Franz-Josef Kahlen engagiert sich in der Landeselternschaft Gymnasien
Sorge um die Zukunft der Kinder

Gronau -

Den Gronauer Franz-Josef Kahlen treibt eine Sorge um: dass die Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen im nationalen und internationalen Vergleich in wichtigen Bereichen den Anschluss verpassen könnten. Personal und Räume fehlen, in der Digitalisierung hinkt NRW fortschrittlichen Ländern wie Estland hinterher. Kahlen belässt es jedoch nicht beim Klagen: Der Vater von vier Kindern engagiert sich vielmehr in der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW. Seit drei Monaten ist er dort Vorstandsmitglied.

Sonntag, 26.08.2018, 17:32 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 26.08.2018, 09:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 26.08.2018, 17:32 Uhr
Franz-Josef Kahlen
Franz-Josef Kahlen

Die Landeselternschaft hat durchaus Einfluss auf die Schulpolitik im Land: „Sie war der Motor bei der Rückkehr zu G9 an Gymnasien“, sagt Kahlen . Diese Umstellung ist nun zwar in trockenen Tüchern, doch: „Der Bedarf an Personal und Räumen ist immens. Die Umstellung kostet landesweit laut Prognosen 518 Millionen Euro. Und es gibt Berechnungen, die von weit höheren Ausgaben ausgehen“, sagt Kahlen.

Dabei ist die Personalsituation an der gymnasialen Oberstufe noch vergleichsweise gut. Die Versorgungsprobleme zeigen sich noch stärker in den Grundschulen, wo landesweit in den nächsten Jahren rund 5000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen, so Kahlen. „Den Gymnasien kann es nicht gut gehen, wenn es den anderen Schulformen schlecht geht.“ Die personelle Not ist tendenziell im „ländlichen Zonenrandgebiet“ – wie Kahlen es nennt – noch größer als in Großstädten. Die Folge: Unterrichtsausfall.

Franz-Josef Kahlens berufliches Schwerpunktthema ist seit über zehn Jahren die Qualifikation von technischem Personal und Ingenieuren für die Projektarbeit in multidisziplinären Teams. Seine besondere Aufmerksamkeit in der Landeselternschaft gilt den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und der Digitalisierung der Schulen. In dem Bereich sieht er deutlichen Nachholbedarf: „In den meisten Fastfood-Läden gibt es besseres Internet als in Schulen.“ Dabei sind die Gelder vorhanden. „Aber bei den Schulträgern fehlt oft Personal, die Computer auch zu installieren. Die Eltern müssen vor Ort aktiv werden; die Landeselternschaft unterstützt dabei sehr gerne.“

Gronau ist dabei seiner Aussage nach gut aufgestellt, was Equipment und Vernetzung angeht. „Auch wenn es natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten gibt, z.B. bei der Besetzung der Schulleiterposition am Gronauer Werner-von-Siemens Gymnasium.“ Fakt ist, dass an Gymnasien im Land praktisch im Regelfall Aufgaben an den Informatiklehrern (oder oft einfach den Lehrern, die sich bereit erklären) hängen bleiben: Sie sollen Server installieren, Leitungen ziehen, Benutzerverwaltungen und User-Accounts einrichten – und das zusätzlich zu den pädagogischen Aufgaben.

Doch mit der Ausstattung allein ist es nicht getan. Kahlen: „Wir müssen uns die Frage stellen, wie sich die Gymnasien aufstellen. Wie ist das Umfeld, in dem sie operieren? Die Landeselternschaft fordert mehr Wissen und Inhalte und weniger Kompetenzorientierung.“

Gleichzeitig suchen Unternehmen in den wissenschaftlich-technischen Branchen nach Nachwuchs. Aber „in der sechsten und siebten Klasse verlieren wir sehr viele Mädchen in den Mint-Fächern. Das hat später zur Folge, dass nur rund 15 Prozent der Studierenden in den Ingenieurfächern Frauen sind.“ Kahlen will sich dafür stark machen, dass dieser Anteil wächst. Auch Mittelstand und Industrie sind hier gefordert, ihren Beitrag zu leisten.

Zudem sieht er die Notwendigkeit, den Mint-Fächern einen höheren Stellenwert bis zum Abitur einzuräumen. „Leistungskurskombinationen wie Biologie und Chemie sind derzeit nicht möglich. Und Informatik muss schon in der Mittelstufe ein eigenständiges Fach an allen Gymnasien sein und regelmäßig Abiturfach (auch als Leistungskurs) sein können. Da muss sich etwas ändern.“

Bei einer Klausurtagung wird sich die Landeselternschaft unter anderem mit den Kernlehrplänen an den Gymnasien beschäftigen. Kahlen plädiert für eine Wochenstunde mehr Mathematik ab Klasse fünf. „Wir haben als Landeselternschaft die Möglichkeit, Änderungen zu bewirken“, ist er optimistisch. So will er darauf dringen, dass die Zentralprüfung nach Klasse zehn für Gymnasiasten wegfällt. „Es ist eine Ungleichbehandlung gegenüber den G9-Schülern, dass die G8-Schüler diese Prüfung nicht ablegen müssen.“ Eine Versetzung in die 11. Klasse bedeute nach neuer Planung für die G8-Gymnasialschüler schließlich den Erwerb der mittleren Reife bzw. des mittleren Bildungsabschlusses, ohne Zusatzprüfung.

Weiteres Thema: die zweite Fremdsprache in der sechsten Klasse. Die Elternschaft hält aus pädagogischen Gründen den Start ab Klasse sieben für sinnvoll. Dabei müsse aber beachtet werden, dass in vielen anderen Bundesländern die zweite Fremdsprache nach wie vor ab Klasse sechs unterrichtet wird. Der Umzug in ein anderes Bundesland für die NRW-Schüler könnte schwieriger werden.

Ob Inklusion oder Qualitätssicherung des Unterrichts – eines scheint sicher: Die Themen werden den Eltern-Vertretern nicht ausgehen.

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