Dennis Eversen und Pierre Lücker aus Epe nahmen an Konzertreise nach China teil
Kulturelle Botschafter

Epe -

Der Radetzkymarsch und „An der schönen blauen Donau“ sind Titel bei jedem Neujahrskonzert in Deutschland. Aber in China? Da ist die Strauß‘sche Walzerseligkeit genauso populär wie hierzulande. Dennis Eversen und Pierre Lücker wissen das aus erster Hand. Die beiden Schlagwerker aus Epe haben nämlich an einer Konzertreise des Symphonieorchesters Hannover ins Reich der Mitte teilgenommen. 15 Tage lang waren die beiden als Mitglieder des 58 Musiker zählenden Orchesters unterwegs. Acht Konzerte standen auf dem Programm.

Mittwoch, 10.01.2018, 09:01 Uhr

In Frack und mit Fliege standen Dennis Eversen (unteres Bild links) und Pierre Lücker (neben ihm) auf der Bühne. Die Konzertreise führte sie in acht chinesische Großstädte von Shenzhen bis Peking.
In Frack und mit Fliege standen Dennis Eversen (unteres Bild links) und Pierre Lücker (neben ihm) auf der Bühne. Die Konzertreise führte sie in acht chinesische Großstädte von Shenzhen bis Peking. Foto: privat

„Ich hatte auf Facebook gelesen, dass das Orchester noch Schlagwerker für das Projekt sucht“, erzählt Dennis Eversen. Die Sache schien ihm und seinem Musiker-Kollegen Pierre reizvoll. Sie bewarben sich.

Pierre Lücker (26) spielt seit seiner Kindheit Schlagzeug beim Musikverein Epe. Dennis Eversen (30) ist ebenfalls seit über 20 Jahren Schlagwerker beim Ev. Posaunenchor der Erlöserkirche „und beim Musikverein als Zweitverein“. Engagierte Musiker mit langjähriger Erfahrung also. Aber ob das reichen würde für die Mitwirkung an dem Projekt? Nach Bewerbungsschreiben und einem fast einstündigen Telefongespräch mit der Tourneemanagerin war alles geritzt. Am 18. und 19. Dezember fanden Proben in Hannover statt. „Wir wurden sofort gut ins Orchester integriert“, erzählen die beiden. Mit ihren Kollegen – darunter etliche Studenten der Musikhochschule – befanden sie sich gleich auf einer Wellenlänge.

Am 20. startete der Flieger nach Hongkong. In Shenzhen, einem Vorort der Millionenmetropole, fand das erste Konzert statt – und vor was für einer Kulisse: „Es war ein Open-Air-Konzert. 4000 Sitzplätze standen zur Verfügung, außerdem saßen Menschen auf den Hängen rundherum.“ Riesige LED-Bildschirme, auf denen das Geschehen auf der Bühne auch für die weiter hinten sitzenden Zuhörer sichtbar gemacht wurde. „Das war mit Deutschland nicht zu vergleichen“, sagt Dennis Eversen.

Das Repertoire mit Stücken von Johann Strauß, Franz Lehár und Emmerich Kalman kam bei den Besuchern ausgezeichnet an. Als freundschaftliche Geste gegenüber den Gastgebern hatten die Musiker vier traditionelle chinesische Stücke einstudiert, eines sogar mit chinesischem Gesang. „Nach den ersten Tönen ging die Post ab.“

Die beiden Eperaner fühlten sich ein wenig als Kulturbotschafter Deutschlands in China. Von der Bevölkerung wurden sie mit offenen Armen empfangen. „Viele wollten Selfies mit uns Musikern machen – wir waren sehr gefragt“, sagen sie.

Wobei die sprachlichen Hürden schon hinderlich waren. „Hätten wir die Übersetzer nicht dabei gehabt, wäre es schlecht gewesen.“ Zumal Google – und damit auch der Google-Übersetzer – in China blockiert wird. Und kaum ein Chinese, mit denen sie zu tun hatten, sprach Englisch.

Acht Konzerte in dem riesigen Land – das brachte eine Menge Reisezeit mit sich. „Weil ein Flug ausfiel, mussten wir einmal 13 Stunden mit dem Bus fahren. Das war schon etwas anstrengend.“

Ansonsten war die Reise ein Erlebnis, das sie gerne wiederholen würden. Kosten entstanden ihnen nicht. Unterkunft und Verpflegung waren frei und gut.

Als Höhepunkt empfanden sie das Konzert unter freiem Himmel. „Die Skyline von Hongkong im Hintergrund und das Meer hinter uns – überhaupt auf so einem großen Festival zu spielen, bei dem die Scheinwerfer auf einen gerichtet sind – das war schon ein Erlebnis!“

Nun wartet wieder der Alltag als Zerspanungsmechaniker (Pierre) bzw. Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik (Dennis) auf die beiden Eperaner. Kontakt zu den anderen Musikern – die älteste war 60, der jüngste 21 Jahre alt – halten sie aber noch aufrecht. Und wer weiß – vielleicht sind sie ja bald wieder mit dabei. Das Symphonieorchester veranstaltet die China-Tournee nämlich jährlich. „Spaß hat es auf jeden Fall gemacht.“

  Foto: privat

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