Ankunft in der Stadtkirche im Herbst
Das Orgelmärchen wird wahr

Gronau -

Orgelbaumeister Konrad Scheffler und Kantor Dr. Tamás Szőcs stehen in einem Lagerraum in Frankfurt/Oder wie in einem Wald voller Orgelpfeifen. Zur märchenhaften Kulisse gehören über 2200 Orgelpfeifen aus Holz und Metall, ein Labyrinth aus mehreren Kilometern Bleirohr und unzählige Holz- und Metallteile, die mit Kürzeln beschriftet sind.

Dienstag, 01.05.2018, 11:05 Uhr

An der frischrestaurierten Spieltisch der Sauer-Orgel: OSV Michael Goede, Juniorchef Orgelbaumeister Konrad Scheffler und Dipl-Ing. Christian Steinmeier (v.l. obere Reihe) sowie Prof. Wolfgang Baumgratz, Dr. Tamás Szöcs und Orgelbaumeister Christian Scheffler (untere Reihe).
An der frischrestaurierten Spieltisch der Sauer-Orgel: OSV Michael Goede, Juniorchef Orgelbaumeister Konrad Scheffler und Dipl-Ing. Christian Steinmeier (v.l. obere Reihe) sowie Prof. Wolfgang Baumgratz, Dr. Tamás Szöcs und Orgelbaumeister Christian Scheffler (untere Reihe). Foto: privat

Meisterliche Zauberhände sind in der Orgelwerkstatt Scheffler über mehrere Monate dabei, all diese Teile von den Rußspuren des Ruhrgebietes (die Orgel stand über 100 Jahre in Dortmund) zu befreien, ohne sie ihrer Patina zu berauben, und die gereinigten Pfeifen nach und nach aufzurichten. Anlässlich eines Besuches in Frankfurt/Oder hat Dr. Szőcs die Lagerräume und die Werkstatt besucht, um sich ein Bild über die Fortschritte der Arbeiten zu verschaffen.

Über 2500 Lederbälgchen (die kleinste Lunge der Orgel) wurden bereits per Hand neu gefertigt, die größten Blasebälge gereinigt. Die Sanierungsarbeiten werden bis zum Sommer weitergeführt.

Kantor Szőcs, der das Projekt seit 2008 verantwortet, zählt in den Bilanzen des vergangenen Jahres einerseits große Fortschritte und Erfolge, gelungene Aktionen und die ungebrochene Begeisterung der Förderer auf. Andererseits – wie in jedem Märchen – muss man, um voranzukommen, zahlreiche harte Proben bestehen und unlösbare Knoten lösen. Dazu gehörten 2017 die praktischen und amtlichen Schritte zur Umsetzung der historischen Sauer-Orgel aus Dortmund nach Gronau, die Baustellenleitung in Dortmund-Dorstfeld zu Abbau und Einlagerung des Instrumentes, das Einholen von Angeboten, der Abschluss von Verträgen wie auch Beratungen mit Ämtern, Sachverständigen und Firmen.

Eine weitere Aufgabe war und bleibt die Erfüllung zahlreicher denkmalrechtlicher Auflagen und Bestimmungen, deren Einhaltung von einer Orgelkommission, zwei Denkmalbehörden und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe geprüft wird. Ebenfalls spannend ist zur Zeit die Vorbereitung der Stadtkirche für die Ankunft der zwölf Tonnen schweren Königin der Instrumente, die für den Herbst 2018 geplant ist. Bis dahin stehen bei der Sanierung der Empore Arbeiten an Heizung, Elektroleitungen, Bodenbelag sowie Putz und Malerarbeiten an, die auch bei einem Orgelneubau angefallen wären. Für die Sauer-Orgel ist zudem eine Erweiterung und die statische Verstärkung der Empore notwendig.

Neben diesen aufwendigen Aufgaben gab es 2017 weniger Möglichkeiten, um öffentlichkeitswirksame Aktionen oder große Benefizkonzerte durchzuführen, doch die Begeisterung der Spenderinnen und Spender hat nicht nachgelassen. Angesichts der Tatsache, dass in Gronau noch keine Pfeife dieser Orgel zu sehen oder zu hören war, spricht Dr. Szőcs mit großer und Wertschätzung von dieser seit Jahren andauernden Solidarität des Spenderkreises.

Als Dank für diese langjährige Treue können sich zur Zeit die 1100 Spenderinnen und Spender, je nach Höhe der bislang getätigten Spenden, einzelne oder mehrere Pfeifen in Wert zwischen 10 und 2500 Euro als symbolische Patenkinder aussuchen. Als Zeichen der Verbundenheit mit diesem Projekt suchen sich viele Spender Pfeifenpatenschaften mit Tonnamen zu den eigenen Namensinitialen aus. Die Möglichkeit, eine Pfeifenpatenschaft zu erwerben, sich auszusuchen oder zu verschenken, steht anschließend – solange der Vorrat reicht, für weitere Orgelbegeisterte offen.

In diesem Jahr sind noch etliche planerische und bautechnische Hürden zu schaffen. Bevor die Orgel die Reise nach Gronau antritt, wird sie in ihrer „Geburtsstadt“ Frankfurt/Oder komplett aufgestellt und zusammengebaut und einem Funktionstest unterzogen, anschließend wieder zerlegt und für den Transport verpackt. Hinzu kommen die in Epe eingelagerten Gehäuseteile und die in Paderborn restaurierte Rosette. Aufbau und Intonation des Instrumentes werden in Gronau weitere sechs Monate dauern.

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