Klaus Böwering verabschiedete sich vom Gronauer Publikum
Lebensbejahender Schlusschor

Gronau/Epe -

Nur noch eine Aufführung in Rheine – dann ist die Ära Klaus Böwering zu Ende. Es ist eine regelrechte Epoche – über 50 Jahre – in denen der Dirigent und Komponist, Orchestergründer und Lehrer die Fackel der symphonischen Musik in Gronau und Umgebung hochgehalten hat. Dass eine seiner Vorlieben der modernen Klassik gilt, zeigte sich am Sonntag beim Abschiedskonzert von seinem Gronauer Publikum in der Eper Agatha-Kirche. Ein Konzert, dem Böwering eine eigene Dramaturgie verlieh.

Dienstag, 24.04.2018, 08:04 Uhr

Die Städtischen Musikvereine Gronau und Rheine sowie das Symphonieorchester Rheine am Sonntag in der Agatha-Kirche.
Die Städtischen Musikvereine Gronau und Rheine sowie das Symphonieorchester Rheine am Sonntag in der Agatha-Kirche. Foto: Martin Borck

Mit „Ich wandte mich“, einer Eigenkomposition Böwerings, eröffneten die Städtischen Musikvereine Gronau und Rheine sowie das Symphonieorchester Rheine das Konzert. Eine Vertonung dreier Verse aus dem Buch Prediger, ein Stück Musik, dass dem Komponist zufolge eine Welt am Abgrund zeigt; die tänzerischen Anmutungen – eine Habanera und ein Bolero – als Totentanz? Ist das die musikalische Quintessenz, die Böwering hinterlassen will? Eruptive Ausbrüche, gewaltige Crescendi lassen eine tiefe Verzweiflung ahnen – doch es gibt auch unbestimmtere Klänge, deren Ausdeutung vager erscheint. Der am Schluss wiederholte letzte Satz des Chores „Ich wandte mich“ bietet Hoffnung – auch wenn der ersterbende Orchesterklang das Gefühl eines existenziellen Schreckens nicht ausräumt . . .

Als ob Böwering die Zuhörer mit diesem Gefühl nicht zu stark belasten wollte, wirkte der zweite Satz aus der Symphonie Nr. 1 von Alexandre Guil­mant als beruhigender Kontrast, der das Publikum aufatmen ließ. Es heißt, dass Guilmant beim Komponierten die Melodien nur so zuflogen: Genauso luftig und leicht geriet der Satz der Symphonie. Ein wunderbares Wechselspiel zwischen Orgel und Orchester, mit pastoralen Anklängen und lyrischen Szenen, zarter Instrumentierung, in denen Blechbläser mit ihrer Erdenschwere nur störend gewirkt hätten.

Auch im Hauptwerk des Abends, Faurés Requiem, hatte die Orgel (großartig gespielt von Peter Petermann) einen wichtigen Part inne. Nicht aufdringlich, sondern unterschwellig, dabei aber unabdingbar, unterstützte das Instrument das Orchester. Der Chor baute auf die dadurch erzeugten Stimmung auf. Böwering gelang es, die Dynamik der unterschiedlichen Akteure auszubalancieren.

Auch wenn das „Pie Jesu“, gesungen von Sopranistin Renate Lücke-Herrmann, eine friedvolle Szenerie heraufbeschwört, und Guido Heidloff (Bass) nachdrücklich das „Libera me“ (Befreie mich) anstimmte, ist in Faurés Ausdeutung des Requiems musikalisch vieles offen. Durch die Harmonik, die mit Mehrdeutigkeit spielt und mit vermeintlichen Sicherheiten bricht. Seine Tonsprache interpretierten Chor und Orchester konsequent. Das Werk vermittelte mit seinem abschließenden Himmelsgesang eine begründete Hoffnung auf Erlösung.

Als Finale des Konzerts erklang der Schlusschor aus Arthur Honnegers „König David“ mit seinem strahlenden „Halleluja“. Böwering hat auch mit diesem Stück eine Art Memento Mori ausgewählt: David steht an der Schwelle des Todes. Doch auch hier nimmt die Prophezeiung des Engels, der das Kommen des Messias voraussagt, dem Tod den Schrecken. Kein Wunder, dass der mächtige Schlusschor lebensbejahend und freudevoll ausfiel.

Mit minutenlangem Beifall dankten die Besucher den Aufführenden – besonders Klaus Böwering – für ein beeindruckendes Konzerterlebnis. Martin Borck

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