Polizei mahnt: Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt – harte Strafen drohen
Vorstrafe wegen eines Blechschadens?

Gronau -

Es ist ruckzuck passiert: Der nächste Termin wartet, zu Hause sind 1000 Dinge zu erledigen, das Kind quengelt auf dem Rücksitz. Und dann auch noch das: ein hässliches Geräusch. Beim Ausparken hat das eigene Auto ein anderes Fahrzeug gestreift – der Schaden ist nicht nur hörbar, sondern auch mehr oder weniger deutlich zu sehen. Und jetzt? Einfach wegfahren? Besser nicht, denn: Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt. Auch bei vermeintlich geringen Schäden drohen hohe Strafen. Ganz zu schweigen von den Fällen, bei denen Menschen verletzt oder gar getötet werden.

Donnerstag, 18.01.2018, 10:01 Uhr

Viele Verkehrsteilnehmer scheinen um das Strafbare ihres Tuns nicht zu wissen – oder dies wissentlich zu verdrängen: 380 Mal entfernten sich im Kreis Borken Unfallverursacher zwischen dem 1. Dezember und dem 15. Januar unerlaubt von der Unfallstelle. 58 Fälle davon ereigneten sich nach Angaben der Polizei in Gronau, in Bocholt waren es im Vergleichszeitraum 84.

Dabei sollte eigentlich jeder leicht nachvollziehen können, was ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort bedeutet. Für den Geschädigten ist es mehr als ärgerlich, wenn er auf einem Schaden sitzenbleibt, den ein anderer zu verantworten hat. Ganz zu schweigen von den richtig schlimmen Fällen.

Trotzdem entziehen sich immer mehr Verkehrsteilnehmer nach Unfällen ihrer Verantwortung. Bei nahezu jedem fünften Unfall verlässt einer der Unfallbeteiligten unerlaubt den Unfallort. „Vielen ist dabei offensichtlich nicht bewusst, dass sie sich auch bei vermeintlich geringen Schäden strafbar machen und neben einer empfindlichen Strafe Regressforderungen der Versicherung und im Einzelfall auch ihre Fahrerlaubnis riskieren“, sagt Olaf Gottschalk , Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Borken.

Das unerlaubte Entfernen nach einem Unfall im Straßenverkehr ist keine Ordnungswidrigkeit wie etwa das Missachten einer roten Ampel, sondern eine Straftat.

Die Verkehrsunfallflucht wird daher vergleichsweise hart bestraft. Schnell sind mehrere Tausend Euro Geldstrafe fällig. Hinzu kommen drei Punkte beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg und gegebenenfalls ein Fahrverbot. Besonders schwere Unfälle können letzten Endes sogar zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und zum Entzug der Fahrerlaubnis führen.

Doch das ist noch nicht alles. Die Kfz-Versicherungen werten eine Unfallflucht regelmäßig als Vertragsverletzung. Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers übernimmt zwar zunächst alle Kosten auf Seiten des Unfallgegners, kann diese aber ganz oder teilweise beim Unfallverursacher als Regressanspruch einfordern. Auch eine Vollkaskoversicherung muss dann in der Regel den am eigenen Fahrzeug entstandenen Schaden nicht begleichen, so die Polizei weiter.

Viele Verkehrsteilnehmer unterschätzen das Risiko, nach einer Verkehrsunfallflucht im Nachhinein noch belangt zu werden. Die Polizei kann durch akribische Ermittlungsarbeit viele der geflüchteten Verkehrsteilnehmer ermitteln.

Und wie verhalte ich mich nach einem Unfall richtig? Im Prinzip ganz einfach: Indem man den Ort des Geschehens erst dann verlässt, wenn man dem Unfallgegner oder der Polizei alle relevanten Angaben zu Person, Fahrzeug und Unfallverlauf mitgeteilt hat. Eine Visitenkarte hinter den Scheibenwischer zu klemmen, reicht also grundsätzlich nicht aus.

Sollte keine berechtigte Person innerhalb einer angemessenen Wartezeit am Unfallort erscheinen, so muss der Unfallverursacher diese (sofern bekannt) oder die Polizei unverzüglich informieren. „Heute hat fast jeder fast ein Mobiltelefon – es sollte also auch ein Leichtes sein, dieser Pflicht nachzukommen“, rät die Polizei.

Bei Verkehrsunfällen mit Kindern oder Jugendlichen sollte immer die Polizei informiert werden, wenn die Erziehungsberechtigten nicht am Unfallort anwesend sind. Den Minderjährigen ist die Unfallsituation meist unangenehm, weil sie die Lage nicht überblicken und auch irrtümlich annehmen, selbst etwas falsch gemacht zu haben. Aus diesem Grund haben sie den starken Drang, sich von der Unfallstelle zu entfernen. Daher erklären sie an der Unfallstelle oft, keinen Schaden erlitten zu haben, um sich der unangenehmen Situation schnell entziehen zu können. Es kommt dann oft vor, dass Erziehungsberechtigte im Nachgang die Unfallflucht bei der Polizei anzeigen. Zu Recht, denn Kinder können grundsätzlich keine rechtsverbindliche Einwilligung für das Entfernen des anderen Unfallbeteiligten vom Unfallort geben. „Selbst wenn das Kind also nach dem Unfall weiterfährt – bleiben Sie an der Unfallstelle und informieren Sie die Polizei oder die Eltern (sofern Sie diese kennen)“, so die Polizei.

Ihr Appell: „Machen Sie sich nicht strafbar, sondern stellen Sie sich Ihrer Verantwortung! Wegen eines kleinen Blechschadens riskieren Sie, vorbestraft zu sein oder sogar ihre Fahrerlaubnis zu verlieren. Auch Sie selbst wollen nach einem Unfall nicht auf Ihrem Schaden sitzen bleiben.“

Gehandelt werden sollte, so die Polizei, nach dem allgemein bekannten Sprichwort: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“

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