Wohnhaus von Urenco-Mitarbeiter durchsucht
Waffenteile in Anreicherungsanlage

Gronau -

Bei einer Sicherheitsüberprüfung innerhalb der Urananreicherungsanlage in Gronau sind bereits am vergangenen Sonntag offenbar im Spind eines 52-jährigen Mitarbeiters Waffenteile entdeckt worden. Die Urenco benachrichtigte die Polizei. Daraufhin hat die Polizei in dieser Woche die Wohnung des Mitarbeiters in Nordhorn durchsucht. Dort wurde eine erhebliche Menge an Waffen, vorwiegend Luftgewehre und -pistolen (4,5 und 6 Millimeter Kaliber) sowie ein Säbel, eine Armbrust und Waffennachbauten sichergestellt. Aber auch eine scharfe Schusswaffe wurde entdeckt – und Chemikalien.

Dienstag, 21.08.2018, 20:51 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 17.08.2018, 17:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 21.08.2018, 20:51 Uhr
Ein Mitarbeiter der Urenco hat Waffenteile in die hochgesicherte Urananreicherungsanlage gebracht.
Ein Mitarbeiter der Urenco hat Waffenteile in die hochgesicherte Urananreicherungsanlage gebracht. Foto: Jürgen Peperhowe

Wie Dr. Alexander Retemeyer, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Osnabrück, gegenüber den Westfälischen Nachrichten angab, befanden sich unter den Chemikalien Schwefel, Kaliumkarbonat und -nitrat, Aktivkohle und Magnesiumpulver. Mengenmäßig „im Kilobereich“. Aus diesen Stoffen kann Schwarzpulver hergestellt werden. Die Chemikalien seien nicht ordnungsgemäß gelagert worden, aber auch nicht gemischt gewesen.

Die Wände im Keller des Hauses hingen voller Waffen und Waffennachbildungen. „Es sieht ganz danach aus, dass es sich bei dem Mann um einen Waffennarren handelt“, so Retemeyer gegenüber den WN.

Der 52-Jährige sei mehrere Stunden lang vernommen worden. Es habe sich kein Hinweis darauf ergeben, dass der Nordhorner („Er trägt einen urdeutschen Namen“) terroristische Ziele verfolgt oder einen extremistischen Hintergrund habe. Der Staatsschutz sehe keinen Anhaltspunkt für einen politischen Hintergrund. Offenbar habe der Mann die Waffenteile mit in die Anlage gebracht, um sie mit der dort vorhandenen Gerätetechnik zu bearbeiten. Wie die Teile in die hochgesicherte Anlage gelangen konnten, ist nicht bekannt.

Die Urenco als Betreibergesellschaft bestätigte auf Anfrage, dass „einige nicht-autorisierte kleine Objekte“ auf dem Urenco-Werksgelände in Gronau gefunden worden seien. „Urenco hat unmittelbar eine interne Untersuchung gestartet, die Atomaufsichtsbehörde und die Polizei informiert. Urenco arbeitet vollumfänglich mit der Polizei zusammen.“ Für Mitarbeiter und die Sicherheit des Standortes habe keine Gefahr bestanden. Da es sich um eine laufende Untersuchung handelt, können das Unternehmen keine weiteren Informationen geben. Auch auf die Frage, ob die Sicherheitskonzepte überarbeitet werden müssten, wollte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantworten.

Auch das für die Landesatomaufsicht zuständige Ministerium für Wirtschaft und Energie lehnte „mit Rücksicht auf laufende polizeiliche Ermittlungen“ jegliche Stellungnahme ab.

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