Sommerkrimi, Folge acht
Am Tatort nachts um halb drei

Gronau -

Bürgermeisterin Svenja Jörgens genießt ihre Elternzeit mit dem kleinen Sohn. Und wie nett die Bürger zu ihr sind! Alle wollen einen Blick auf den kleinen Balduin werfen, wenn sie mit dem Kinderwagen unterwegs ist. Und wie viele Geschenke sie schon bekommen hat.

Montag, 13.08.2018, 18:00 Uhr

Anna Brennt erschrickt, als sie erkennt, wo Josef Pfeifer ermordet wurde. Stadtbaurat Dicker befragt seine Sekretärin Sabine Domestos, wer in seinem Büro gewesen ist, und Martin Burg will von seiner Nichte wissen, ob sie in der Nacht verdächtige Personen am Tatort gesehen hat.
Anna Brennt erschrickt, als sie erkennt, wo Josef Pfeifer ermordet wurde. Stadtbaurat Dicker befragt seine Sekretärin Sabine Domestos, wer in seinem Büro gewesen ist, und Martin Burg will von seiner Nichte wissen, ob sie in der Nacht verdächtige Personen am Tatort gesehen hat. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Sogar ihr Konkurrent bei der Bürgermeisterwahl im nächsten Jahr hat ihr ein in blaues Geschenkpapier eingewickeltes Päckchen überreicht. „Guck mal, André,“ sagt sie zu ihrem Mann. „Rainer Duttkötter hat uns etwas zur Geburt von Balduin geschenkt.“ Sie öffnet das Papier. „Ein Strampler“, sagt sie gerührt. „Und er hat was einsticken lassen: ‚Schützenkönig im Brock-Spechthoshock 2048‘. Ach wie niedlich!“ Sie packt das Geschenk ganz aus, dreht den Strampler um – und ihre Miene erstarrt. Denn dort steht: „Letztes SPD-Mitglied Deutschlands 2047“.

Tach, Anna!“ Martin Burg schneit im Fotogeschäft seiner Schwester („Vögelchen. Klick. Schön.“) herein. „Kannst du mal schnell die Dateien von diesem Chip kopieren? Es eilt leider mal wieder.“ – „Klar, mach ich doch.“ Anna Brennt schiebt den Chip ins Lesegerät ihres PC. „Was ist denn los, dass es wieder so eilig ist?“ – „Hast du’s noch nicht gehört? Heute Nacht ist Josef Pfeifer ermordet worden.“ – „Was? Ich hatte ja keine Ahnung. Weiß man, wer’s getan hat?“ – „Nee, bisher nicht. Aber die Leiche ist ja auch erst heute Morgen entdeckt worden.“ Der Computer verrichtet derweil leise summend seine Arbeit. „Was sind denn da für Fotos drauf?“, fragt Anna Brennt und beginnt, neugierig die Kopien anzuschauen. – „Bilder vom Tatort. Eigentlich wollte die Polizei Klaus‘ Chip konfiszieren, aber mein Chef hat dem Kommissar einfach die Karte aus dem zweiten Slot gegeben. Manchmal ist mein Redaktionsleiter schon ein richtiger Fuchs!“ – „Wieso Fuchs? Ich denk, der heißt Wiesel.“ – „Anna, deine Witze waren schon mal besser. Da, guck: Da ist der Fundort der Leiche.“ Anna Brennt wirft einen Blick auf den Bildschirm. Dann wird sie blass . . .

Frau Domestos, war irgendjemand in den vergangenen Tagen in meinem Büro, als ich nicht da war?“ Stadtbaurat Dicker wirkt nervös, was sich Sabine Domestos gar nicht erklären kann. „Puh“, denkt sie nach. „Normalerweise lass ich natürlich niemanden in Ihr Zimmer, wenn Sie nicht da sind. Aber ab und zu bin ich ja selbst auch weg, wenn ich mal ‘rüber ins Rathaus muss. Letzte Tage stand Jo Krafft-Zich vor Ihrem Schreibtisch, als ich zurückkam. Er sagte, er habe die ergänzenden Unterlagen für das Parkhaus auf dem Alten Schlossplatz gebracht. Obwohl er die ja auch mir auf den Tisch hätte legen können.“ – „Und sonst?“ – „Karin Gervais. Die kam aus Ihrem Büro, als ich vorgestern aus dem Rathaus zurückkam und Sie in der Sitzung bei Tücke + Hops waren. Karin fühlte sich wohl ertappt, wurde richtig rot, als ich ins Zimmer kam. Sie habe Sie wegen der Alten Synagoge in Epe sprechen wollen und sei einfach in Ihr Büro gegangen, sagte sie. Aber wieso wollen Sie das denn wissen, Herr Dicker? Es ist doch nicht etwa etwas gestohlen worden?“ – „Nein, nein“, wiegelt Dicker ab. „Es kam mir noch so vor, als ob . . .“ murmelt er, geht zurück in sein Büro und schließt die Tür. „Seltsam“, denkt Sabine Domestos. „Da stimmt doch was nicht.“

Das ist doch bei der Rosskamp-Baustelle“, sagt Anna Brennt. „Mein Gott, Anneke ist da heute Nacht noch hergelaufen. Sie war beim Jungschützenfest. Wenn ich mir vorstelle, dass sich da ein Mörder herumgetrieben hat . . .“ Anna Brennt schaudert es bei dem Gedanken, dass ihrer Tochter etwas hätte passieren können. Doch ihr Bruder wird hellhörig. „Weißt du, wie spät sie nach Hause gekommen ist?“ – „Das war kurz vor halb drei. Ich bin wach geworden, als sie die Wohnungstür aufschloss und hab auf den Wecker geguckt.“ – „Halb drei, das könnte tatsächlich passen. Heinrich Burkane hat mir gesagt, dass das der wahrscheinliche Tatzeitpunkt ist. Ich muss Anneke sprechen. Ist sie zu Hause?“

Burg schnappt sich Wiesels Chip und den Stick mit den kopierten Dateien und düst zur Wohnung seiner Schwester. Er muss mehrfach klingeln, bis seine Nichte die Tür öffnet. Burg erschrickt, als er sie sieht: „Was ist los, Anneke? Du siehst ja aus wie ein Panda!“ Tatsächlich hat Anneke dunkle Ringe unter den Augen. „Ach Mist“, sagt sie. „Ich hab gerade Zwiebeln fürs Mittagessen geschnitten. Dabei musste ich schrecklich heulen – und jetzt ist mir die Schminke verschmiert. Was gibt’s denn, Martin?“ – „Hast du schon gehört, dass es heute Nacht einen Mord gegeben hat?“ – „Nee, wer ist denn ermordet worden.“ – „Josef Pfeifer. Der vom Heimatverein.“ – „Hmm, den kenn ich, glaube ich, nicht.“ – „Aber den Platz, wo er getötet worden ist, kennst du. An der Ecke Antonius-/Oststraße. Hast du zufällig jemanden gesehen, als du nach Hause gekommen bist?“ – „Du wirst es nicht glauben: Ich habe sogar drei Leute gesehen. Kurz nacheinander.“  

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