Vom Marketing in den Hebammenberuf
Die zweite Wahl als Volltreffer

Gronau -

Es ist nicht immer nur der direkte Weg, der zum Ziel führt. Manchmal sind es die Umwege, die letztlich die innere Zufriedenheit bringen. So jedenfalls war es bei Laura Hermann. Die 30-Jährige, gebürtig aus dem Bayerischen Wald, hat in ihrem „früheren Leben nach dem Abi zunächst Tourismusmanagement studiert und war dann beruflich im Bereich Marketing unterwegs.“ Irgendwann allerdings merkte die junge Frau, dass „diese Arbeit für mich nicht erfüllend war.“ Ihre Alternative: der soziale oder der pflegerische Bereich. Laura Hermann: „Es gab dabei für mich gewisse Kriterien: Ich wollte nicht mehr studieren und die Lehre aus eigener Kraft stemmen.“

Dienstag, 15.05.2018, 12:05 Uhr

Als Hebammenschülerin muss Laura Hermann die verschiedensten Bereiche in der Geburtshilfe durchlaufen. Labor, OP, Neugeborenen-Intensiv-Station und Kreißsaal gehören dazu.
Als Hebammenschülerin muss Laura Hermann die verschiedensten Bereiche in der Geburtshilfe durchlaufen. Labor, OP, Neugeborenen-Intensiv-Station und Kreißsaal gehören dazu. Foto: Susanne Menzel

Ihre Wahl fiel auf die Ausbildung zur Hebamme: „Das ist der einzige Beruf im pflegerischen Metier, in dem man gesunde Prozesse begleiten und unterstützen kann und in dem man eine unmittelbare Wirkung erzielt.“ Auch die zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten nach der Ausbildung hatten für Laura Hermann ihren Reiz: „Ob Selbstständigkeit oder Angestelltenverhältnis, ob nur Vor- oder nur Nachsorge – oder eine Kombination aus den verschiedenen Einsatzgebieten, alles ist denkbar.“

Für Laura Hermann war die Entscheidung gefallen. Nach einem Praktikum schickte sie deutschlandweit ihre Bewerbungen los: „In München gibt es auf 30 Ausbildungsplätze im Schnitt 400 bis 500 Bewerbungen. Da musste ich mich schon breiter aufstellen.“

Hebammenschule in Rheine

In der neuen Hebammenschule in Rheine, die nach der Schließung der Schule in Münster vor drei Jahren eröffnet hatte, wurde sie angenommen: „Wir waren dort der erste Jahrgang und können somit auch die Ausbildung ein wenig mitgestalten“, erzählt Laura Hermann. Dass ihre Mitschülerinnen im Schnitt wesentlich jünger sind als sie, stört die junge Frau nicht: „Wir sind bunt gemischt. Zu Beginn waren wir im Alter zwischen 18 und 28 Jahren.“

Wechsel noch nicht bereut

Inzwischen steht Laura Hermann kurz vor ihrer Prüfung, im Dezember beginnt der theoretische Teil. Anfang kommenden Jahres folgt der praktische Teil. „Und bis hierher bin ich sehr zufrieden mit meiner Wahl. Ich habe den Wechsel noch nicht einen Tag bereut“, sagt die 30-Jährige.“ Klar, gibt sie zu, der Arbeitsalltag im Antonius-Krankenhaus sei mitunter hektisch – aber auch schön. „Wenn mehrere Geburten gleichzeitig anstehen, pendelt man schon zwischen den Kreißsälen hin und her. Als Schülerin wird einem aber noch ein wenig mehr Zeit zugestanden.“

29 Geburten hat sie inzwischen betreut, fürs Examen muss sie 30 Entbindungen begleitet haben. 40 sind der internationale Standard. Aber auch OP-Einsätze, Dienste auf der Wochenbett- sowie der Neugeborenen-Intensiv-Station oder beim Ultraschall gehören mit zu ihren Ausbildungsinhalten.

Älter als die anderen Anwärterinnen

Dass sie älter ist als die Mehrzahl der Hebammenanwärterinnen, mehr Lebenserfahrung aufweisen kann, sieht sie sogar als Vorteil. „Klar, die Ausbildung ist auch mit jüngeren Jahren zu schaffen. Aber ich glaube, die habe bei den Kollegen und den Frauen ein anderes Standing. Ich für mich empfinde ich mein Alter als Vorteil.“ Und auch der Verantwortung, die sie im Kreißsaal für zwei (und manchmal sogar mehr) Leben mittrage, sei sie sich bewusst.

Hebamme ist ein Beruf, bei dem man gut auch auf sich selbst aufpassen muss. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Sport gehören dazu.

Laura Hermann

Tolle Momente schlagen gewaltiges Lernpensum

Der Augenblick, wenn die Mutter ihr Neugeborenes im Arm halte „und es beiden gut geht, die Frau die Geburt und die Betreuung als angenehm empfunden hat und stolz auf sich und verliebt in ihr Kind ist, das ist stets auch ein ganz besonderer Augenblick für mich als angehende Hebamme,“ sagt Laura Hermann. Dann rücken das gewaltige Lernpensum, das sie in der Ausbildung absolvieren muss, oder auch der stressige Schichtwechsel in den Hintergrund. „Wobei ich die verschiedenen Schichten eigentlich mag“, sagt Hermann: „Man kann die Tage immer mal etwas anders gestalten. Nur eines sollte man nicht vergessen: Hebamme ist ein Beruf, bei dem man gut auch auf sich selbst aufpassen muss. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Sport gehören dazu.“

Stelle nach dem Examen schon sicher

Über eine Stelle nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss muss sich die Schülerin aus Süddeutschland auch keine Gedanken mehr machen: „Ich habe von dem Krankenhaus, in dem ich mein Praktikum gemacht habe, ein Stipendium bekommen. Während der dreijährigen Ausbildung werde ich von dort finanziell unterstützt, im Gegenzug habe ich mich verpflichtet, nach dem Examen zwei Jahre dort als freiberufliche Hebamme tätig zu sein.“ Die zweite Wahl hat sich bei ihr zu einem Volltreffer entwickelt.

  Foto: Susanne Menzel

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