Machbarkeitsstudie Parkhaus sorgt für Diskussionen
Je tiefer, desto teurer

Gronau -

Im Kern ging es um die Frage, ob auf dem Alten Schlossplatz ein Parkhaus mit rund 400 Stellplätzen realisiert werden kann. „Länge mal Höhe mal Breite“, brachte Stadtbaurat Frank Vetter die Aufgabenstellung auf eine kurze Formel, die das Ingenieurbüro PBH (Osnabrück) im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersuchen sollte. Dass sich rund um diese Studie aber eine Menge Fragen auftun, zeigte die politische Debatte, die am Dienstagabend von gleich zwei Ausschüssen der Stadt – Bauausschuss und Verkehrsausschuss – geführt wurde.

Donnerstag, 15.03.2018, 08:03 Uhr

Blick von der Konrad-Adenauer-Straße auf das Parkhaus – links die Bebauung „Am Stadtpark“, rechts das Terrassenhaus. In dieser maßstabsgerechten Zeichnung ist eine Parkhaus-Zufahrt von der Adenauer-Straße zu sehen, favorisiert wird aber eine Zufahrt zwischen Parkhaus und Terrassenhaus. Planung: Ingenieurbüro PBH Osnabrück
Blick von der Konrad-Adenauer-Straße auf das Parkhaus – links die Bebauung „Am Stadtpark“, rechts das Terrassenhaus. In dieser maßstabsgerechten Zeichnung ist eine Parkhaus-Zufahrt von der Adenauer-Straße zu sehen, favorisiert wird aber eine Zufahrt zwischen Parkhaus und Terrassenhaus. Planung: Ingenieurbüro PBH Osnabrück Foto: Stadt Gronau

Eduard Harder vom Büro PBH stellte den Politikern eingangs die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor. Danach ist – wie bereits berichtet – auf dem Alten Schlossplatz der Bau eines Parkhauses mit 360 Einstellplätzen machbar. Das maximal 10,50 Meter hohe Bauwerk soll über vier unterirdische und sechs oberirdische Halbgeschosse verfügen und an die Ehlers-Straße und die Adenauer-Straße angebunden werden. Kosten: rund 9,5 Millionen Euro.

Harder machte deutlich, dass verschiedene Faktoren für die hohen Kosten verantwortlich sind: So müssen rund 13 000 Kubikmeter kontaminierter Boden abgefahren werden (Kosten: rund 1,3 Millionen Euro). Dabei handle es sich nicht um Altlasten im Sinne von Industrie- oder Gewerbeabfall, sondern um Bauschutt und Hausbrand, der aber nach geltendem Recht heute auf Deponien zu lagern sei, wie Joachim Krafzik, Leiter Stadtplanung, erläuterte. Unter dieser Füllschicht befinde sich eine weitere nicht tragfähige Schicht (unter anderem mit Torflinsen), die ebenfalls zu entfernen sei. Krafzik: „Wir haben keinen geeigneten Baugrund an der Stelle.“

„Das ist schon nicht ohne“, betonte auch PBH-Mann Harder. Weitere zusätzliche Kosten ergeben sich nach seiner Darstellung durch die unterirdischen Stellplätze, die immer teurer seien als oberirdische. Oberirdisch gelte pro Stellplatz ein Betrag von 15 000 Euro (ohne Extras wie Schallschutz) als Berechnungswert. Unterirdisch werde ein Wert von 25 000 Euro pro Platz berechnet. Darin seien etwa Kosten für eine Zwangsbelüftung enthalten. Harder: „Wir können aber nicht weiter nach oben bauen. Und je tiefer man nach unten baut, desto teurer wird es“.

Denkbar sei am Standort, so Harder auf Fragen, auch eine sogenannte Pfahlgründung unterhalb der nicht tragfähigen Schicht, die allerdings wesentlich komplizierte sei. Kosten dafür seien in der Studie nicht berechnet worden.

Harder ging weiter unter anderem auf Abstandsflächen zur angrenzenden Bebauung und auf die Anbindung an die Ehlers-Straße ein. Die sei machbar, eine Ausfahrt auf die Ehlers-Straße aber wahrscheinlich nur über eine Rechtsabbiegespur zu realisieren, weil der Landesbetrieb Straßen einer Ampelanlage an der Ehlers-Straße wohl nicht zustimmen werde.

Dem Thema Schallschutz könne durch eine Fassade mit Lärmschutzlamellen Rechnung getragen werden, so Harder weiter. Eine ausschließliche Begrünung der Fassade habe indes keinen Schallschutzeffekt. Eine Begrünung könne allenfalls zusätzlich erfolgen, so der PBH-Experte auf Fragen von Ausschussmitglied Markus Busen (FDP). Die normale Stellplatzbreite gab Harder auf Nachfrage mit 2,50 Meter an, die Halbgeschosse seien mit einer Normhöhe von 2,20 Metern geplant.

„Unglaublich teuer“, fand Mechthild Große-Dütting (SPD) den Betrag von 9,5 Millionen Euro für 360 Stellplätze. „Das ist eine enorm hohe Summe, die man der Öffentlichkeit gegenüber rechtfertigen muss.“ Udo Buchholz (Gal) sah diverse Fragen – Schadstoffbelastung der Anwohner oder Kosten für Alternativlösungen (Park & Ride) – als nicht beantwortet an. Auch sei für ihn nicht nachvollziehbar, woher die Studie bestimmte Aussagen ableite. Stadtbaurat Frank Vetter machte deutlich, dass viele der von Buchholz gestellten Fragen in weiteren Gutachten detailliert zu klären seien. „Das war nicht Aufgabe dieser Machbarkeitsstudie“, so der Baurat.

Auf Nachfrage der WN machte die Verwaltung am Mittwoch deutlich, dass grundsätzliche Betrachtungen zu Lärm-, Schadstoff- und Lichtemissionen gleichwohl auch in den Machbarkeitsstudie eingeflossen seien.

Auf die hohen Kosten und die angespannte Haushaltslage der Stadt verwies auch Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten). „Die Stadt braucht keine Stellplätze“, so Krause unter Hinweis auf die städtische Tiefgarage, in der nach Sanierung der hinteren Hallen weitere Plätze bereitständen. Krause wollte wissen, welche Zahl an Stellplätze die Drio-Investoren für ihr Projekt auf gesetzlicher Grundlage schaffen müssen. Vetter betonte, dass er dies erst beantworten könne, wenn ein konkreter Bauantrag vorliege. Im Übrigen habe sich die Stadt im Zuge der Innenstadterneuerung verpflichtet, öffentlichen Parkraum zu schaffen und die Kosten dafür zu tragen.

Weitere Stichworte der Debatte waren unter anderem Hochwasserschutz zur Dinkel hin (Jörg Lenz, SPD), Betriebskosten (Manfred Lenz, CDU) oder die Breiten der Zu- und Abfahrten (Josef Krefter, CDU). Am Ende stimmten Verkehrsausschuss und Bauausschuss (bei jeweils einer Gegenstimme) dafür, die Machbarkeitsstudie als Rahmen für die Aufstellung eines Bebauungsplanes zu nutzen. Inwieweit dieser Rahmen dann mit der Errichtung des Parkhauses ausgeschöpft wird, werde später entschieden.

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