Sommerkrimi, Folge 13
Ein Stadtbaurat sieht rot

Kommen Sie, Herr Brühfeld!“ Auf dem Parkplatz der Polizeiwache lässt Blösing den Festgenommenen aussteigen. Er verfrachtet ihn einer Zelle, wo er das Häufchen Elend zurücklässt. Dann winkt der Kommissar seinem Kollegen. „Was hältst du von der Sache?“ – „Ich weiß nicht“, sagt Frühling. „So wie Brühfeld den Hergang beschrieben hat, kann er nicht für Pfeifers Tod verantwortlich sein.“ – „Sehe ich genauso. Die Schläge haben den Kopf nicht getroffen, und auch beim Fall hat er sich nicht am Kopf verletzt.“ – „Außerdem“, ergänzt Frühling, „hat sich das ganze am Denkmal zugetragen. Wie ist Pfeifer dann über die Straße und hinters Haus an der Oststraße gekommen? Und die Blutflecken vor der Baustelle passen auch nicht ins Bild.“ – „Schön, dass wir derselben Meinung sind. Aber wer war es dann? Wer hat Pfeifer den tödlichen Schlag versetzt?“ – „Jo Krafft-Zich steht noch auf der Liste der Verdächtigen. Lass uns zum Bauamt fahren und uns ihn zur Brust nehmen.“ – „Burg und Wiesel sind bestimmt schon da. Und was machen wir mit Brühfeld?“ – „Ach, der soll erst mal noch ein Zeitchen in der Zelle schmoren. Wegen Körperverletzung muss er sich ja sowieso verantworten.“

Sonntag, 19.08.2018, 15:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 19.08.2018, 15:00 Uhr
Der Stadtbaurat tobt – während sich Mitarbeiter Jo Krafft-Zich vor ihm in Sicherheit zu bringen versucht.
Der Stadtbaurat tobt – während sich Mitarbeiter Jo Krafft-Zich vor ihm in Sicherheit zu bringen versucht. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Wenige Minuten später stellt Blösing seinen Wagen an der Grünstiege ab. Sie betreten die Rathaus-Nebenstelle. „Hörst du das auch?“, fragt Frühling. „Was ist das für ein Krach?“ Die beiden beschleunigen ihre Schritte. Vor dem Büro des Stadtbaurats – aber mit gehörigem Sicherheitsabstand zur Bürotür – hat sich ein Pulk von Mitarbeitern gebildet. Blösing und Frühling werfen einen Blick in den Raum: Sie sehen die beiden Redakteure Burg und Wiesel, die beruhigend auf einen tobenden Stadtbaurat einreden. Gegen wen sich der Wutausbruch Dickers richtet, sehen Blösing und Frühling, als sie den Raum betreten: Jo Krafft-Zich, der auf einen Büroschrank geklettert ist, um sich vor Dicker in Sicherheit zu bringen. Blösing konzentriert seine ganze Autorität in einem markerschütternden „Ruuuuheee!“ Tatsächlich lässt Dicker sich davon beeindrucken. Wiesel, Burg, Frühling, Sabine Domestos und die anderen Anwesenden auch.

Es ist auf einmal mucksmäuschenstill. „Und jetzt möchte ich wissen, was hier eigentlich los ist“, knurrt Blösing. Dicker atmet schwer: „Dieser Mensch“, und er zeigt mit dem Finger auf Krafft-Zich, „hat mein Vertrauen in schamloser Weise missbraucht. Er hat einen Diebstahl begangen und ist an Dienstgeheimnisse gelangt, die nicht für seine Augen bestimmt waren.“ – „Was sind das für Geheimnisse?“ – „Das werde ich Ihnen doch nicht auf die Nase binden“, keucht Dicker. „Geheimnisse, die Sie nichts angehen. Deshalb sind es doch Geheimnisse.“ – „Herr Dicker, ich habe ja Verständnis“, sagt Blösing. „Aber ich ermittele in einem Mordfall. Auch Herr Krafft-Zich steht auf unserer Liste der möglicherweise Beteiligten. Daher will ich wissen, was das für ein Geheimnis ist. Ich schicke jetzt alle aus dem Büro, die hier nichts zu suchen haben.“ Er komplementiert den heftig protestierenden Wiesel und Burg aus dem Raum und schließt hinter ihnen die Tür.

