Hilfsdienste präsentieren sich
Gemeinsam für die Sicherheit in der Region

Gronau/Enschede -

Rettungs- und Notfallsanitäter sind ja immer im Dienst. Auch am Feiertag, und auch im Ausland: Deutsche und niederländische Polizei und Feuerwehr präsentieren sich am Mittwoch gemeinsam auf dem Oude Markt in Enschede. Dirk Hüsseler und Nicole Bollengrafen haben ihren Rettungswagen ebenfalls dort abgestellt. Kaum steht das Fahrzeug, kommt ein junger Mann auf Hüsseler zu. Seine Hand blutet. Ob der Sanitäter ein Pflaster hat. Hat er – und der junge Mann wird schnell „verarztet“.

Freitag, 05.10.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 05.10.2018, 06:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 05.10.2018, 06:30 Uhr
Feuerwehrautos aus Gronau und Enschede auf dem Oude Markt – das interessierte nicht nur Kinder.    
Feuerwehrautos aus Gronau und Enschede auf dem Oude Markt – das interessierte nicht nur Kinder.     Foto: Martin Borck

Die „Blaulicht“-Fahrzeuge ziehen die Blicke der Passanten auf sich. Am Tag der Einheit sind auch tausende Deutsche unterwegs. Kinder – ganz gleich ob aus dem Münsterland oder aus Twente – kriegen große Augen, als die Feuerwehrleute und Polizisten sie einladen, sich mal in die Fahrzeuge zu setzen.

Mit der gemeinsamen Präsentation wollen die Einsatzkräfte zeigen, dass für sie grenzüberschreitende Zusammenarbeit schon lange alltäglich ist. „Wir kennen einander“, sagt Peter Ruckdeschel , Leiter Bezirksdienst der Polizei Gronau. Der kurze Draht zu den Kollegen jenseits der Grenze vereinfacht die Zusammenarbeit ungemein. „Da hat sich inzwischen großes Vertrauen aufgebaut.“

Während Polizisten aus Twente mit ihren Gronauer Kollegen beim Karnevalsumzug in Gronau Streife laufen, sind umgekehrt immer wieder mal auch Polizisten der hiesigen Wache auf dem Enscheder Markt unterwegs. Aber auch in brenzligen Situationen hat sich die Zusammenarbeit bewährt: „Als vor zwei Jahren eine Gruppe auf der Bahnhofstraße aggressiv wurde, haben wir die deutschen Kollegen unterstützt“, erzählt Harry Zonder , Teamchef der Politie in Enschede. Ruckdeschel ergänzt: „Das ist heute auch rechtlich kein Problem mehr. Die Kollegen werden uns unterstellt.“

Doch noch stößt die Kooperation an Grenzen: „Vor drei Wochen haben Kollegen einen in den Niederlanden per Haftbefehl Gesuchten in Gronau entdeckt. Doch weder deutsche noch niederländische Polizei konnte ihn festnehmen, da kein internationaler Haftbefehl vorlag.“

Nebenan sind die Gronauer Feuerwehrleute Torsten Wienströer, Jürgen Alies, Tim Seipel und Mark Dammann von ihren Enscheder Kollegen herzlich begrüßt worden. Auch bei den Brandbekämpfern sind Einsätze im jeweiligen Nachbarland Routine. Außerdem finden einmal jährlich gemeinsame Übungen statt. Wie klappt es dabei mit der Verständigung? „Das funktioniert. Bei den Holländern ist immer jemand, der Deutsch spricht, und Niederländisch verstehen wir ja zumindest fast alle.“

Seit der Feuerwehrkatastrophe in Enschede im Mai 2000 hat sich die Zusammenarbeit vertieft – auch qualitativ. Es gibt ein deutsch-niederländisches Wörterbuch mit Fachbegriffen, gemeinsame Karten und Pläne, in denen gefährliche Stellen (wie zum Beispiel unterirdische Brennstofftanks) markiert sind. Die Zusammenarbeit wird immer professioneller.

Darüber freut sich auch Dirk Hüsseler. „Dass wir Patienten aus Deutschland gegebenenfalls auch ins Medisch Spectrum nach Enschede bringen können, ist klasse“, sagt er. Das Krankenhaus mit seinem Traumazentrum und der Kinderstation bietet Möglichkeiten, für die die Retter auf deutscher Seite nach Münster, Nordhorn oder Coesfeld fahren müssten. „Enschede ist schneller erreichbar. Zuvor musste erst geklärt werden, ob wir in den Niederlanden mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sein dürfen.“ Und? Dürfen sie? „Ja, wir dürfen in Enschede sogar die Busspuren benutzen.“

Auch Notfallpatienten in niederländischen Grenzorten profitieren von der guten Kooperation. Die Gronauer Rettungskräfte sind dort häufig im Einsatz. Weil sie einfach näher dran sind als die Kollegen.

Unterschiede gibt es nach wie vor. „In Notfällen kommt bei uns in Deutschland zusätzlich zu uns auch ein Notarzt. Das ist in Holland nicht so. Die Rettungssanitäter dürfen dort mehr. Sie haben aber auch eine doppelt so lange Ausbildung wie die Rettungssanitäter hier, sagt Nicole Bollengrafen. Mit der – relativ neuen – Ausbildung zum Notfallsanitäter gleicht sich die Situation an.

Was Bollengrafen und Hüsseler in Holland vorbildlich und nachahmenswert finden, ist die Alarmierung von ehrenamtlichen Erste-Hilfe-Kräften. Die sind bei den Leitstellen registriert und können beispielsweise bei einem Herzstillstand in der Nachbarschaft alarmiert werden. Sie können mit der Reanimierung beginnen, bis die professionellen Kräfte eintreffen. „Vor einiger Zeit hatten wir einen Einsatz. Ohne das schnelle Eingreifen der Ersthelfer hätte der Patient nicht überlebt.“

Dass Streifenwagen aus Gronau auch in Enschede unterwegs sind, ist zwar nicht alltäglich, aber auch nichts Ungewöhnliches mehr.

Dass Streifenwagen aus Gronau auch in Enschede unterwegs sind, ist zwar nicht alltäglich, aber auch nichts Ungewöhnliches mehr. Foto: Martin Borck

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