Symphonieorchester Rheine verzaubert seine Zuhörer mit allen Registern
Romantische Bilderfluten

Gronau -

Es beginnt verhalten. Sanft, wie ein junger Bergbach, plätschern die ersten Takte von Gabriel Faurés Pavane in fis-Moll ins Gehör der etwa 250 Menschen, die dem Symphonieorchester Rheine lauschen. „Romantischer Herbst“ heißt das Programm, mit dem das Orchester nach Epe gekommen ist. Dass die Bilder, die sich unweigerlich vor dem inneren Auge einstellen, eher sommerlich wirken, mag an den außergewöhnlichen Außentemperaturen liegen. Sicher aber verdankt dieser Sonntagabend die frohe Grundstimmung im Kirchenschiff von St. Agatha auch dem Ensemble und der Führung seines Dirigenten Hartmuth Blumenroth.

Dienstag, 09.10.2018, 12:33 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 09.10.2018, 09:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 09.10.2018, 12:33 Uhr
Hartmuth Blumenroth leitete das Symphonieorchester Rheine mit Körpereinsatz. 250 Zuhörer ließen sich begeistern (kl. Foto).
Hartmuth Blumenroth leitete das Symphonieorchester Rheine mit Körpereinsatz. 250 Zuhörer ließen sich begeistern (kl. Foto). Foto: Nitsche

Romantik und Naturerleben gehören untrennbar zusammen wie die Jahreszeiten. So entstehen beim Zuhören ganz natürlich Luftbilder einer Reise durch Berge und Wälder im Kopf. Dazu muss man nicht erst wissen, dass Gabriel Fauré ein Kind der Berge war. Der 1845 geborene Organist und Komponist wuchs am Fuß der Pyrenäen auf. Und obwohl die Pavane als Reminiszenz an den höfischen Tanz gedacht ist, stellen sich spätsommerliche Luftbilder ein im Kopf.

Mal zieht die Zuhörer der Klang von Hörnern in die Wälder, mal schraubt sich der Blick mitsamt der trillernden Querflöten hinauf in die Höhe. Dann nimmt die Reise Fahrt auf und der Gebirgsbach wirft sich mit Verve ins grüne Tal hinab.

Hartmuth Blumenroth dirigiert mit viel Körpereinsatz. Mal tänzelnd, mal sich wiegend im Dreivierteltakt, mal konzentriert vorgebeugt – immer aber höchst aufmerksam und sensibel leitet er das Ensemble.

Im zweiten Stück des Abends, Josef Gabriel Rheinbergers Konzert für Orgel und Orchester, sorgt der Rheinenser Peter Petermann als Solist für einen spannungsvollen Wechsel vom Lyrischen zum Dramatischen im Dialog zwischen Orchester und Orgel. Der melodische Lauf schwillt an und wird schließlich zum Sturzbach. Menschenwerk durchdringt die unberührte Natur, wuchtig und himmelgreifend. Bilder von Schlössern stellen sich ein, von deren Türmen sich wie von den Wipfeln der Bäume im zweiten Satz der Blick andächtig ins himmlische Gewölbe richtet. Getragen vom Klang der Orgel, strebt die Schöpfung ihrem Schöpfer zu, meint man. Der – so vermitteln es die Violinen im zweiten Satz – zeigt sich wohlwollend und lässt die Sonne weiter scheinen. Mit wahrhaftigen Pauken und Trompeten triumphiert im Finale das himmlische Licht.

Der Abend vollendet sich mit einer Unvollendeten: Franz Schuberts Symphonie in h-Moll ist eines der Paradestücke des Symphonieorchesters Rheine. Auch hier gilt: Die drohende Düsternis eines grauen, kalten Herbsttages – sie will sich einfach nicht einstellen. Moll hin oder her – auch die tiefsten aller Bässe, die Schubert hier verarbeitet hat, bringen es nicht fertig. Stattdessen möchte man mit Dirigent Blumenroth auf Zehenspitzen den zarten Violinen nachlauschen, während Celli und Bässe sich weiter um Düsternis bemühen – oder leicht tänzelnd von einem Spätsommer beim Heurigen im Wien der frühen Romantik träumen.

Im zweiten Satz schließt sich dann der Kreis – wieder stellt sich die zarte Grundstimmung vom Beginn des Konzerts ein. Und endlich ist alles Moll einer sanften Dur-Stimmung gewichen. Das Orchester kann hier alle seine Register ziehen: von zärtlich und kontemplativ bis stürmisch und dramatisch zeichnen sie ein großartiges Stimmungsgemälde, aus dem sich seine Zuhörer nur zögerlich verabschieden. Alles steht beim abschließenden Applaus – und wäre man nicht in der Kirche, erhöbe sich sicher mehr als eine Stimme: „Da capo!“

  Foto: Christiane Nitsche

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