Moop Mama feiern eine Art musikalischen Zirkus – mit ihren eigenen Regeln
Die Aufhebung der Schwerkraft

Gronau -

Ein Artist ist ein Mensch, der scheinbar alle Regeln der Schwerkraft aufhebt – auf dem Seil, am Trapez, beim Jonglieren mit Bällen, Keulen oder brennenden Ringen. Und manchmal macht er Musik. Gute Musik. Montagabend, 22 Uhr, Bürgerhalle, Jazzfest: „Ich komme mir vor, wie im Zirkus“, sagt der Kollege, als Keno Langbein auf einem BMX-Rad auf die Bühne radelt. „Die Erfindung des Rades“, heißt das Stück, Moop Mama die Band: Zwei Saxofone, zwei Posaunen, zwei Trompeten, ein Schlagwerk, eine Bassdrum, ein Sousaphon und Langbein am Mikro. Rot-weiße Fantasieuniformen. Viel Blech. Viel Buntes. Viel Bewegung. Und viel, wirklich viel gute Musik, mal schräg, mal schrill, mal funky, mal groovy.

Mittwoch, 02.05.2018, 15:05 Uhr

Keno Langbein (o.) ist der Mann am Mikro- oder Megafon. Bandgründer Marcus Kesselbauer gab ein Solo-Battle mit Johannes Geiß am Altsaxofon (kl. Foto).
Keno Langbein (o.) ist der Mann am Mikro- oder Megafon. Bandgründer Marcus Kesselbauer gab ein Solo-Battle mit Johannes Geiß am Altsaxofon (kl. Foto). Foto: Christiane Nitsche

Wer Moop Mama nicht kannte, war entweder nicht da (Schade, Leute, Ihr habt etwas verpasst!) oder rieb sich Augen und Ohren angesichts dieses eigenwilligen Mixes aus Rap, Marching Band, Guerilla-Gig, Soul, Funk, Hip-Hop, Techno und Jazz. Ja, doch: Jazz. So zu hören bei „Freestyle“ etwa, als Bandgründer Marcus Kesselbauer sein erstes Saxofonsolo zum Besten gibt. Oder etwa aus Menzel Mutzkes Trompete.

„Moop, Moop!“, rufen die rund 250 bis 300 Leute vor der Bühne, die gefühlt wie 800 feiern. „Moop, Moop“ – die Basis von allem, getragen von Peter Laib am Sousaphon. Der Mann trägt schwer und spielt dabei, als ginge es um trillernde Flötentöne. Soviel Leichtigkeit im Blech war noch nie auf der Bürgerhallen-Bühne.

Moop Mama feiert das Ende musikalischer Schwerkraft – ständig in Bewegung, ständig in wechselnden Registerbesetzungen. Nichts hier scheint festzustehen, nichts scheint sich einem Reglement zu unterwerfen. Alles scheint von fast, kindlicher Anarchie geleitet.

Dabei ziehen die Moop-Mamas nach allen bekannten Regeln alle bekannten Register: Mal lyrisch („Meermenschen“), mal verspielt („Kinder“), mal mit Anleihen bei niemand geringerem als Kraftwerk („Roboter“) oder funky wie Peter Fox‘ Seeed („Elefanten“) oder mit Gangsta-Rapper-Strumpfmaske („Paranoia“) .

Die musikalische Klasse der Band zeigt sich nicht nur in den zahlreichen Soli, sondern auch in der Bandbreite. Das ist viel mehr als Blech in Kostümen oder „zehn Männer, die versuchen, eine Frau zu sein“, wie Keno Langbein gerne scherzt.

„Das ist unser Platz und wir gehen hier nicht weg“, skandieren sie gemeinsam mit ihrem Publikum nach fast 90 Minuten Dauerdampf – eine Reminiszenz an die Anfänge der Band, als sie ohne Anlage – nur mit Megafon für den Gesang – unangekündigt auf Straßen und Plätzen auftrat. Bis die „Bullenwägen“ kamen, um sie wegen Ruhestörung zu vertreiben. Aber auch Polizisten mögen Musik.

Christiane Nitsche

  Foto: Christiane Nitsche

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