Nach Kritik im Bauausschuss und Sozialausschuss
Türkisch-Islamische Gemeinde: „Wir sind bereit zum Gespräch“

Gronau -

Fast zwei Wochen liegt die Bauausschuss-Debatte zurück. Aber bei der türkisch-islamischen Gemeinde Gronau wirkt sie immer noch nach. „Wenn Sie wüssten, wie es in mir aussieht“, sagt Vorsitzender Abdulselam Gürbüz auf die Frage, ob er die Kritik, die im Ausschuss an der Gemeinde, aber auch am Dachverband Ditib geäußert wurde, inzwischen verarbeitet hat.

Mittwoch, 21.02.2018, 08:02 Uhr

Am Rande des Freitagsgebets entstand in der Fatih-Moschee dieses Foto von Mitgliedern der türkisch-islamischen Gemeinde Gronau.
Am Rande des Freitagsgebets entstand in der Fatih-Moschee dieses Foto von Mitgliedern der türkisch-islamischen Gemeinde Gronau. Foto: Klaus Wiedau

Gürbüz und weitere Vorstandsmitglieder sehen die Gemeinde zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und sie sind enttäuscht darüber, dass es mit ihnen über die Kritik keinen Dialog gibt: „Wenn man mit uns nicht kommuniziert, wie kann man da solche Aussagen machen?“, fragt sich Cetin Akbayrak , Sekretär der Gemeinde. Auch andere Vorstandsmitglieder finden deutliche Worte: „Es ist respektlos, dass die Debatte über uns, aber nicht mit den Mitgliedern des Vereins geführt wird.“ Dass das Gespräch in dieser Situation dringend notwendig ist, sehen auch Gronauer Ratsmitglieder so: Erich Schwartze (FDP) mahnte kürzlich im Sozialausschuss den Dialog an, weil sonst noch mehr böses Blut erzeugt werde.

„Wir sind bereit zum Gespräch, zum Austausch und zur Diskussion“, sagt Vorsitzender Gürbüz. Denn: „Gemeinsam sind wir Gronau“, verweist er darauf, dass viele Mitglieder der Gemeinde in Gronau eine zweite Heimat gefunden haben. Und: „Wir sind Teil des Integrationskonzeptes.“ Dass der Wunsch der Gemeinde, die Fatih-Moschee an der Burgstraße zu erweitern, eine politische Grundsatzdebatte über den Islam und Ditib ausgelöst hat, ist für die Vertreter der Gemeinde unverständlich: „Wir wollen in Frieden und Ruhe unsere Religion leben, ohne dass man uns anders beurteilt“, sagt Akbayrak. Wichtiges Anliegen sei dabei auch, junge Menschen in das Leben der Gemeinde einzubinden, die sonst möglicherweise „in Perspektivlosigkeit untergehen und in die Hände von Radikalen fallen“ könnten.

Die Gemeinde habe ein gutes Verhältnis zu vielen Einrichtungen – von der Polizei bis hin zu Schulen, sagt der Sekretär der Gemeinde. Die Türen der Moschee seien offen für alle, das habe die Gemeinde bei vielen Veranstaltungen und Tagen der offenen Tür deutlich gemacht. In der Moschee habe der erste Abend der interkonfessionellen Reihe „Ich erzähle Dir von meinen Glauben“ stattgefunden, jährlich gebe es rund zehn Besuche von Schulklassen, die die Moschee im Rahmen von Projektarbeit aufsuchten. „Und es gibt verschiedene Kooperationen mit anderen Glaubensgemeinschaften in der Stadt“, so Gürbüz, der auf Kontakte mit der Evangelischen Kirchengemeinde und die Mitgestaltung des Abschlussgottesdienstes der Abiturienten verweist. Die Freitagsgebete und Predigten würden auf Türkisch, Arabisch und Deutsch gehalten und seien in sozialen Netzwerken nachzulesen: „Da ist Transparenz gegeben.“

Falsch ist nach Angaben der Gemeinde auch der Vorwurf, Muslime aus anderen Ländern würden ausgegrenzt: „Jeder der zu uns kommt, kann hier beten“, sagt Akbayrak. An der Tür zur Moschee gebe es keine Ausweiskontrolle. Bedingt durch die Flüchtlingsströme habe die Moschee in letzter Zeit sehr viel Zulauf. „Wir haben diese Menschen bisher nie darauf angesprochen, einen finanziellen Beitrag für die Gemeinde zu leisten“, so Gürbüz. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb man sich mit einem Antrag auf finanzielle Unterstützung an die Stadt gewandt habe. Die Gemeinde lebe von den Beiträgen der rund 220 Mitglieder. „Die legen ihren Beitrag selbst fest“, sagt Akbayrak. Er macht zudem deutlich, dass die Gemeinde keine finanzielle Unterstützung durch den Dachverband Ditib erhalte. „Ditib stellt den Imam, sonst nichts. In allen anderen Bereichen ist die Gemeinde eigenständig“, erklärt Gürbüz, dass man „finanziell nicht abhängig von Ditib ist“. Auch die geplante Erweiterung der Moschee sei eine eigenverantwortlich getroffene Entscheidung der Gemeinde, die auch Bauherr sei.

Dass die Gronauer Gemeinde jetzt in Verantwortung genommen werde für die angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern, können Gürbüz und die Mitglieder des Gemeindevorstandes nicht nachvollziehen. Gürbüz: „Geht es um Probleme zwischen Berlin und Ankara? Dafür sind wir der falsche Ansprechpartner. Einige Politiker haben in der Debatte neulich offenbar vergessen, dass sie im Bauausschuss sitzen und nicht im Bundestag. Es geht hier nicht um unseren Dachverband, sondern um lokale Probleme.“

Diese Probleme – die baulichen und die grundsätzlichen – möchte die Gemeinde gern lösen. Akbayrak: „Wir müssen definitiv mehr miteinander sprechen, um besser miteinander leben zu können.“ Die Bereitschaft auf Seiten der Gemeinde sei dafür da, betont Gübürz, der darauf verweist, dass der junge Vorstand – anders als vielleicht die Generation zuvor – offen sei für Dialog und öffentliche Projekte.

Vor diesem Hintergrund hoffen die Verantwortlichen der Fatih-Moschee, dass es mit der baulichen Erweiterung an der Burgstraße doch noch klappt. Die im Bauausschuss bemängelte Erschließungsproblematik (Kanalanbindung) sei durch eine Grundlast eigentlich gelöst. Und auch die Verkehrssituation lasse sich im Einvernehmen regeln, zumal das Problem nur temporär auftrete und die Parkprobleme in der Woche maßgeblich durch andere verursacht würden.

Und was ist mit einer Standortverlagerung? Gürbüz glaubt nicht, dass eine Moschee weit draußen – etwa in einem Industriegebiet – von den Mitgliedern akzeptiert würde. Zumal viele ältere Mitglieder mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Gebet kämen. Und natürlich stelle sich auch die Frage, wer eine kompletten Neuanfang an anderer Stelle finanziere.

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