SGW sieht keine Schäden
Die Folgen der Bergsenkungen

Gronau -

Der Salzabbau unter dem Amtsvenn in Epe hat Bodensenkungen zur Folge. Das ist unstrittig. Doch sind die Bewegungen derart, dass sie Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur in dem Bereich verursachen? Stefan Meyer, Marktscheider bei der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW), verneint das. Am Dienstagabend stellte er im Fachausschuss die Ergebnisse der Vermessungen vor, die die SGW durchführt.

Donnerstag, 27.09.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 27.09.2018, 07:00 Uhr
In diesem Bereich des Amtsvenns in der Nähe des Kleinen Venndieks ist das Gelände am stärksten abgesenkt.
In diesem Bereich des Amtsvenns in der Nähe des Kleinen Venndieks ist das Gelände am stärksten abgesenkt. Foto: Martin Borck

Die Höhenbeobachtung bei Kavernenfeldern erfolgt seit den 1970er-Jahren jährlich. Über 800 Messpunkte sind vorhanden. Die Ergebnisse werden in eine Karte eingetragen. Die Punkte mit gleichen Werten werden mit Linien verbunden. Im Kerngebiet, so wird deutlich, ist das Gelände um 75 Zentimeter eingesackt.

Die etwa 120 Hausbesitzer im Einwirkungsbereich der SGW können Bolzen an ihren Häusern anbringen lassen. Im Schadensfall lässt sich so schneller beurteilen, ob Bodenbewegungen eine Rolle gespielt haben. 80 Eigentümer haben davon bislang Gebrauch gemacht. Durch Nivellement (Messung von Höhenunterschieden) und Fotodokumentation ließen sich gebäudescharfe Aussagen machen, so Meyer.

Die SGW kommt für etwaige Schäden auf, beteuerte er. Doch bislang hat es ihm zufolge keine Gebäudebergschäden gegeben. Grund: Die gemessenen Bewegungen sind zu gering, als dass sie Schäden auslösen würden. Die Schieflage beträgt im extremsten Fall 0,7 Millimeter pro Meter. Die Grenzwerte für zulässige Objektbeanspruchungen liegen aber für städtische Bebauung, Bahngleise und Rohrleitungen bei 5,0 Millimeter pro Meter. „Die bei uns gemessenen Werte liegen dagegen im Bereich der Objektkategorie 0 – die gilt für historische Bauwerke, Chemieanlagen und Kraftwerke.“

Auch für die Wasser- und Bodenverbände sind die Bewegungen relevant. Ändern sich die Gefälle der Gewässer? Kommt es zu Vernässungen von Flächen? Gibt es Auswirkungen für den Hochwasserschutz?

Seit 1989 führt die SGW ein freiwilliges Grundwasser-Monitoring durch. Es gibt 90 Messstellen. Die Messungen erlauben Rückschlüsse auf die Entwicklung des Flurabstands (Höhenunterschied zwischen der Erdoberfläche und einer Grundwasseroberfläche). Das Fazit, so Meyer: Die Wirkung der Bodensenkung wird durch andere Effekte wie Naturschutzmaßnahmen oder Flächendrainage überlagert. Die Auswertung der Grundwasserpegel hätten ergeben: „Solange die Vorfluter ausreichend Gefälle haben, sind keine Vernässungen zu erwarten“, so Meyer. Auch beim Hochwasserschutz sah Meyer keine akuten Gefahren. Es wird derzeit ein Oberflächen- und Grundwassermodell erstellt, um langfristige Prognosen abgeben zu können, welchen Einfluss der Bergbau hat.

Die Ausschussmitglieder hakten vor allem bei der Frage nach Entschädigungen bei Bauschäden nach. „Wie sieht es mit der Verjährung aus?“, fragte Jörg Lenz (SPD). Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch seien das 30 Jahre nach Eintritt des „auslösenden Moments“ so Meyer. Das wäre der Beginn der Solung der Kaverne – und somit wäre die Frist schon abgelaufen. „Doch auf diese Frist bezieht sich kein einziges Unternehmen“, beteuerte Meyer. Die SGW habe Rückstellungen und werde auch weit über die Fristen hinaus für Bergschäden zahlen, jedes im Kavernenfeld tätige Unternehmen – also auch die Betreiber der Gas- und Ölspeicher – sei haftbar. Außerdem gebe es den Bergschadensfonds.

Mit der Antwort gaben sich die Politiker und auch Stadtbaurat Frank Vetter nicht zufrieden. Was, wenn irgendwann die SGW nicht mehr existieren sollte? „Dann bleiben die Betroffenen doch auf den Schäden sitzen“, so Josef Krefter (CDU). Wie hoch sind die Rückstellungen? Was ist mit den sogenannten Ewigkeitslasten? Fragen, die der SWG-Mitarbeiter ad hoc nicht beantworten konnte. Die Verwaltung wurde beauftragt, sie mit der SGW zu klären – auch die der Verjährungsfristen.

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