Romke Schievink restauriert altes Planetarium
Historischer Blick in die Sterne

Gronau -

„Dieses Planetarium ist etwas ganz Großes, etwas Einmaliges. Ein Novum mit einer unglaublichen Geschichte.“ Romke Schievinks Augen strahlen bei diesen Worten wie die Sterne, die er sonst am Firmament beobachtet. Seine Erzählungen bewegen sich in der Superlative. Zu recht: Das „Zeißische Projektions-Planetarium“, das er derzeit repariert, ist „das einzig noch funktionierende seiner Art. Es stammt aus dem Museum in Den Haag. Es gibt davon noch einen Zwilling, der steht in München. Dieser ist aber nicht in Gebrauch“, sagt der Gronauer.

Mittwoch, 25.04.2018, 09:04 Uhr

Das Zeiss-Planetarium aus dem Museum in Den Haag restauriert Romke Schievink derzeit in seiner Werkstatt. Im November soll es für einen kurzen Zeitraum in Billerbeck zu sehen sein.
Das Zeiss-Planetarium aus dem Museum in Den Haag restauriert Romke Schievink derzeit in seiner Werkstatt. Im November soll es für einen kurzen Zeitraum in Billerbeck zu sehen sein. Foto: Susanne Menzel

Dass er „dieses Kleinod“ überhaupt leihweise in seinem Besitz hat, macht ihn schon stolz: „Eigentlich galt dieser Apparat unter Astronomen als verschollen“, berichtet der gebürtige Niederländer. „Nach dem Museumsbrand in Den Haag 1976 war er lange Jahre verschwunden. Ich war aber kurz nach dem Brand noch im Planetarium und hatte ihn damals gesehen. Ich wusste also, dass er noch vorhanden war.“ Schievink nahm deshalb von drei Jahren Kontakt zu dem Planetarium auf und wies auf diese Tatsache hin.

Im Keller wurde das gute Stück dann wiederentdeckt. Allerdings reichlich ramponiert. Das Löschwasser hatte Spuren hinterlassen, das Bedienungspaneel fehlt gänzlich. Romke Schievink: „Das Planetarium wurde daraufhin zunächst mechanisch restauriert, für den optischen Feinschliff bin ich jetzt zuständig.“

Momentan synchronisiert und kalibriert der Fachmann den Mond. Die Abbildungen der rund 5000 Sterne sind fast komplett unbeschädigt erhalten. „Man muss sich das so vorstellen: Auf den nicht einmal ein Millimeter dicken Kupferplatten wurden die Sternbilder per Hand eingestochen und diese Platten dann in dem Gerät installiert. Lampen im Inneren leuchten die Sternbilder aus und projizieren sie an die Wand“, beschreibt er die Funktion des „wertvollen und eigentlich unbezahlbaren Stückes“. Dabei, so unterstreicht Dozent Romke Schievink mit Bewunderung, „haben die Erbauer vor 100 Jahren sehr präzise gearbeitet. Die eingestochenen Sternkonstellationen entsprechen absolut den aktuellen Bildern.“

Um das Planetarium fast originalgetreu wieder herzustellen, musste Schievink erst einmal entsprechendes Werkzeug selbst anfertigen. Und sich Unterlagen beschaffen – so gut es ging. „Es gibt fast keine Aufzeichnungen“, gestaltete sich die Einarbeitung in die Materie für den Gronauer mühseliger als gedacht. Der Münchner Zwilling ist zwar zum großen Teil baugleich – aber halt nicht zu hundert Prozent. Er verfügt beispielsweise über 1000 Sterne weniger. „Hinzu kommt noch, dass man bei dieser Arbeit spiegelbildlich denken muss“, nennt Romke Schievink eine weitere Schwierigkeit.

Für zwei defekte Linsen hat der Experte inzwischen Ersatz gefunden, die Ansteuerung des Gerätes wird von händisch auf Computerregulation umgestellt, auch moderne LED-Lampen werden Verwendung finden. „Allerdings nur in soweit, dass alles wieder rückbaubar ist und in den Originalzustand versetzt werden kann. Das Alte geht nicht verloren“, betont Schievink. Jeden kleinsten Arbeitsschritt dokumentiert er an seinem PC. „Alles ist zu jeder Zeit für das Museum in Den Haag nachvollziehbar“, so sein Hinweis. Eigentlich, gibt der Fachmann zu, leiste er hier Ingenieursarbeit: „Aber da man selbst bei Zeiss keine Herstellungs- oder sonstigen Unterlagen mehr hat, bleibt mir nicht viel anderes übrig.“ Und er tut es gerne: „Vieles an dem Zeißischen Projektions-Planetarium sind Unikate. Wie etwa die schräge Standsäule. Oder die Tatsache, dass das Modell aufgrund seiner Konstellation nur den nördlichen Himmel wiedergeben kann. Einschränkungen, die die Astronomen und Liebhaber der Materie bei diesem Gerät gerne in Kauf nehmen: „Nicht zuletzt deshalb sind wir auch mit einer Art Bürgerinitiative von zwölf Leuten am Werk, die nicht alle nur Sternengucker sind“, sagt Schievink. Der Öffentlichkeit zeigen will die Initiative „Campussternwarte“ den außergewöhnlichen Projektions-Apparat gegen Ende des Jahres. Dann soll die neue Sternwarte – ursprünglich in Schöppingen geplant – am Standort Billerbeck fertiggestellt sein. „Dort haben wir ein für unsere Zwecke perfektes Grundstück gefunden, auf dem wir unsere lange gehegten Pläne nun verwirklichen können“, freut sich Romke Schievink.

Die kleinen schwarzen Punkte sind einige der insgesamt fast 5000 per Hand eingestochenen Sternenbilder.

Die kleinen schwarzen Punkte sind einige der insgesamt fast 5000 per Hand eingestochenen Sternenbilder.

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