Neue Zahlen belegen
Jeder zweite Niederländer zu dick

Enschede -

Fast jeder zweite Niederländer leidet an Übergewicht. Damit liegt die Zahl der Betroffenen so hoch wie noch nie zuvor. Das geht aus einer Umfrage des Centraal Bureau voor de Statistiek hervor.

Montag, 23.07.2018, 12:15 Uhr

Rund ein Prozent der Niederländer, die älter als 20 sind, leidet an ernstem Übergewicht. Zu dick ist nach aktueller Statistik aber jeder zweite Niederländer.
Rund ein Prozent der Niederländer, die älter als 20 sind, leidet an ernstem Übergewicht. Zu dick ist nach aktueller Statistik aber jeder zweite Niederländer. Foto: Friso Gentsch/dpa

Das „Zentrale Statistikamt“ erfasst seit 1981 jährlich das Gewicht und die Größe der Niederländer mit Hilfe eines Fragebogens. Die neuesten Zahlen haben ergeben, dass rund 100 000 Niederländer so übergewichtig sind, dass es für sie ein gesundheitliches Problem darstellt. Dabei kam diese schwere Form von Adipositas vor 40 Jahren noch kaum in den Niederlanden vor.

Die unlängst veröffentlichten Zahlen ergeben sich aus einem aktuellen Gesundheitsfragebogen und Lebensstilmonitor des CBS und des Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM, übersetzt: „Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt“). Dabei hat sich herausgestellt, dass rund ein Prozent der Niederländer, die älter als 20 sind, an ernstem Übergewicht leiden.

CBS und RIVM haben dabei zum ersten Mal in ihrem Fragebogen zwischen drei Klassen von Übergewicht unterschieden. Dabei ging es um einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 bis 35, 35 bis 40, oder 40 und höher. Bei einem BMI von 30 bis 35 spricht man von Adipositas ersten Grades, und diese Form von Übergewicht kommt in den Niederlanden am häufigsten vor.

Ist der BMI der Befragten höher als 40, dann leiden sie an sogenannter morbide obesitas („krankhaftes Übergewicht“). Insgesamt leiden rund 2,5 Mal mehr Niederländer an einer Form von Übergewicht als noch in den 1980er-Jahren. Hinzu kommt, dass rund 36 Prozent der niederländischen Bevölkerung mit Übergewichtigkeit oder Präadipositas, also einem erhöhten BMI, zu kämpfen hat.

Zählt man alle Zahlen zusammen, so hat fast die Hälfte der Niederländer eine Form von Übergewicht. Zu Beginn der 1980er-Jahre waren es nur ein Drittel der Niederländer, die als übergewichtig eingestuft werden mussten.

Im europaweiten Vergleich schneiden die Niederlande jedoch noch gut ab. Das CBS meldet, dass Übergewichtigkeit in den Niederlanden seltener vorkommt als in anderen europäischen Ländern. Europaweit hat circa 53 Prozent der Bevölkerung Übergewicht. Rund 17 Prozent leidet an Adipositas. In Deutschland und Belgien, den beiden Nachbarländern der Niederlande, kommt Übergewicht also häufiger vor. Nur in Italien und Rumänien sind weniger Menschen übergewichtig als in den Niederlanden.

In vielen europäischen Ländern ist mittlerweile eine Zuckersteuer zur Reduzierung von Übergewicht eingeführt worden. Dabei handelt es sich laut der Zeitung NRC Handelsblad meistens um eine Steuer auf Softdrinks, die als versteckte Zuckerfallen gelten.

Laut der Weltgesundheitsorganisation hat so eine Steuer viele Vorteile: So wäre der Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken in Mexiko nach Einführung einer solchen Steuer um acht Prozent zurückgegangen. Dadurch werde die Chance, an Übergewicht oder Diabetes zu erkranken, verringert. Das führe wiederum zu geringeren Kosten für das Gesundheitssystem.

In den Niederlanden scheint eine solche Steuer auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel jedoch in naher Zukunft nicht realisierbar, wie es weiter heißt. Nur eine einzige Partei, die christdemokratische CDA, nahm eine Zuckersteuer in ihr Konzept für ein Wahlprogramm auf. Sie wurde jedoch nicht in die finale Version ihres Wahlprogrammes übernommen.

In den Niederlanden setzt die Politik zurzeit eher auf Verhandlungen mit der Nahrungsmittelindustrie als auf gesetzliche Regelungen. So wurde 2014 beispielsweise ein Abkommen über die Senkung von Salz, Fett und Zucker in Produkten der Lebensmittelindustrie geschlossen. Dieses Abkommen geht jedoch vielen, wie etwa Konsumentenverbänden, nicht weit genug.

Laut Leo Nederveen von der Weltgesundheitsorganisation hat eine Zuckersteuer jedoch viele Vorteile. Sie stelle kein Bußgeld oder keine Strafe für die Konsumenten dar, sondern eine Prämie, denn wer weniger Softdrinks trinkt, kann bei seinen Ausgaben im Gesundheitswesen sparen. Niemand, so Nederveen, brauche zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zum Leben. Und niemand habe etwas davon, diese Getränke zu trinken.

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