Gildehauser Firma produziert Sicherheit
Schutz auch vor AK-47-Projektilen

Gildehaus -

Nein, über schlechte Zukunftsaussichten für seine Firma kann Fred Tijink leider Gottes nicht klagen. Leider? Der humorvolle Holländer, der alles andere als ein Zyniker ist, produziert und verkauft mit seiner Firma „Proteq Bodygear“ GmbH kugelsichere Westen.

Donnerstag, 12.07.2018, 10:20 Uhr

Fast doppelt so schnell wie die Geschosse aus Neun-Millimeter-Pistolen sind die Projektile, die mit der berüchtigten Kalaschnikow (AK 47) verschossen werden. Fred Tijink (links) ist stolz, dass seine Firma „Proteq Bodygear“ Schutzwesten anbieten kann, die auch so hohen Einschlagenergien standhalten.
Fast doppelt so schnell wie die Geschosse aus Neun-Millimeter-Pistolen sind die Projektile, die mit der berüchtigten Kalaschnikow (AK 47) verschossen werden. Fred Tijink (links) ist stolz, dass seine Firma „Proteq Bodygear“ Schutzwesten anbieten kann, die auch so hohen Einschlagenergien standhalten. Foto: Andreas Krzok

Nein, über schlechte Zukunftsaussichten für seine Firma kann Fred Tijink leider Gottes nicht klagen. Leider? Der humorvolle Holländer, der alles andere als ein Zyniker ist, produziert und verkauft mit seiner Firma „Proteq Bodygear“ GmbH ein lebensrettendes Produkt, das in Zeiten steigender Gewaltdelikte gefragt ist wie nie: kugelsichere Westen.

Bewusst unauffällig scheinen sich die Gebäude des Unternehmens zwischen die anderen Betriebe im Gildehauser Gewerbegebiet gemengt zu haben. Wer den Verwaltungstrakt betritt, steht einem Ritter in voller Rüstung gegenüber. 400 Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges ein treffend gewähltes Sinnbild für den Wandel von Sicherheitsausrüstung.

2009 gründete Tijink – vom Studium her Chemiker – sein Unternehmen mit zwei Standorten. In Gildehaus sind Produktion, Verkauf und Auslieferung angesiedelt. Jenseits der holländischen Grenze, im nahen Enschede, erfolgen Planung und Entwicklung. Die beiden Betriebsteile haben als „papierenes Dach“ die Holding „Proteq Armour Group“ B.V. über sich. Managing Director und Eigentümer ist Fred Tijink.

Der Werdegang des 49-jährigen Oldenzaalers gründet auf seinen von Jugend an entwickelten Interessen an den Menschen, die im Auftrag des Staates und zum Nutzen der Allgemeinheit für Recht und Ordnung sorgen: Polizeibeamte.

Durch Jobs bei namhaften Textilunternehmen (unter anderem in Wuppertal und Krefeld) kam er mit der sogenannten Ballistik-Sparte in Berührung und trat mit eigenen Ideen hervor. Die waren allerdings bei seinem damaligen Arbeitgeber nicht zu realisieren. Fred Tijink: „Also habe ich aus meinem Frust eine Antriebskraft gemacht und eine eigene Firma gegründet.“

Der Erfolg belohnt das Risiko. Inzwischen ist der Name „Proteq“ in der Schutzausrüstungs-Branche im deutschsprachigen Raum ein Begriff. Gerade statten die Gildehauser die Polizei des Freistaates Sachsen mit leichten Schutzwesten aus. Ein mehrjähriges Programm. So auskunftsfreudig Fred Tijink im Allgemeinen ist, so verschwiegen reagiert er auf die Frage nach Umsatzzahlen und Belegschaftsgröße. Auch die Firmenräume bleiben für den Außenstehenden verschlossen. „Wir sind eine Blackbox“, sagt der Chef. „Material kommt auf der einen Seite herein, die Schutzwesten kommen auf der anderen Seite heraus. Das ist eine Frage der Sicherheit und des Schutzes vor Industriespionage. Bei unseren Produkten geht es in der Endkonsequenz ja um nichts Geringeres als das Leben unserer Kunden.“ „Proteq Bodygear“ nimmt für sich in Anspruch, nur hochwertige Materialien zu verwenden. High-End-Fasern wie Aramid und thermo-physiologisches Material wie Coolmax bilden die textile Grundlage für Sicherheit, ein sportlich orientiertes Design und hohen Tragekomfort.

Stolz verweist Fred Tijink auf zwei Merkmale, durch die sich „Proteq“ von Mitbewerbern absetzen kann: „Erstens: Unsere Westen entsprechen nicht nur allen ballistischen Anforderungen, sondern sind durch ihre Flexibilität für die Trägerinnen und Träger so komfortabel, dass sie wie eine zweite Haut empfunden werden. Der Oberkörper ist rundum – nicht nur Brust und Rücken – geschützt, das Material ist so leicht und flexibel, dass sie stets eine volle Bewegungsfreiheit gewährleisten. Dann ist auch das notwendige Gewicht kein Problem. Zweitens: Wir haben eine so große Vielfalt an Schutzklassen, Größen und Ausstattungsvarianten, dass quasi jede Weste eine Maßanfertigung ist. Und wir können auf jeden Sonderwunsch der Trägerin oder des Trägers eingehen und ihn direkt umsetzen. Ferner sind unsere Lieferzeiten extrem kurz.“

Neben dem zuverlässigen Schutz gegen Schüsse aus Handfeuerwaffen hat „Proteq“ sein Augenmerk vor allem auf den Tragekomfort gerichtet. Tijink: „Wir tun alles dafür, dass der lebensrettende Körperschutz getragen wird und nicht im Kofferraum der Einsatzfahrzeuge vergammelt, weil er drückt, kneift, zu schwer und zu umständlich anzulegen ist.“ Die hohe Qualität hat natürlich auch ihren Preis. Die Spanne liegt je nach Sicherheitsklasse, Größe und Ausstattung zwischen 600 und 6000 Euro. Seriöse Schutzausrüstung muss zertifiziert sein. Dafür sind in den Niederlanden wie in Deutschland spezielle Behörden zuständig. Zwar lässt „Proteq“ in der Entwicklungsphase die Beschusstests meist auf den Schießanlagen seiner Kunden durchführen. Das letzte Wort aber haben die staatlichen Beschussämter in Ulm, Mellrichstadt oder Suhl. Zwei Entwicklungen treibt „Proteq“ mit Nachdruck voran. Die eine zielt auf immer bessere Schutzwirkung bei unverändert hohem Komfort. So verrät die Bezeichnung des neuesten Produkts „AK 47 Flex“, dass der Träger damit auch gegen Projektile der Kalaschnikow (AK 47) geschützt ist. Produktionstechnisch möchte Tijink einen noch höheren Automatisierungsgrad erreichen. „Mir schwebt vor, dass der Kunde zu uns kommt, seine Maße gescannt werden, und während er eine Tasse Kaffee trinkt, produzieren wir seine maßgefertigte Weste, die er dann gleich mitnehmen kann. Und warum sollen wir nicht eines Tages mit dem ganzen Equipment in einem Container direkt zum Kunden fahren?“ Übrigens funktioniert Körperschutz nicht nur dank Hightech. Auch altbewährte Mittel sind gut. Gegen einen Angriff mit Messer oder Stichwaffe bietet „Proteq“ eine kettenhemdartige Einlage an – die Ritter lassen grüßen.

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