Sommerkrimi, Folge elf
Fragen Sie Ihren Arzt oder Minister

Auch Floristan Dornenstiel, der Leibwächter des Ministers, ist auf die Person aufmerksam geworden, die immer noch mit konstant hoher Geschwindigkeit auf Spark zuhält. Dornenstiel fällt auf, dass die Person sehr klein ist. Doch darüber lange nachzudenken, fehlt ihm die Zeit. „Halt!“, ruft er. „Bleiben Sie stehen!“ Keine Reaktion. Er hechtet nach vorne. Zieht gleichzeitig seine Waffe und schneidet dem Mann – ja jetzt sieht er es, dass es ein alter Mann ist – den Weg ab. Der Unbekannte bremst – und jetzt sieht der Leibwächter auch, warum der Mann so klein und schnell ist: Er sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Bei näherer Betrachtung droht wohl keine Gefahr: Der Mann ist mindestens 85 und wirkt etwas gebrechlich. „Was ist?“, fragt der Mann mit lauter Stimme. „Warum bedrohen Sie mich mit einer Pistole?“ – „Weil Sie direkt auf den Minister zugefahren sind und auf meinen Zuruf nicht reagiert haben!“ – „Was?“, ruft der Opa. „Können Sie bitte lauter sprechen? Ich bin ein bisschen schwerhörig.“ – Ein bisschen ist gut“, denkt der Leibwächter. „Was wollen Sie denn vom Minister?“, sagt er laut. – „Das will ich ihm selber sagen. Schließlich habe ich ihn ja auch gewählt.“ – „Na gut, dann kommen Sie“, sagt Dornenstiel und geleitet den Rollstuhlfahrer zum Minister. Spark beugt sich zu dem Senior: „Was kann ich für Sie tun?“ – „Herr Spark, Sie sind doch jetzt Gesundheitsminister. Da müssen Sie sich doch auskennen. Können Sie mir nicht etwas gegen meine schwache Blase empfehlen?“

Donnerstag, 16.08.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.08.2018, 20:00 Uhr
Was will der Mann im Rollstuhl vom Minister? Personenschützer Floristan Dornenstiel zieht die Waffe. Die Redakteure sprechen mit Martin Durst und tauschen anschließend Informationen mit den Kommissaren aus.
Was will der Mann im Rollstuhl vom Minister? Personenschützer Floristan Dornenstiel zieht die Waffe. Die Redakteure sprechen mit Martin Durst und tauschen anschließend Informationen mit den Kommissaren aus. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Burg und Wiesel haben sich inzwischen an Martin Durst herangepirscht. „Hi, Alter“, macht Wiesel einen auf Kumpel. „Was geht ab?“ – „Danke der Nachfrage“, erwidert Durst. „Bin ein bisschen müde. Hab‘ gestern bei Willy Tröner gefeiert. Der versteht es ja, ‘ne Party aufzuziehen!“ – „Aber so wahnsinnig lange bist du gar nicht geblieben, oder?“ – „Wieso? Halb drei etwa war ich in der Falle. Ganz so jung bin ich ja auch nicht mehr, dass ich jede Nacht durchtanze . . .“ – „Und du bist die Oststraße entlanggefahren?“, fragt Wiesel weiter. – „Ja, ist das verboten? Mann, ihr tut ja so, als ob ich mit dem Mord an Josef Pfeifer zu tun gehabt hätte. Wenn ihr mich verdächtigt, fragt mich doch direkt!“ – „Nun, du bist gesehen worden.“ – „Na und? Ich habe mich ja auch nicht versteckt. Hatte ich ja keinen Grund zu.“ – „Hast du denn jemanden in der Nähe des Tatorts bemerkt, als du da unterwegs warst?“ – „Nee, aber ich habe auch nicht drauf geachtet. Wollt ihr mir einen Strick daraus drehen, dass ich zufällig zu der Zeit, als der Mord passierte, am Tatort vorbeigefahren bin? Nicht mit mir, Jungs!“ Er lässt die beiden Redakteure stehen und wendet sich dem Minister zu: „Jens, wir müssen unbedingt über die Unterstützung unseres CDU-Bürgermeisterkandidaten reden“, hört Wiesel noch. Dann sind die beiden mit dem Pulk von Politikern, Medienvertretern und Lobbyisten verschwunden, der sich ins Innere des Agnes-Domizils schiebt.