„Jetzt raus mit der Sprache!“ – „Ich habe eine Gesprächsnotiz aus Herrn Dickers Schreibtisch mitgehen lassen“, bekennt Krafft-Zich kleinlaut, der immer noch mit eingezogenen Beinen auf dem Schrank sitzt. „Es tut mir ja leid. Ich habe Herrn Dicker den Diebstahl gestanden und die Notiz zurückgebracht. Ich hatte sowieso Gewissensbisse und rechnete jederzeit mit meiner Festnahme.“ – „Und worum geht es bei der Notiz?“, lässt Blösing nicht locker. – „Um eine Absprache zwischen dem Stadtbaurat und Josef Pfeifer“, sagt Krafft-Zich, während Dicker ihm Blicke zuwirft, die einen weniger zart Besaiteten töten könnten. „Pfeifer?“, horcht Frühling auf. – „Ja“, gibt Dicker zu. „Ich hatte mit ihm ein Arrangement geschlossen. Er sollte dafür sorgen, dass der Heimatverein den Antrag auf Unterschutzstellung für das Haus an der Oststraße zurückzieht. Dafür habe ich ihm versprochen, dass ich mich für den Wiederaufbau des Ackerbürgerhauses einsetze. Mehr sage ich dazu nicht.“ – „Und Sie, Herr Krafft-Zich, was haben Sie sich von dem Wissen um diese Absprachen versprochen?“ – „Ich habe gar nicht nachgedacht. Ich war vorgestern in diesem Raum, um Herrn Dicker Unterlagen auf den Tisch zu legen. Da fiel mir auf, dass die Schublade nicht abgeschlossen war, hab sie einfach aufgemacht und die Notiz eingesteckt. Ich dachte zuerst, ich könnte mir mit dem Wissen einen Vorteil verschaffen bei der nächsten Beförderung. Aber kaum war ich wieder in meinem Büro, hab ich gemerkt dass das eine blöde Schnapsidee ist. Und als dann heute auch noch Pfeifer ermordet wurde . . .“ – „Und was haben Sie heute Nacht am Tatort zu suchen gehabt?“ unterbricht Blösing den Redefluss Krafft-Zichs.

Die Überrumpelungstaktik hat Erfolg. Dem Fachdienstleiter entgleisen die Gesichtszüge: „Woher wissen Sie das?“ – „Eine Zeugin hat Sie gesehen.“ – „Aber ich habe mit dem Tod Pfeifers nichts zu tun“, beteuert er. „Es war purer Zufall, dass ich da gelandet bin.“ – „Ach ja?“, meint Blösing. – „Ja“, bekräftigt Krafft-Zich. „Ich hatte meiner Nichte Bärbel versprochen, sie vom Flughafen in Düsseldorf abzuholen. Nur hatte die Maschine Verspätung, so dass wir erst um zwei Uhr in Epe waren. Und wie’s der Teufel will, springt mein Auto nicht mehr an, nachdem ich sie zu Hause abgesetzt hatte. Wo sollte ich um die Zeit einen Mechaniker herkriegen? Also hab ich mir gedacht, gehste eben zu Fuß, es ist eine laue Sommernacht, und die paar Kilometer an der frischen Luft tun mir gut.“

– „Und an der Rosskamp-Baustelle haben Sie dann Pfeifer getroffen . . .“ – „Stimmt nicht! Als ich da entlang ging, habe ich eine junge Frau auf der anderen Straßenseite bemerkt, und auf der Oststraße war ein Radfahrer unterwegs. Ich bin nach Hause gelaufen und lag eine Stunde später im Bett.“ – „Und schliefen den Schlaf des Gerechten“, sagt Frühling. „Nein. Wegen der Sache mit der geklauten Gesprächsnotiz habe ich kein Auge zugetan. Ich hatte ein schrecklich schlechtes Gewissen.“

 

 

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5981939?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Unbekannte zündeln in leerstehendem Haus
Feuerwehreinsatz: Unbekannte zündeln in leerstehendem Haus
Nachrichten-Ticker