Ordnungspartnerschaft für Gronauer Bahnhof geplant
„Leipzig-Effekt“ als großes Vorbild

Gronau -

Die Stadt sagt dem Müll den Kampf an! Der Hauptausschuss brachte am Mittwochabend gleich zwei Projekte auf den Weg, um dieses Ziel zu erreichen. So soll die Verwaltung ein Konzept erarbeiten, wie wilde Müllablagerungen an den Standorten der Papier- und Glascontainer verhindert werden können. In Sachen Sauberkeit auf und rund um den Bahnhof will die Stadt eine Ordnungspartnerschaft mit der Bahn auf die Schiene setzen.

Freitag, 14.09.2018, 12:06 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 14.09.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 14.09.2018, 12:06 Uhr
Der Gronauer Bahnhof: Stadt und Bahn wollen zu Beginn des Jahres eine Ordnungspartnerschaft bilden, um die Sauberkeit und die Sicherheuit zu verbessern.
Der Gronauer Bahnhof: Stadt und Bahn wollen zu Beginn des Jahres eine Ordnungspartnerschaft bilden, um die Sauberkeit und die Sicherheuit zu verbessern. Foto: Klaus Wiedau

Der Idealzustand wäre der „Leipzig-Effekt“. Dort ist der Bahnhof immer blitzblank. Warum? „Weil er immer sauber war und sich deshalb keiner traut, dort Dreck fallen zu lassen!“, wie Michael Jansen sagt. Der Leiter des Bahnhofsmanagements Münster war am Mittwoch mit seinem Kollegen Metin Sönmez (Arbeitsgebietsleiter Operation) im Hauptausschuss zu Gast. Das Thema: Sauberkeit auf dem Gronauer Bahnhof.

Vom „Leipzig-Effekt“ ist Gronau weit entfernt. Doch das soll sich ändern. Stadt und Bahn wollen zu Beginn des neuen Jahres mit weiteren Beteiligten (Ordnungsamt, Bundespolizei, DB-Sicherheitsdienst und anderen Partnern) eine Ordnungspartnerschaft auf den Weg bringen.

58 Bahnhöfe im Münsterland noch nicht modernisiert

Jansen machte zuvor deutlich, für welchen Bereich die DB Station und Service AG zuständig ist und was sie leistet. Gronau ist demnach einer von 72 Bahnhöfen im Münsterland, die von Jansen und seinem Team betreut werden. „Wir haben in Gronau das Glück, dass der Bahnhof komplett modernisiert wurde. Das ist bei 58 anderen Bahnhöfen noch lange nicht so.“ Jansen sprach insofern von einer „schönen Verkehrsstation“. Der Bahn sei es daher wichtig, „diese relativ neue Station sauber zu halten“.

Der Grenzbahnhof sei täglich auch Treffpunkt für viele Menschen. Ein Großteil des Mülls werden dabei von Besuchern verursacht, die nicht Kunden der Bahn seien. Das Müllaufkommen, so Jansen weiter, beschere der Bahn in Gronau zwar einen extremen Aufwand, aber: „Aus objektiver Betrachtung der Bahnhöfe, für die ich zuständig bin, bestätige ich aus Sicht der Bahn, dass dieser Bahnhof nicht extrem verunreinigt ist.“

Bahnhof nachts offen

Der eigentliche Bahnhofsbereich umfasst nach seinen Worten „zwei Treppen, den Aufzug, die Bahnsteige und die Gleise“ – auch wenn der normale Reisende natürlich auch alles Drumherum als Bahnhof wahrnehme. Der Gronauer Bahnhof sei eine öffentliche Station, die nachts nicht abgeschlossen werde. Jansen: „In Ibbenbüren schließen wir den Bahnhof inzwischen abends ab, weil wir ihn sonst morgens nicht wiedererkennten.“ Die auch in Gronau festzustellende Zunahme des Abfalls auf dem Bahnhof – insbesondere an den Wochenenden – passe in den allgemeinen Trend hin zur Vermüllungsgesellschaft.

KMW_9715

Die Bahnsteige sind täglich eine Treffpunkt für viele Menschen. Und nicht alle entsorgen ihren Müll so, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte. Foto: Klaus Wiedau

Laut Hausordnung ist der Bahnhof (wie alle anderen auch) rauchfrei, für jede fallengelassene Kippe sind demnach eigentlich 60 Euro fällig. Um das durchzusetzen müsste aber eine kontinuierliche Bestreifung rund um die Uhr erfolgen – das sei mit Blick auf Personal und Geld indes nicht zu schaffen.

Drei Mal die Woche Grobreinigung

Eine Grobreinigung des Bahnhofs findet nach Jansens Worten drei Mal die Woche statt, hinzu kommt ein Mal im Monat eine Feinreinigung. Bei einer normalen Verschmutzung reiche ein solcher Reinigungsturnus. Aus diesem Intervall und dem zur Verfügung stehenden Budget (für Gronau jährliche eine fünfstellige Summe) ergebe sich die Kategorie, in die ein Bahnhof falle. Großbahnhöfe wie der Kölner Hauptbahnhof seien Kategorie eins, Gronau falle in die Kategorie fünf (von insgesamt sechs).

Wenn in Gronau in Sachen Reinigung und Sicherheit des Bahnhofsumfeldes mehr gewollt sei, so Jansen, müsse über eine Ordnungspartnerschaft zwischen Stadt, Bahn und weiteren Partnern geredet werden.

Vandalismus legt Aufzug lahm

Diese Idee fand im Ausschuss allgemein Anklang. Gleichwohl gab es auch Kritik – unter anderem von Norbert Ricking (SPD) – am Zustand der Infrastruktur (wochenlang kaputte Mülleimer, defekter Aufzug). Jansen sagte bei den Mülleimern Abhilfe und, wenn nötig, Ergänzung zu. Beim Aufzug verwies er auf Vandalismusschäden, für deren Reparatur oft Ersatzteile angefordert werden müssten.

Jörg von Borczyskowski (UWG) forderte mit Blick auf die Durchsetzung des Hausrechts und einer möglichen Bedrohung von Kontrolleuren vor Ort dazu auf, „die Rechtsstaatlichkeit auf unseren Bahnsteigen herzustellen“. Wenn dafür – auf Seiten der Stadt – Personal erforderlich sei, müsse darüber geredet werden. Bürgermeisterin Sonja Jürgens verwies auf die guten Erfahrungen mit anderen Ordnungspartnerschaften. Auch Michael Jansen betonte, dass die Bahn über diesen Weg in anderen Städten „gute Erfolge“ vorweisen könne, „wenn beide das ernsthaft wollen“. Jansen: „Dann sind wir nicht mehr alleine und gehen das Ganze von zwei Seiten an.“

Genau diese Zusammenarbeit soll jetzt auf die Schiene gesetzt werden.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6048079?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Prognose: Konservative mit absoluter Mehrheit im Parlament
Boris Johnson verlässt mit seinem Hund Dilyn ein Wahllokal in London.
Nachrichten-Ticker