„Was hältst du davon?“, fragt Wiesel. – „Ich fand seine Empörung glaubwürdig“, meint Burg. – „Wenn er doch wenigstens irgendetwas gesehen hätte, das uns weiterbringt,“ sagt Wiesel. „Aber da war ja nichts.“ – „Sollen wir ins Bauamt fahren und Jo Krafft-Zich auf den Zahn fühlen?“ – „Nee, ich muss erst Blösing finden. Der hat ja immer noch meinen Kamerachip mit den Schützenfestfotos. Die brauchen wir langsam, die Fotos müssen ins Netz geladen werden. Ich ruf Blösing an und frage, wo wir uns treffen können.“

Sein Handy klingelt, als Blösing gerade in seinen Wagen steigen will. Was er hört, steigert seine Stimmung nicht gerade: „Was? Du hast mir den falschen Chip gegeben? Gib zu, Wiesel: Das war ein abgekartetes Spiel. Ich verbiete dir, die Fotos zu veröffentlichen.“ – „Darfst du gar nicht. Übrigens: Wir haben zwischendurch einiges herausgekriegt. Wäre es nicht vielleicht an der Zeit, dass wir unsere Erkenntnisse teilen? Wir können uns doch treffen und Chips und Informationen austauschen. Wir kommen auch zu dir. Wo bist du?“ – Blösing denkt nach: Was können die Zeitungsfritzen schon herausgekriegt haben? Andererseits: In der Vergangenheit haben sie tatsächlich schon den ein oder anderen Hinweis gegeben, der ihn weitergebracht hat . . . „Na gut“, knurrt er. „Ich stehe an der Agnes-Kirche. Wir treffen uns am Amtshaus, okay?“

Wenige Minuten später sitzen sich Wiesel, Blösing und Burg im Amtshaus gegenüber. „Gib mir zuerst den Chip mit den Tatortfotos!“, fordert Blösing. – „Ach, Bert-Bodo“, sagt Wiesel. „Ich hab die Dateien schon längst kopiert. Die Beschlagnahmung war sowieso nicht rechtens. Also was soll das? Gib mir meinen Chip wieder und ich erzähl dir, was Martin und ich herausgefunden haben.“

Blösing setzt zu einer Erwiderung an – doch er wird unterbrochen. Manni Frühling hat das Amtshaus betreten und stürzt auf ihn zu. „Bert-Bodo, da bist du ja“, ruft er. „Es tut mir leid. Ich sage nie wieder, dass du dick bist. Lass uns wieder Freunde sein, ja?“ – Wiesel und Burg schauen sich entgeistert an. „Habt ihr ‘ne Ehekrise oder so?“, fragt Wiesel. – „Ach Quatsch.“ Blösing ist peinlich berührt. „Wir hatten lediglich einige Differenzen in der Wahrnehmung, was meinen Body Mass Index angeht.“ – „Hat Manni gemeint, du wärst zu dick?“, fragt Wiesel mit gespielter Empörung. „So’n Quatsch! Wenn jemand wohlproportioniert ist, dann bist du das“, schmiert er Blösing Honig um den Mund. – „Hör auf mit deinen falschen Schmeicheleien, darauf falle ich nicht rein“, sagt Blösing. Doch seine Körpersprache – er richtet sich gerade auf, seine Muskeln spannen sich an – verrät, dass er sich durchaus bestätigt fühlt. „Okay“, sagt er zu Frühling. „Entschuldigung angenommen.“ – Frühling wirkt erleichtert: „Du, ich habe gerade etwas Seltsames erlebt.“ – „Kannst du mir gleich erzählen. Jetzt will ich erst mal hören, was die beiden Zeitungsfritzen herausbekommen haben wollen. Wenn mich das bei meinen Ermittlungen weiterbringt, kriegst du auch den Chip wieder,“ sagt er an Wiesel gewandt. – „Okay“, fängt der an zu erzählen. „Wir wissen, dass sich etwa zur Tatzeit mindestens drei, wahrscheinlich sogar fünf Personen in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben: Martin Durst, Patrick Bördy und Jo Krafft-Zich. Außerdem näherte sich ein Radfahrer, und am Torfstecherdenkmal trieb sich eine weitere Person herum.“ – „Das ist mehr, als wir wussten“, sagt Frühling leutselig zu Blösing, der ihm einen vorwurfvollen Blick zuwirft. Frühling fährt fort: „Aber ich weiß auch was. Und ich glaub, das könnte wichtig sein.“ 

 

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