahren seiner Sammlertätigkeit standhaft geblieben: „Ich habe nicht eine Einzige davon getrunken.“

Im Laufe der Jahre gab es natürlich auch eine Reihe von Anekdoten, die mit der Sammlung zu tun haben. Etwa die, die mit dem „51-Tod-Club“ zu tun hat. Die neun Mitglieder waren eines Tages bei Heßling zu Gast und spürten plötzlich das Bedürfnis, sich der Mini-Fläschchen-Sammlung zuzuwenden, die damals allerdings erst rund 350 Stück umfasste. Heßling machte gute Miene zum „bösen“ Plan: „Ihr könnt sie trinken. Aber wenn, dann alle“, lud er die Herren des Clubs ein.

Die schätzten offenbar das Ausmaß des vorhersehbaren Katers richtig ein. „Die haben gar nicht erst angefangen zu trinken“, schmunzelt der 69-Jährige noch heute darüber. Eine andere spielte sich vor vielen Jahren zu Weihnachten ab: „Da kam eine Kundin in den Kiosk, den meine Frau damals betrieb. Sie hatte vergessen, eine Zutat für eine Nachspeise zu besorgen und brauchte dringend Rum oder Amaretto. Und weil das nicht zum Sortiment der kleinen Verkaufsstelle gehörte, holte Marianne Heßling kurzerhand ein Fläschchen aus der Sammlung ihres Gatten. Weihnachten war für die Kundin gerettet.

Und was soll jetzt aus der Sammlung werden? „Ich möchte sie wohl loswerden“, sagt Heßling ohne Umschweife. „Aber für 20 Euro tue ich sie nicht weg“, fügt er gleich hinzu. „Wenn jemand die Miniaturen kaufen will, dann soll er ein vernünftiges Angebot machen.“ Das Geld will Ernst Heßling nicht behalten, sondern spenden. Für einen Zweck, der mittelbar mit seiner Sammlung zu tun hat: Für die Arbeit der Anonymen Alkoholiker.

Wer Interesse am Ankauf hat oder jemanden kennt, der sich dafür interessieren könnte, kann die WN-Redaktion kontaktieren (redaktion.gro@wn.de), die einen Kontakt zu Sammler Ernst Heßling herstellt. Und vielleicht findet sich bei der Übergabe auch das kleine sechseckige Fläschchen Sechsämtertropfen wieder, mit dem alles begann . . .

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