Großküche trifft Geschmack von Altenheim-Bewohnern
Von Struwen bis Schweinebraten

Gronau -

Emmi Zoels ist begeistert. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt sie „dass das so gut ist.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Herman und Anni Raß sitzt die 80-Jährige bei Tisch. Im St.-Antonius-Stift ist Mittagszeit. Das heißt für das Ehepaar Zoels, ihre Tischgenossin und alle anderen Mitbewohner: Es gibt lecker Essen.

Donnerstag, 20.09.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 08:00 Uhr
Anni Raß (89) genießt nicht beim Mittagessen im St.-Antonius-Stift nur ihr Cordon Bleu, sondern auch die Tischgesellschaft von Emmi und Herman Zoels (80/88). Die beiden mögen besonders gern das überbackene Reibeplätzchen. „Das bestelle ich mir jedes Mal, wenn es auf dem Menü steht“, so der Senior.
Anni Raß (89) genießt nicht beim Mittagessen im St.-Antonius-Stift nur ihr Cordon Bleu, sondern auch die Tischgesellschaft von Emmi und Herman Zoels (80/88). Die beiden mögen besonders gern das überbackene Reibeplätzchen. „Das bestelle ich mir jedes Mal, wenn es auf dem Menü steht“, so der Senior. Foto: Nitsche

Emmi Zoels und ihr Mann lassen sich heute das überbackene Reibeplätzchen schmecken, ihr Gegenüber das Cordon Bleu. Jeden Tag gibt es drei Menüs zur Auswahl, grundsätzlich eines davon vegetarisch. „Einzelne Komponenten können aber auch untereinander gemischt werden“, erklärt Frank Lammers.

Frank Lammers ist Küchenleiter im benachbarten St.-Antonius-Hospital, dem „Mutterhaus“ des Stifts. Bei Lammers in der Küche wird nicht nur das Essen für den täglichen Bedarf in der Klinik gekocht, sondern auch für die vier Seniorenzentren, die zum Klinikverbund gehören sowie für das Café Vita im Haus, für „Essen auf Rädern“ und einige Kindergärten. Ohne gute Planung ist das nicht machbar. Und ohne entsprechendes Team auch nicht. Inklusive Hol- und Bringedienst sind 90 Mitarbeiter damit beschäftigt, täglich 1200 Portionen an den Mann und die Frau zu bringen. In der Küche sind es allein 70. „Die Nachfrage bestimmt die Planung“, erklärt der 54-Jährige.

Dabei sind für Senioren ganz eigene Kriterien zu beachten. „Was alte Menschen nicht mögen, sind vollgepackte Teller“, weiß Wolfgang Averbeck. Der Hausleiter im Antonius-Stift hat nicht nur die physiologischen Bedürfnisse seiner Bewohner im Blick. „Bei uns gibt es jeden Tag eine frische Suppe“, erklärt er. „Das ist etwas, was die Bewohner immer gern mögen.“ Und wenn der erste Frost kommt, gibt es selbstverständlich „Moos“, also Grünkohl.

„Wenn es im Krankenhaus Gyros gäbe, bräuchten wir das hier nicht anzubieten“, lacht Averbeck. Er kennt den Geschmack seiner Bewohner. „Aber wenn an Ostern Struwen gebacken werden oder wenn frischer Pfannkuchen gemacht wird und die Gerüche durchs Haus gehen“, so Averbeck, „dann werden alle ganz munter.“

Dass Essen für Leib und Seele gleichermaßen wichtig ist, wissen beide. Darum wird der Bewohnerbeirat in die Menüplanung mit einbezogen. Alle drei Monate trifft man sich, um einen Sechs-Wochen-Plan zu besprechen, der auch auf saisonale Küche Rücksicht nimmt.

Berücksichtigt wird außerdem, wie der Mensch in seinem bisherigen Leben gegessen hat. „Das wird im Biografie-Gespräch zum Einzug eruiert“, erklärt Averbeck. Lammers ergänzt: „Eventuell muss sogar ein Essprotokoll geführt werden.“ Schließlich soll jemand, der vorher wie ein Vögelchen gegessen hat, nicht gemästet werden – und umgekehrt. Wenn allerdings droht, dass jemand nicht genügend Energie selbstständig zu sich nimmt, wird reagiert. „Wir haben die Möglichkeit, das Essen hochkalorisch anzureichern“, so Lammers.

Mundgerechte Portionen, Schöpfgerichte wie Eintöpfe oder Geschnetzeltes stehen hoch im Kurs bei den Senioren. Aber auch der traditionelle Schweinebraten hat bei den meisten früher einen festen Platz auf dem Speiseplan gehabt. Darauf soll niemand verzichten müssen, selbst wenn das Essen schwerfällt. Lammers: „Jemand, der passiertes Essen bekommt, möchte den gleichen Schweinebraten essen wie alle anderen.“ Und er möchte auch den gleichen Geschmack. „Dafür sorgen wir.“

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