Pfarrer Michael Vehlken referierte beim KKV
„Kirche muss Position beziehen“

Gronau -

Die Diskussionsrunde bei der Ortsgemeinschaft Gronau und Epe vom Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) konnte sich sehen und hören lassen. Denn der Vortrag vom Präses des KKV, Pfarrer Michael Vehlken, war bestens für einen solchen Austausch geeignet. Sein Referat im Jugendzentrum an der Kaiserstiege stellte der Geistliche Beirat unter die Frage: Wie politisch darf Kirche sein? Er spannte den inhaltlichen Bogen von Kirchenmännern bis zu politischen Größen. So äußern sich Bischöfe oder Ortspfarrer öffentlich und politisch zum Teil kritisch zur Flüchtlingsfrage oder zu prekären Situationen in der Arbeitswelt. Pfarrer Vehlken berichtete ebenso aus Veröffentlichungen von bundespolitischen Schwergewichten aus dem weltlichen Umfeld, wie sie mit Kirchenkritik heute umgehen. Dabei war von Wohlwollen bis hin zu Verunglimpfungen alles zu finden, referierte der Geistliche.

Samstag, 20.01.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 22.01.2018, 18:06 Uhr
Interessante Diskussion beim KKV: Geschäftsführer Wilhelm Bilke (vorne rechts) konnte als Referenten Pfarrer Michael Vehlken (vorne links) gewinnen.
Interessante Diskussion beim KKV: Geschäftsführer Wilhelm Bilke (vorne rechts) konnte als Referenten Pfarrer Michael Vehlken (vorne links) gewinnen. Foto: Rainer Doetkotte

Die aktuelle politische Entwicklung interessiert den Kirchenmann von der Mühlenmathe dabei besonders. Und sein Interesse gilt auch den Parteitagen, die er gerne im Fernsehen verfolgt. „Dabei war der Rechtsruck der AfD erschreckend“, so Vehlken. „So ist Kritik an Kirche johlend von den AfD–Mitgliedern aufgenommen worden“, brachte der Geistliche seine Wut zum Ausdruck und wies auf ungute Parallelen aus den 1930er-Jahren hin. Dies habe zu seiner kritischen Predigt am zweiten Weihnachtstag in der St.-Antonius-Kirche geführt. Der Rechtsruck ist auch an Gronau nicht spurlos vorübergegangen. Er machte dies an der Wahl eines namhaften AfD-Vertreters aus Gronau in den NRW-Landtag deutlich. Ihm ist wichtig, dass die Bewegung sowohl nach ganz links oder rechts eine Gefahr für das gesellschaftliche Zusammenleben insgesamt bedeutet. „Wenn etwas Böses geschieht, gehe ich in die Offensive, da muss Kirche grundwertig Position beziehen“, tritt er dem rechtspopulistischen Trend deutlich entgegen.

Eine Gesellschaft ohne Kirche – und ohne Stimme der Kirche – kann oder möchte sich keiner vorstellen, war denn auch die grundsätzliche Meinung der Teilnehmer des Abends. „Christliche Werte prägen immer noch am stärksten unser Land“, ist sich Pfarrer Vehlken mit Blick in die Zukunft sicher. Dabei wird sich die Kirche auch weiterhin zu moralischen und ethischen Fragen zu Wort melden und gegenüber den Regierenden klar Stellung beziehen. Mit dem Pastor waren sich die KKV-Mitglieder einig, dass die stärkere Individualität des Einzelnen und der größere Wohlstand die Kritik an Kirche und an der Politik erhöht hat. Die Frage, warum Christen heute noch in kirchlichen Verbänden und somit auch in den KKV eintreten, wird damit begründet, dass immer wieder aktuelle soziale Fragen auch in Zukunft aus dem christlichen Selbstverständnis beantwortet werden müssen.

Als nächste Veranstaltung des KKV steht am 6. Februar ab 15 Uhr die Besichtigung der Neuapostolischen Kirche in Gronau auf dem Programm. Anmeldungen bei den Vorstandsmitgliedern.

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