Nachfrage nach Azubis ist groß
Das Handwerk hat wieder goldenen Boden

Gronau/Ahaus -

Das Handwerk hat goldenen Boden – ein Spruch, der vor vielen Jahren dem Nachwuchs Mut machen sollte, gerade in dieser Sparte sein berufliches Glück zu suchen. Zwischenzeitlich aber verlor das Handwerk an Image – und Betriebe wie auch Innungen haben heute gegen ein Vorurteil zu kämpfen, das in manchen Bereichen fast dramatische Auswirkungen annimmt. Die WN sprachen darüber mit Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KH) Borken, Geschäftsstelle Ahaus.

Samstag, 10.03.2018, 10:03 Uhr

Daniel Janning
Daniel Janning Foto: privat

Herr Janning , Handwerker wird heute nur der, der anderswo nichts findet, sagt man. Ist das Handwerk aus Sicht der Bevölkerung eine Art Abstellgleis?

Daniel Janning: : Viele betrachten es vielleicht noch so, aber das Handwerk ist schon lange nicht mehr niederschwellig. Hier ergeben sich jede Menge Aufstiegsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven.

Und zwar welche?

Janning: Beispielsweise die Weiterqualifikation durch die Meisterausbildung, die auch die KH unterstützt. Ebenso befähigt eine abgeschlossene Ausbildung im Anschluss zum Studium. Und in vielen Betrieben steht jetzt und in den nächsten Jahren die Nachfolgefrage an. Nicht jeder Betriebsinhaber kann dies aus der eigenen Familie regeln. Da haben auch Fachkräfte von außen gute Chancen.

Dem Handwerk hängt immer noch der Makel der harten körperlichen Arbeit an, bei der man sich die Hände schmutzig macht.

Janning: Auch diese Vorstellung ist überholt. Die Unternehmen heute sind modern aufgestellt. Es gibt kaum mehr Bereiche, die ohne EDV auskommen. Der körperliche Einsatz ist zwar vielfach noch notwendig, aber die schwere körperliche Arbeit ist doch deutlich weniger geworden. CNC- und Roboter-Technik übernehmen viele der Aufgaben. In den meisten Betrieben ist es inzwischen dadurch so sauber in der Werkstatt, dass man dort beinahe vom Boden essen kann. Vom Meister-Eder-Tischler-Betrieb ist da nichts mehr erkennbar.

Ein anderer Grund, lieber eine Alternative zu suchen, war oft auch die Bezahlung.

Janning: Auch da hat das Handwerk aufgeholt. Jetzt gerade erst erfolgten wieder tarifliche Lohnerhöhungen. Als Meister, Techniker oder in der Arbeitsvorbereitung ist die Entlohnung schon hoch. Ein Großteil der Betriebe zahlt inzwischen übertariflich, weil die Marktsituation es hergibt. Viele bieten ihren Mitarbeitern zudem Extraleistungen vom Handy über den Firmenwagen bis hin zu besonderen Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Etliche Unternehmen beschränken ihren Wirkungs- und Auftragsradius ja auch nicht mehr nur bis kurz hinters Ortsschild.

Janning: Das stimmt. Gerade im Münsterland haben wir zahlreiche Betriebe, die als Global-Player weltweit unterwegs sind. Mitunter wissen aber die Mitarbeiter gar nicht, für welche namhaften Auftraggeber sie gerade etwas fertigen, weil die Kunden das nicht an die große Glocke hängen wollen.

Handwerksbetriebe haben inzwischen schon längere Wartezeiten, weil sie aufgrund von Personalmangel nicht jeden Auftrag sofort erledigen können.

Janning: Das ist richtig. Deshalb sind die Perspektiven hier ja auch so gut. Spötter reden schon davon, dass Handwerker bald besser bezahlt werden als Rechtsanwälte.

Welche Branchen suchen denn besonders händeringend nach Auszubildenden?

Janning: Die Maler, der Elektro-, der Heizungs- und Sanitärbereich, das Bauhandwerk, ebenso die Bäcker, Bäckereifachverkäufer oder auch die Fleischer. Wir hatten im Nordkreis beispielsweise 2017 nur vier Auszubildende als Bäcker. Bei den Bäckereifachverkäufern/innen ging die Zahl von 29 in 2013 auf 17 in 2017 – ebenfalls im Nordkreis – zurück. Fleischer wollte 2016 nur ein junger Mensch werden.

In welchen Branchen sind die Ausbildungszahlen noch weitgehend stabil?

Janning: Die Metaller lagen mit 56 Auszubildenden auf dem Niveau der letzten Jahre, gleiches gilt mit 84 Lehrlingen für die Tischler. Unterm Strich jedoch: Beste Chancen bieten sich für die jungen Leute in allen handwerklichen Bereichen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5579302?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Transparent am Dom
Ein riesiges Transparent hatten Unbekannte passend zum Wochenmarkt am Dom-Gerüst befestigt.
Nachrichten-Ticker