EU-Kommission fordert Teil-Verbote – Alternativen fehlen
Plastik schmeckt nicht

Gronau -

Frühsommer. Ein warmer Nachmittag. Nichts als nach draußen, an die frische Luft. Hinein in die Wasserfontänen vor dem Rock’n Pop-Museum. Die kleinen wie auch die größeren Kinder haben sichtlich Spaß an dem kostenlosen, abkühlenden Element. Und ein Junge hat sogar eine besondere Unterhaltungsattraktion dabei: Wasserbomben. Im Großpack.

Freitag, 08.06.2018, 08:30 Uhr

Mit sechs Küken im Schlepptau schwimmt die Entenmutter den Graben am Laga-Gelände entlang. Am Uferrand lauern im Gebüsch versteckt die Gefahren für den tierischen Nachwuchs: Von Kindern geworfene Wasserbomben aus Kunststoffmaterial, die ihr Ziel verfehlt und im Wasser gelandet sind.
Mit sechs Küken im Schlepptau schwimmt die Entenmutter den Graben am Laga-Gelände entlang. Am Uferrand lauern im Gebüsch versteckt die Gefahren für den tierischen Nachwuchs: Von Kindern geworfene Wasserbomben aus Kunststoffmaterial, die ihr Ziel verfehlt und im Wasser gelandet sind. Foto: Susanne Menzel

Das Gejauchze kennt keine Grenzen mehr. Ein ums andere Mal fliegen die bunten Ballons mit Wasser gefüllt durch die Luft. Nicht jeder Wurf ein Treffer, aber immerhin platzen die Ballons beim Auftreffen auf dem Boden. Wie mit bunten Konfettischnipseln übersät sieht der Platz kurze Zeit später aus. Einige rote, gelbe, grüne und blaue Überreste schwimmen in den kleinen Wasserbecken, andere landen auf den Stufen runter zum Wassergraben, wieder andere gleiten dort bereits übers Wasser. Neugierige Enten nähern sich vorsichtig, picken mit ihrem Schnabel nach dem vermeintlichen Futter. Nur die Entenmutter mit ihren sechs Küken hält sich fern. Und tut gut daran. Das Plastik in den Tiermägen kann sich zur tödlichen Nahrung entwickeln. Nicht nur für die Enten, auch für die Fische. Und nicht nur im vergleichsweise kleinen Gronauer Gewässer, sondern – in größeren Dimensionen gedacht – auch in den Weltmeeren.

Plastikmüll wird mehr und mehr zu einem Umweltproblem. Allein in der EU , so gab die EU-Kommission jüngst wieder aktuelle Zahlen bekannt, entstehen jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll. Weniger als 30 Prozent davon werden wiederverwertet und zu neuen Produkten recycelt. Der Rest landet auf der Müllkippe oder in der Umwelt. 500 000 Tonnen gelangen ins Meer und richten dort verheerende Folgen für Vögel, Fische und Säugetiere an – und letztlich auch für den Menschen. Um diesen Kreislauf zu stoppen, will die EU-Kommission zehn Produkte verbieten, für die es Alternativen gibt. Darunter Einmal-Geschirr, Verpackungen für Fastfood, Süßigkeiten und Knabberzeug, aber auch Luftballons und Trinkhalme.

Vor allem bei den Kaffee-to-go-Bechern hat sich der schlechte Ruf inzwischen herumgesprochen. Bei einer Umfrage in der Innenstadt sind etliche Kaffee-im-Laufen-Trinker zwar auskunftsfreudig – mit Namen oder gar Foto wollen sie allerdings nicht in der Zeitung stehen. „Ich habe nicht immer Zeit, den Kaffee in Ruhe im Sitzen aus der Tasse zu genießen. Die Pause ist kurz und ich muss noch andere Dinge erledigen.“ Einen Mehrwegbecher habe sie zu Hause stehen, gibt die junge Gronauerin zu: „Mit nettem Motiv. Aber ich vergesse ihn leider morgens in der Hektik oft.“

Die Bäckerei-Verkäuferin gibt zwar Heißgetränke auch lieber in Tassen oder Bechern heraus, „das sieht nicht nur schöner aus, sondern hat meiner Meinung nach auch einen ganz anderen, besseren Geschmack, aber wenn der Kunde Kunststoff will, dann bekommt er den.“ Nur wenige kämen mal mit einem eigenen Becher. „Den füllen wir natürlich gerne, aber manchmal ist das nicht mal ein Kunde pro Tag, der das verlangt.“ Strohhalme für Kinder, so antwortet die Frau, gäbe sie nur auf Nachfrage heraus: „Ansonsten steht der Behälter mit den Halmen unter der Theke.“

Auf ein ganz anderes Problem, mit der beispielsweise die verpachteten Kioske in den Freibädern konfrontiert sind, macht Stefan Busch, Pressesprecher bei den Stadtwerken als Badbetreiber in Gronau und Epe, aufmerksam: „Es müssen wirkliche Alternativen her. Nur ein Verbot all dieser Dinge allein hilft uns nicht weiter. Denn die Kioskbetreiber müssen ja auch strenge Hygiene- und vor allem Sicherheitsvorschriften beachten.“ Soll heißen: Die Waren dürfen nicht mit den Fingern angefasst werden. „Wer auf der Terrasse seinen Kaffee trinkt und sich auf dem Stuhl niederlässt, bekommt ihn auch in einer Porzellantasse serviert. Wer das Heißgetränk oder die Pommes allerdings mit zu seinem Platz auf der Liegewiese nehmen will, um Speis und Trank dort zu verzehren, der muss mit Kunststoff vorliebnehmen. Denn es ginge garantiert immer eine Tasse, ein Glas oder ein Teller zu Bruch. Und dann hätten wir mit den herumliegenden Scherben ein viel größeres Problem.“

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