Symposium zum „Prepare“-Projekt in Enschede
Notfallrettung mit kulturellen Unterschieden

Enschede/Gronau/Kreis Borken -

Es geht um nichts anderes als die Rettung von Menschenleben. Schnelle Hilfe im Notfall möchte jeder. Doch unterschiedliche Systeme in den Niederlanden und Deutschland behindern eine reibungslose Zusammenarbeit. Gut also, dass es das Interreg-Projekt „Prepare“ gibt. „Dadurch hat die Grenze ihre Barrierewirkung verloren“, sagte Bernd König von der Bezirksregierung Münster bei einem Symposium am Mittwoch in Enschede. Dort gaben Praktiker Einblicke in ihre Arbeit.

Mittwoch, 14.03.2018, 19:03 Uhr

Das Abschlussprojekt des Prepare-Projekts fand am Mittwoch in Enschede statt.
Das Abschlussprojekt des Prepare-Projekts fand am Mittwoch in Enschede statt. Foto: Martin Borck

Zum Beispiel Timo Joormann, Dozent der Feuerwehr- und Rettungsakademie Bocholt. Er gab Seminare für die Notfallsanitäter, die von Isselburg aus über die Grenze ins benachbarte Gelderland fahren. „Wie arbeiten die Kollegen eigentlich auf der anderen Seite?“, lautet die Frage. Rechtskunde, Haftungsrecht, praktische Informationen über die Hilfsfristen etwa, die in den Niederlanden höher sind als Deutschland. Oder dass Fahrer von Rettungswagen mit Martinshorn und Blaulicht in den Niederlanden nur 20 km/h schneller fahren dürfen als das sonst gültige Tempolimit. In Deutschland haben die Fahrer einen eigenen Ermessungsspielraum. All das wurde vermittelt. „Und in der direkten Konfrontation mit den Kollegen aus den Niederlanden wurden Hemmschwellen abgebaut.“ Alle stellten fest: „Die machen eigentlich denselben Job wie wir.“

Medizinisch gibt es kaum Unterschiede: „Patienten mit Herzbeschweren reagieren gleich – egal ob sie Deutsche sind oder Niederländer“, sagte Notfallsanitäter Torsten Beuting. Doch die kulturellen Unterschiede sind trotz der räumlichen Nähe doch erheblich: „Während wir deutschen Sanitäter nach dem Motto ,Ich kam, sah und legte die Infusion‘ arbeiten, muss man in Gelderland erstmal die Seele der Patienten erreichen. Viel mehr erklären und beraten“, schilderte der Rettungssanitäter Hermann Thomas seine Erfahrungen. Mit Erfolg: Die niederländischen Notfallpatienten – seit Mai 2017 waren es über 60 – waren sehr zufrieden.

Verbesserungsbedarf gibt es bei der Kommunikation; die Leitstelle in Borken kann die digitalen Daten aus Apeldoorn nicht empfangen, die Kontakte laufen per Telefon.

Ein andres Beispiel: die Kinderstation des Medisch Spectrum Twente in Enschede. Dort können seit einigen Jahren in Notfällen auch Kinder aus Gronau und Umgebung behandelt werden. „Pro Jahr werden 30 bis 70 Kinder aus Gronau behandelt“, sagte Kinderärztin Anne Jonge Poerink.

Auch hier gibt es Kulturunterschiede: In den Niederlanden ist es unüblich, dass Kinder ohne vorherige Konsultation des Hausarztes zum Krankenhaus gebracht werden. „Es kommt vor, dass Eltern mit ihrem Kind auf der Matte stehen“, sagte die Ärztin. „Ihnen wird auch geholfen, aber uns wäre es lieber, wenn wir uns vorbereiten könnten.“

Entsprechende Informationen sollen künftig besser kommuniziert werden. Zumal eine neue Gebührenordnung am Enscheder Krankenhaus gilt. Eltern eines kranken Kindes ohne offizielle Überweisung eines Arztes werden erstmal zur Kasse gebeten.

Die Kooperationen sollen auch nach Auslaufen des Förderzeitraums fortgesetzt werden. Nicht nur das: Für Vivian Eijzenbach von der niederländischen Inspectie Gezondheitszorg wäre es sinnvoll, Wissen und Erfahrungen auch anderen Grenzregionen zur Verfügung zu stellen. Mit dem Ziel eines einzigen Versorgungsgebiets auch in der Notfallhilfe.

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